Evangelische Tagungsstätte "Wildbad" - Das Jahresprogramm 2017 enthält einige Neuerungen Im "ökumenischen Geist der Freiheit"

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Das Jahresprogramm 2017 des Tagungszentrums "Wildbad" bietet ein breites Spektrum.

© Dieter Balb

Fast hätte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts geklappt mit einem "Bad Rothenburg", wenn die Heilquelle nicht versiegt wäre. Geblieben ist das Wildbad, heute gefragte Evangelische Tagungsstätte.

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Rothenburg. Erbaut wurde es um 1900 von Hofrat von Hessing, der es vor hundert Jahren wieder verkauft hat. Die spannende Hausgeschichte mit Höhen und Tiefen hat ein gutes Ende genommen, und 2017 ist das Wildbad mit seinen Angeboten mehr denn je gefragt.

Das Jahresprogramm 2017 bietet ein breites Spektrum, wobei Leiter Pfarrer Herbert Dersch auf die Frage nach dem "Evangelischen" in der Tagungsstätte betont, es herrsche ein "guter, ökumenischer Geist der Freiheit" im Haus und man beherberge nicht nur in der Kirche tätige Menschen aus ganz Deutschland, sondern habe den Gästekreis darüber hinaus erweitert und trotz evangelischer Trägerschaft seien Katholiken genauso willkommen. Ferner präsentiert man sich heute wie ein Hotelbetrieb: "Wir nutzen die freien Kapazitäten, Zimmer sind über Hotelportale buchbar", erläutert Dersch.

Angebotsschwerpunkte

Zu den Angebotsschwerpunkten sagt er: "Wir haben unsere Haustagungen wie zum Beispiel Cursillo, der kleine Glaubenskurs, dann Weltanschauungen im Gespräch, das Thema Wirtschaftsethik, aber wir setzen ebenso Akzente in der Kultur". Ganz neu soll dies 2017 mit Künstlern geschehen, die mehrere Monate auf Einladung im Wildbad residieren und sich hier gestalterisch einbringen.

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Der durch die Erfindung von Prothesen berühmt gewordene Orthopäde Hessing hätte sich kaum träumen lassen, dass sich sein imposanter Kur-Bau im 21. Jahrhundert wieder als ein Schmuckkästchen darstellt. Aus Schönbronn bei Rothenburg stammend (wo es noch ein Hessingsches Hofgut gibt) entdeckte der Hofrat das seit Topplers Zeiten um 1400 vorhandene Heilbad an der Tauber als Herausforderung. Nicht nur in Bad Kissingen und Bad Reichenhall war er mit dem Bau von Kuranlagen engagiert, sondern schließlich auch in Rothenburg und 1903 konnte das "Badeetablissement und Kurhotel" pompös eröffnet werden.

Vorbei mit der Herrlichkeit

Aber schon in den zwanziger Jahren ist es vorbei mit der Kurstadtherrlichkeit. 1917 verkaufte Erbauer Friedrich Hessing das riesige Gebäude- und Grundstücksareal für nur 168 300 Mark an die Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger. Es folgt eine wechselvolle Geschichte, zeitweise droht der Verfall. Ab 1951 wird das Wildbad Bayerische Bereitschaftspolizei-Schule, womit die Öffentlichkeit ausgesperrt ist.

Vorkaufsrecht genutzt

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Nach dem Auszug der Polizei nistete sich dann 1977 kurz eine Meditationssekte dort ein, was die Stadt veranlasste, ihr Vorkaufsrecht zu nutzen, um das Haus in die Hände der Evangelischen Kirche zu bringen, die schließlich Eigentümer wurde. So begann die anhaltende neue Erfolgsgeschichte des denkmalgeschützten Bauwerks, das mit Millionen Euro stilvoll hergerichtet wurde.

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Als nächstes bauliches Ereignis steht für 4. Mai die Wiedereröffnung der restaurierten, historischen Kegelbahn im Holzpavillon des Parks an. Mit Krippenweg und Schwarz-Weiß-Ball ist man ins neue Jahr gestartet. Zuspruch erleben neue Seniorenangebote. Sogar einen klassischen Tanz-Café-Nachmittag führt man wieder ein. "Alles in Luther" heißt eine Kulturveranstaltung am 27. Januar. Danach halten die Evangelischen Häuser Bayerns ihre Jahrestagung ab. "Podium junger Musiker" lautet eine Reihe von drei Konzerten.

Jahrestagung

Das Frühstücks-Treffen für Frauen und ein Chorleiterseminar sind weitere Ereignisse. Anfang März hält die Jakobs-Gesellschaft ihre Jahrestagung, an Ostern stellen erstmals Studenten der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg ihre Arbeiten im Wildbad aus. Es wird ständig getagt, kirchlich wie weltlich. Am 23. März befasst sich die Synode des Dekanatsbezirks Rothenburg mit dem Reformationsthema.

Immer wieder ist die Evangelische Akademie Tutzing mit Seminaren als einer der wichtigen Kooperationspartner im Wildbad vertreten. Rund 40 Mitarbeiter mit Stephan Michels als erfahrenem Hotelchef sorgen für zufriedene Besucher im Wildbad, das 58 Zimmer und zahlreiche Säle wie den herrlichen Rokokosaal bietet.

2017 wird man die regelmäßigen öffentlichen Kultur- und Begegnungsangebote speziell auch für Familien ganzjährig fortsetzen und intensivieren.

Pfarrer Herbert Dersch sieht die Einrichtung damit auf dem richtigen Kurs. Dieter Balb