Kultur - Der Komiker Stefan Walz wartet seit einem Jahr darauf, sein neues Programm präsentieren zu können – am 8. Mai soll es soweit sein Gerd Ferz will endlich vom Leder ziehen

Gerd Ferz hätte viel zu erzählen. Doch das Lästermaul mit hohenlohischem Migrationshintergrund ist wegen Corona zur Untätigkeit verdammt. Genau wie sein Schöpfer – Stefan Walz.

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Arno Boas
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Der Kabarettist Stefan Walz wartet seit fast einem Jahr darauf, sein neues Programm präsentieren zu können. Dann wird seine Kunstfigur Gerd Ferz wieder kräftig vom Leder ziehen, Am 8. Mai soll es im Rahmen der Hohenloher Musik-und Kleinkunsttage endlich soweit sein – wenn die Rahmenbedingungen es zulassen. © Stefan Walz

Niederstetten. Seit fast einem Jahr wartet der aus dem Niederstettener Stadtteil Adolzhausen stammende Komiker Stefan Walz darauf, seine Kunstfigur Gerd Ferz wieder von der Leine lassen zu können. Denn der hat ein neues Programm in der Tasche. Das hätte eigentlich schon im April 2020 in Niederstetten präsentiert werden sollen – Corona machte aber der gesamten Kulturszene einen dicken Strich durch die Rechnung. Neuer Premierentermin ist der 8. Mai – im Rahmen der Hohenloher Musik- und Kleinkunsttage in Niederstetten.

Stefan Walz – ein Hohenloher in der Oberpfalz

Stefan Walz, Jahrgang 1978, stammt aus dem Niederstettener Ortsteil Adolzhausen.

1999 beendete er seine Lehre als Verwaltungsfachangestellter bei der Gemeinde Igersheim. Nach dem Jahrtausendwechsel spielte er Theater an diversen Amateurbühnen und war von 2002 bis 2007 Sänger der Alternative-Metal-Band „Torrance“.

Seit 2007 macht er die Kleinkunstbühnen mit seiner Kabarettfigur „Gerd Ferz“ unsicher. Stefan Walz lebt seit drei Jahren in Schwandorf (Oberpfalz). Er arbeitet in einer kleinen Stadtverwaltung in der Nähe von Amberg.

Sein neues Programm, das den Arbeitstitel „Fünf Mantras und ein Straßenfest“ trägt, soll nach einjähriger Corona-Zwangsverschiebung nun am 8. Mai in Niederstetten Premiere feiern. abo

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Mit Gerd Ferz hat Stefan Walz eine Figur geschaffen, die den Leuten aufs Maul schaut und die für ihre bissigen Kommentare – gern auch mal unter der Gürtellinie – gefürchtet ist. Seit 2008 geht Stefan Walz auf Tour. Vier Programme und ein Best-of-Programm im Jahr 2018 sind seiner Feder bisher entsprungen. Programm Nummer fünf steht zwar seit einem Jahr auf dem Papier – auf die Bühne hat es der Kabarettist aber bisher noch nicht bringen können. Sein letzter Auftritt vor großem Publikum liegt mittlerweile eineinhalb Jahre zurück. „Die Hoffnung war ja, dass es im Hebst 2020 weitergeht mit der Kultur. Aber dann kam der zweite Lockdown“, so der 43-Jährige, der seit drei Jahren in der Oberpfalz lebt – „der Liebe wegen“, wie er sagt.

Der Kontakt zum Publikum fehle ihm inzwischen sehr, „das geht an die Nerven und die Substanz“. Immerhin hat Stefan Walz die auftrittslose Zeit genutzt und weiter an seinem neuen Programm gefeilt, in dem er sich unter anderem mit der Wellness-Szene befasst. Und wer Gerd Ferz, den Prototypen des Hohenloher Dummschwätzers aus der Nachbarschaft, kennt, der weiß, dass das weh tun kann. Der notorische Junggeselle Gerd Ferz hat viel Meinung, aber wenig Ahnung. Und wenn es mal keine Probleme gibt – etwa mit seiner Lieblingsfeindin, der Doppelnamen-Lehrerin – dann sucht er sich eben welche. Und darin ist das „typische Muswiesen-Gesicht“ (Walz über Ferz) ausgesprochen gut.

