Da wird mir schwindlig

Von unserem Redaktionsmitglied

Von 
Von unserem Redaktionsmitglied
Lesedauer: 

Ist Ihnen auch manchmal schwindlig? Vielleicht weil Sie wetterfühlig sind und der Kreislauf bei diesen gewittrigen Wetterlagen unter Stress gerät? Oder weil das dritte erfrischende Bier eines zuviel war? Wie dem auch sei, es gibt genug Gründe dafür, dass einem schwindlig werden kann. Jetzt gibt es einen weiteren, und der steckt in einer einzigen Zahl: 222. Nun gut, das ist nicht die ganze Zahl, denn es kommen noch sechs Nullen dazu. So formt sich eine neue Dimension: 222 000 000 Millionen. Diese Summe veranschlagt Daimler Benz für die Umrüstung von drei Millionen Diesel-Autos - okay, das ist geschummelt, denn eigentlich sind es "nur" 220 Millionen Euro (wobei schummeln ja zum Diesel-Skandal passen würde - aber das ist ein anderes Thema).

AdUnit urban-intext1

Würde der Autohersteller noch läppische zwei Millionen Euro drauf legen, könnte er sich etwas Sinnvolles leisten, einen brasilianischen Fußballspieler zum Beispiel: Neymar da Silva Santos Júnior, 25 Jahre alt, der soeben für genau diese Summe vom FC Barcelona zum französischen Club Paris St. Germain gewechselt ist.

Bevor wir jetzt aber kübelweise Empörung über den Besitzer des Vereins, eine katarische Investorengruppe, ausschütten, lassen Sie uns kurz inne halten. Was hätten die Araber denn sonst mit dem Geld machen sollen? Es auf die Bank bringen und am Ende noch Strafzins dafür zu zahlen? Oder zwei weitere Luxus-Yachten kaufen, um sich damit im Golf von Aden noch mehr zu langweilen? Sie hätten zum Beispiel den VfB Stuttgart kaufen können. Der ist zwar inzwischen auch kein Schnäppchen mehr, aber wenn die Katarer noch 50 Millionen Euro drauf gesattelt hätten, dann wäre der Erwerb des VfB in greifbare Nähe gerückt - okay, rechtlich wäre das (noch) gar nicht möglich. Aber der Vergleich soll ja auch nur zeigen, in welch irrsinnigen Zeiten wir uns befinden. 222 000 000 Millionen Euro für einen Sportler, das sprengt die menschliche Vorstellungskraft und jeden Rahmen der Vernunft. Ganz abgesehen von der moralischen Seite - wobei die im überhitzten Fußballgeschäft ohnehin nichts verloren hat.

Und doch werden sich die Investoren etwas dabei gedacht haben. Investoren wollen schließlich Rendite. Neymar ist die Zukunft - wenn er denn gesund bleibt, mit dem Trainer und seinen Vereinskollegen harmoniert und wenn Paris irgendwann mal die Chanpions League gewinnen sollte.

AdUnit urban-intext2

Im Grunde sind wir ja selbst schuld. "Wir" - das sind all die Menschen, die den Fußball lieben, die ins Stadion rennen, die sich die Trikots ihrer Idole kaufen und sich Bezahl-Fernsehen leisten. Nur dank dieser unglaublichen Sogkraft des Fußballs sind solche obszönen Unsummen denkbar. Auch das gehört zur bitteren Wahrheit.

Ich stelle mir manchmal vor, was wäre, wenn ich im Lotto eine Million Euro gewinnen würde, was ich mit dem vielen Geld machen würde. Ein viel größeres Problem hat jetzt der FC Barcelona: wohin mit den 222 Neymar-Millionen? Wie zu hören war, wollen sie den Dortmunder Jung-Star Ousmane Dembélé als Ersatz kaufen. Für kolportierte 100 Millionen Euro.

AdUnit urban-intext3

Vor einem Jahr wäre das einer der teuersten Deals aller Zeiten gewesen - jetzt dagegen klingt es fast schon nach einem Schnäppchen. Mir wird schon wieder schwindlig . . .