Kommunalwahl in Niederstetten - Allgemeines Bedauern über das Ausscheiden von Stadtrat Wolfgang Dornberger / Bürgermeisterin freut sich über ihr gutes Ergebnis Freude und Trauer eng beieinander

Von 
Bettina Semrau
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Sie haben in Zukunft über den Kreistag mehr miteinander zu tun: Die Niederstettener Bürgermeisterin Heike Naber (hier am Abend ihrer Wahl Anfang Februar 2018) und Landrat Reinhard Frank (rechts). Naber verbuchte mit 5538 Stimmen hinter den Wertheimer und Bad Mergentheimer OBs kreisweit einen dritten Platz. © Bettina Semrau

Freude, Enttäuschung und sogar Schockiertheit: Die Reaktionen auf das Ergebnis der Kommunalwahl fallen in Niederstetten sehr unterschiedlich aus.

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Niederstetten. Gegensätzliche Gefühle vereint Bürgermeisterin Heike Naber in sich: Große Freude über ihr Abschneiden bei der Kreistagswahl, bei der sie mit 5538 Stimmen das drittbeste Ergebnis im Kreis eingefahren hat – und über die höhere Wahlbeteiligung. Und Trauer über das Ausscheiden des langjährigen CDU-Stadtrats Wolfgang Dornberger, der es nicht mehr ins Gremium geschafft hat. „Darüber bin ich persönlich traurig“, sagt Naber, denn Dornberger sei eine Koryphäe im Bereich Umwelt- und Naturschutz und verfüge im Gemeinderat hier über den größten Sachsverstand. Auch nach seinem Ausscheiden werde man ihn aber weiter beratend „mit ins Boot holen“, versicherte die Bürgermeisterin.

Den Einzug ihrer ehemaligen Bürgermeister-Konkurrentin Heidrun Beck ins Stadtparlament kommentiert Naber so: „Es gehört zur Demokratie, dass Frau Beck entschieden hat, für den Gemeinderat zu kandidieren. Ich werde sie entsprechend willkommen heißen und ihr zu ihrem guten Ergebnis gratulieren.“ Und weiter: „Ich wünsche mir, dass die Zusammenarbeit mit der AWV künftig genauso harmonisch und konstruktiv verläuft wie im vergangenen Jahr.“

Wie Fraktionssprecher Ulrich Roth sagt, freue sich die AWV über das „große Vertrauen der Wähler“ und darüber, „deutlich die meisten Stimmen auf ihrer Liste erhalten zu haben“. Mit 12 von 19 Mandaten führe auch weiter „kein Weg an einer parteiunabhängigen Kommunalpolitik“ vorbei. Als „herausragend“ hob Roth das Ergebnis von Harald Dietz hervor, der „mit großem Abstand Stimmenkönig“ geworden sei. Erfreulich sei auch das „fulminante Ergebnis, mit dem Heidrun Beck aus dem Stand ins Gremium einziehen konnte“. Die ehemalige Bürgermeister-Kandidatin setze damit um, was sie im Wahlkampf versprochen habe: Sich in Niederstetten kommunalpolitisch einbringen zu wollen.

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Enttäuschend sei für die AWV allerdings, dass man einen Sitz in Niederstetten sowie einen Teilort habe abgeben müssen. Dadurch sei verhindert worden, dass weitere neue Kandidaten in den Gemeinderat eingezogen seien. So gebe es nur drei neue Gesichter, die allesamt zur AWV gehörten.

Den gewählten Kandidaten der CDU und der SPD gratulierte Roth zu ihren „guten Ergebnissen“, auch weil sie sich „dem allgemeinen Abwärtstrend ihrer Parteien widersetzen“. „Ganz bitter“ ist für Roth das Ausscheiden von Wolfgang Dornberger (CDU). Er habe „über 25 Jahre als Gemeinderat und viele Jahre als stellvertretender Bürgermeister hervorragende Arbeit geleistet und wird dem Gemeinderat fehlen“, bedauerte Roth.

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Kritik äußerte Roth im Zusammenhang mit der Kreistagswahl. Sehr positiv sei zwar, dass Bürgermeisterin Heike Naber mit großem Abstand die meisten Stimmen im Wahlkreis VII geholt habe. „Leider“, so Roth, sei es „erneut nicht gelungen, zwei Personen aus Niederstetten in den Kreistag zu wählen“. Und weiter: „Es treibt mir die Zornesröte ins Gesicht, wenn ich sehe, dass über ein Drittel der Stimmen nach auswärts gegangen sind. Ob der Wählerwille den Wähler letztlich auch den größtmöglichen Nutzen bringt, wird sich zeigen.“ Obwohl Georg Keim (CDU) mit 1894 Stimmen die meisten Stimmen in seiner Fraktion verbuchen konnte und das viertbeste Ergebnis einfuhr, waren er und seine Mitstreiter vom Wahlergebnis enttäuscht: Man hatte gehofft, mehr Stimmen zu bekommen.

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Persönlich hatte Keim sowieso mit einem Rückgang zwischen 100 und 300 Stimmen gerechnet, weil er von der AWV zur CDU gewechselt sei. Grund hierfür sei, dass sich im Laufe seiner Gemeinderatsarbeit herauskristallisiert habe, „dass ich mit den Leuten auf der CDU-Liste noch besser zusammenarbeiten kann“. Regelrecht „geschockt“ hätten ihn und seine Kollegen das Ausscheiden von Wolfgang Dornberger, der es nicht mehr in den Gemeinderat geschafft hat.

„Zufrieden“ mit dem Wahlausgang ist SPD-Stadtrat Klaus Lahr, der mehr Stimmen bekam als vor fünf Jahren: Er erhielt 1559 (2014: 1129). Mit Renate Streng-Scheu (860 Stimmen), die den einzigen Ausgleichssitz im Stadtparlament erhielt, wird er wieder in den Gemeinderat einziehen. Dass die Niederstettener SPD ihr Ergebnis gesteigert habe, sei besonders erfreulich, wenn man bedenke, dass der Trend bei der SPD ja zurzeit in die andere Richtung gehe, auch im Kreis, sagte Lahr. Neben dem außergewöhnlichen guten Ergebnis des Wertheimer SPD-Oberbürgermeisters bei der Kreistagswahl sei die Niederstettener SPD die einzige im Kreis, die bei der Kommunalwahl Stimmen hinzugewonnen habe. In den nächsten Jahren setze die Niederstettener SPD wie bisher auf „eine gute überparteiliche Zusammenarbeit“ und will sich künftig auch auf den Klimaschutz fokussieren, sagte Lahr abschließend.

Redaktion