AdUnit Billboard
Stromtrasse - Die Verbindung vom Umspannwerk Lenkerstetten nach Kupferzell wird unterirdisch verlegt

Hohenlohe bleibt „oben ohne“

Von 
Thorsten Hiller
Lesedauer: 
Mit kreativen Aktionen hat die Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe dazu beigetragen, dass die Aussicht auf Hügel und Täler nicht durch eine Hochspannungsleitung beeinträchtigt wird. © Hiller

Die Verbindung vom Umspannwerk Lenkerstetten nach Kupferzell kommt unter die Erde. Reaktionen aus den Gemeinden entlang der geplanten Strecke zeigen, wie wichtig das Thema ist.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Hohenlohe. In Rot am See und Umgebung war 2014 der Aufschrei groß: Die Netze BW, eine Tochter der EnBW, plante eine Stromtrasse von der Umspannstation, die bei Lenkerstetten entstehen soll, zum Umspannwerk in Kupferzell. Die 110 Kilovolt-Leitung soll den im Osten von Hohenlohe durch regenerative Energien erzeugten und nicht verbrauchten Strom in die Ballungsräume abtransportieren. Verschiedene Freiluft- und Erdtrassen wurden geplant.

Darunter waren auch einige Varianten, die – so die Meinung vieler Anwohner und der Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Hohenlohe – im Falle der Umsetzung, die schöne Landschaft verschandeln würden. „Wir haben die Nachricht mit Freude aufgenommen“, betont Bürgermeister Dr. Sebastian Kampe aus Rot am See, „dass die von uns favorisierte Variante nun umgesetzt werden soll – die Erdverkabelung wird kommen.“

Eine Kampagne entsteht

Von Beginn an hat sich die Schutzgemeinschaft für ein Erdkabel eingesetzt: „Wir wollten die Leitung nicht verhindern, sondern wir wollten sie unter der Erde sehen“, fasst Vorsitzende Ruth Tischer die damalige Forderung des in Gerabronn ansässigen Vereins zusammen. Die Mitglieder initiierten eine Kampagne mit den Slogans „Hohenlohe oben ohne“ und „Keine Trasse auf der Terrasse“, weil eine Stromleitung im Süden von Gerabronn verlaufen könnte, in Blickrichtung über das Brettachtal.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

„Viele Menschen haben sich kreativ engagiert“, freut sich die stellvertretende Vorsitzende Heidegret Mayer rückblickend. In einem Dialog mit der Netze BW und der Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium in Stuttgart, sollte die beste Lösung für die gesamte Region gefunden werden. „Es war allerdings schwierig, in einer so frühen Planungsphase, ohne konkrete Trasse, genügend Mitstreiter zu finden“, so Ruth Tischer.

Die betroffenen Gemeinden, die Bürgermeister und auch die Landtagsabgeordneten waren sich einig, dass der Schwarze Peter nicht hin- und hergeschoben, sondern eine für alle verträgliche Lösung gefunden werden sollte, „wir wollen das Gleiche“, betont Gerabronns Bürgermeister Christian Mauch.

Für die Hohenloher war die kürzeste Erdverbindung von der geplanten Umspannstation Lenkerstetten zur bestehenden Freileitung vorbei an Weckelweiler, Lendsiedel, Dörrmenz und Ruppertshofen, der bevorzuge Korridor (Erdkabelkorridor E4). Kirchbergs Bürgermeister Stefan Ohr sagt nun Hilfe bei der Umsetzung zu – über das Gemeindegebiet wird ein Großteil der Trasse verlaufen. Denn es könnten nicht ständig neue Freiflächen-Fotovoltaikanlagen gebaut werden, ohne dass es eine Möglichkeit gebe, den so produzierten Strom auch abzutransportieren. Der Ausbau des Stromnetzes sei ins Hintertreffen geraten. „Nur durch den schnellen Bau von weiteren Stromleitungen können wir die angestrebten energiepolitischen Ziele erreichen“, ist sich der frühere Creglinger Stadtkämmerer sicher. Dass die vorhandene 110-Kilovolt-Freileitungstrasse zwischen Kupferzell und Goldshöfe nicht ausgebaut wird, nahm Ilshofens Bürgermeister Martin Blessing „sehr erleichtert“ auf. „Die alten Masten sollen wohl ertüchtigt, aber nicht größer ausgebaut werden.“ Weitere Details wolle die Netze BW bei der Gemeinderatssitzung Mitte November nennen.

Genaue Prüfung steht noch aus

Nach „respektvollen und wertschätzenden“ (Heidegret Mayer) Verhandlungen und Anhörungen mit allen Beteiligten schlug das Regierungspräsidium Ende 2019 im Raumordnungsverfahren die gewünschte Trasse E4 für die Region vor.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Das bedeutete keineswegs eine endgültige Entscheidung für diese Variante. Die genaue Prüfung sollte im Planfeststellungsverfahren erfolgen: In Baden-Württemberg muss ein Erdkabel verlegt werden, wenn es nicht mehr als das 2,75-Fache einer Freileitung kosten würde.

Die Netze BW ließ die Machbarkeit überprüfen und bestätigte nun, „eine Erdkabeltrasse im Korridor E4 ist planerisch, technisch und betrieblich möglich“. Daher sei sie verpflichtend umzusetzen.

„Positive Nachricht“

Gerabronns Bürgermeister Christian Mauch ist froh, dass die Erdverkabelung kommt: „Wir steuern hier in der Region bereits einen großen Beitrag zur Energiewende bei, vor allem im Bereich der Windkraft. Darum ist es gut, dass nicht auch noch zusätzlich eine Freileitung in unsere Landschaft gestellt wird.“ Ähnlich sieht es Langenburgs Bürgermeister Wolfgang Class: „Die Freileitung hätte den schönsten Streckenabschnitt des Jagsttales überspannt, dass sie jetzt unterirdisch verlaufen soll, ist eine positive Nachricht.“ Dabei sei es ihm gar nicht so wichtig, wo das Kabel läuft, Hauptsache es komme unter die Erde.

Öffentlichkeitsbeteiligung

Nun wird sich die Netze BW mit den Eigentümern der Grundstücke in Verbindung setzen, durch die die Kabeltrasse laufen soll. Parallel dazu wird die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung zur Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens gestartet.

In diesem Zuge möchte das Unternehmen Hinweise und Anregungen für die Planung der konkreten Trassenführung mit den Bürgern von Ilshofen, Kirchberg an der Jagst und Rot am See diskutieren.

„Wir werden das Projekt weiter begleiten“, betonen Ruth Tischer und Heidegret Mayer von der Schutzgemeinschaft, „damit für die betroffenen Kommunen eine gute Lösung möglich ist“.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1