Stefan Walz vermisst den direkten Draht zum Publikum und hofft inständig, dass im Frühjahr wieder Kulturveranstaltungen möglich sind. Seiner Kunstfigur Gerd Ferz wird es ähnlich gehen, denn das Lästermaul reibt sich nur zu gerne am Publikum. Wobei: Das Schandmaul zieht nicht nur über Gott und die Welt her, sondern kann sich auch selber auf den Arm nehmen. „Er ist ja nicht ganz der Hellste, und dass er sich auch selbst zum Deppen macht, macht ihn schon fast sympathisch“, beschreibt Walz sein Hohenloher Schlitzohr. In seinen Programmen bricht Stefan Walz die globalen Zusammenhänge herunter auf den Hohenloher Mikrokosmos. Es sind die täglichen Dinge des Lebens, die das Publikum fesseln. „Interessant ist es zu beobachten, wenn die Zuschauer grübeln, ob sie an einer Stelle noch lachen können oder ob sie eher peinlich berührt schweigen“, erzählt der Komiker, der auch hier auf Spontanität setzt und dann entweder noch eine Schippe drauflegt oder eben das Ganze nicht ausreizt. „Dieses Spiel mit dem Publikum vermisse ich“.

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In seiner Wahlheimat, der Oberpfalz, hat Stefan Walz auch schon Auftritte absolviert. „Die Hohenloher und die Oberpfälzer sind sich vom Gemüt her nicht unähnlich – sie sind etwas maulfaul und neigen zu derbem Humor“. Und weil das Programm von Stefan Walz in erster Linie nicht vom Dialekt, sondern von der Mentalität des Protagonisten lebt, gibt es kaum Verständigungsschwierigkeiten. Nur daran, dass die Oberpfälzer ihn als „Schwaben“ titulieren, hat er sich noch nicht gewöhnt.

Dass die Kunstfigur ab und zu mit der realen Person verschmilzt, daran hat sich Stefan Walz schon gewöhnt. So kommt es immer wieder vor, dass ihn Leute mit „Herr Ferz“ ansprechen. Dazu passt auch die Anekdote, wie Walz zum Namen seines Hohenloher Schlitzohrs kam. Einem Sparkassenkunden fiel der Name seines Sachbearbeiters – Walz – nicht ein, und so fragte er versehentlich nach „Herrn Ferz“. Und weil Stefan Walz damals gerade auf der Suche nach einem Namen für seine Bühnenfigur war, wurde „Gerd Ferz“ geboren. Zumal „Ferz“ im Hohenlohischen ein geflügeltes Wort ist und so viel bedeutet wie „Unsinn“ oder „Quatsch“.

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Die Proben für seinen Auftritt im Mai in Niederstetten hat Stefan Walz noch nicht begonnen. Damit fängt er erst vier, fünf Wochen vor dem Termin an. Dann aber in verschärfter Form. Täglich wird der Text gelernt, „das ist stures Auswendiglernen und Sprechen gegen die Wand“, so der Kabarettist. Das Programm umfasst zwei Blöcke von je zirka 50 Minuten, die er im Wechsel probt. Manchmal fallen ihm beim Proben noch neue Gags ein, die kurzfristig eingebaut werden. Auf der Bühne ist dann trotz sattelfest sitzenden Textes immer auch Improvisationskunst gefragt.

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Die auftrittsfreie Zeit hat Stefan Walz aber nicht nur zur Verfeinerung seines Kabarettprogramms genutzt. Der 42-Jährige hat ein Buchprojekt angefangen, das ihm schon lange durch den Kopf ging. „Ich hab schon immer gern gelesen, Geschichten erzählt und Kurzgeschichten geschrieben“, so Stefan Walz. Da war es wohl nur folgerichtig, dass irgendwann ein Buchprojekt folgen würde. „Mit Gerd Ferz hat das allerdings nichts zu tun“, sagt der angehende Autor. Es handelt sich vielmehr um einen klassischen Fantasy-Roman. Zu einem Drittel hat er das Werk bereits fertig. Unter Zeitdruck setzt sich Stefan Walz allerdings nicht. Wenn die Kulturszene wieder zum Leben erwacht, dann wird auch Gerd Ferz wieder zu seinem Rundumschlag auf die liebe Nachbarschaft ansetzen und den ganzen Mann fordern. Vielleicht macht sich der hohenlohische Dickschädel dann ja sogar lustig über Leute, die ein Buch schreiben. Zuzutrauen wäre es ihm allemal . . .

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim