Stadt Crailsheim - Auch beim dritten Wahlgang Quorum für neuen Jugendgemeinderat nicht erreicht Enttäuschung über zu geringe Wahlbeteiligung

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Auch die Möglichkeit zur Briefwahl hat die Crailsheimer Jugendlichen nicht zum „Urnengang“ motivieren können. Nicht einmal 20 Prozent der Jungwähler gaben Stimmen ab. © dpa

Crailsheim. Auch im dritten Anlauf konnte kein neuer Jugendgemeinderat in Crailsheim gebildet werden. Dies teilte die Stadtverwaltung mit. Bei der am Samstag zu Ende gegangenen Wahl wurde das benötigte Quorum von 20 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten nicht erreicht.

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Sowohl Sozial- nund Baubürgermeister Jörg Steuler als auch die Stadträte zeigten sich über den Ausgang enttäuscht und gehen auf Ursachensuche.

Insgesamt 1701 Wahlberechtigte waren in den vergangenen Wochen dazu aufgerufen, ihre Vertreter in den Jugendgemeinderat zu wählen. 32 Jugendliche hatten sich dabei zur Wahl aufstellen lassen, die in diesem Jahr Corona-bedingt ausschließlich per Briefwahl möglich war. Damit das 14-köpfige Gremium wirksam gewählt worden wäre, hätten 20 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Unterlagen einreichen müssen – das wären 341 gewesen.

Gar nicht erst ausgezählt

Am Samstagabend kam der Gemeindewahlausschuss im Ratssaal zusammen. „Insgesamt erreichten uns 288 Stimmen, womit die notwendige Wahlbeteiligung nicht erreicht wurde“, stellte Sozial- und Baubürgermeister Jörg Steuler fest. Eine Auszählung der Stimmen fand damit gar nicht erst statt. „Mir tut es sehr leid, dass das Ergebnis so ist, denn ich hätte mir einen neuen Jugendgemeinderat gewünscht“, stellte Steuler fest. Er würdigte den Einsatz des bisherigen Rats, der fast zwei Wahlperioden im Amt war. Denn die jetzige Wahl war bereits der dritte Versuch, ein neues Gremium zusammenzustellen. Der erste Versuch scheiterte aufgrund mangelnder Bewerber, dann verhinderte die ausbrechende Corona-Pandemie eine Kandidatensuche in den Schulen. Nun hatte der Gemeinderat die Möglichkeit einer Briefwahl geschaffen, um zumindest darüber eine ordnungsgemäße Wahl abzuhalten.

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Möglicherweise könnte dies jedoch auch mitursächlich für das schwache Ergebnis gewesen sein. „Ich hatte damit gerechnet, denn eine Briefwahl ist kein Mittel von Jugendlichen, das heute noch viel genutzt wird. Darauf hatte ich im Gemeinderat bereits hingewiesen und nun hat sich dies bestätigt“, bedauerte der bisherige Jugendgemeinderats-Vorsitzende Deniz Al den Wahlausgang. Er bot an, sein Amt weiterführen zu wollen, bis eine erfolgreiche Neuwahl durchgeführt wurde.

Ob es diese geben wird, darüber muss der Gemeinderat entscheiden. Charlotte Rehbach (Grüne) zeigte sich ähnlich wie Steuler über das Ergebnis sehr enttäuscht: „Ich war frohen Mutes und hätte nicht gedacht, dass es so ausfällt. Das ist schade für Crailsheim, denn der Jugendgemeinderat war immer ein Aushängeschild und scheint jetzt bei uns zunächst gescheitert.“

Besseres Ergebnis im Sommer?

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Roland Klie (SPD) vermutete, dass die Wahlbeteiligung bei laufendem Präsenzunterricht anders ausgegangen wäre. Dann hätten die Schüler die Möglichkeit gehabt, direkt in der Schule ihre Stimmen abzugeben. „Ich bin optimistisch, dass es im Sommer bei einer Wahl in den Schulen ein besseres Ergebnis geben wird“, so Klie.

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Ähnlich argumentierte auch Heiko Feudel von der AWV: „Wir müssen dranbleiben und versuchen, den Jugendgemeinderat ohne Pandemie auf den Weg zu bringen.“ Lukas Köberle (CDU) wollte daher auch nicht das Gremium an sich in Frage stellen, sondern gab ebenfalls der Situation die Schuld. Ingeborg Hein (BLC) fehlt das Verständnis dafür, dass bereits der Gang zum Briefkasten eine derartige Herausforderung für die Jugend darstellt. „Ich hoffe, dass wir bei einer neuen Wahl zumindest Hälfte an Bewerbern finden, wie es jetzt der Fall war“, meinte sie. Auch Al merkte an: „Ein paar Kreuze machen sollte eigentlich kein Akt sein. Daher gilt mein Dank all jenen, die sich zum einen aufgestellt haben und zum anderen tatsächlich wählen waren.“ stv