Gottesdienst an ungewöhnlichem Ort - Kirchengemeinden in und um Niederstetten feiern Christi Himmelfahrt auf dem Flugfeld "Beobachte Erde, Stimmung munter..."

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Das Flugfeld des Niederstettener Flugplatzes wählten die Kirchengemeinden in und um Niederstetten als Ort für einen ungewöhnlichen Himmelfahrts-Gottesdienst.

© Kirchengemeinde

Niederstetten. Das leise Brummen der Motoren vom Hangar stört überhaupt nicht. Eher untermalt es die Kirchenlieder, die vom Rand des kleinen Zivilflugplatzes bis hinüber zur Start- und Landebahn tönen. Es sind die Klänge der Sehnsucht, selbst einmal fliegen zu können.

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Nur ein paar Meter trennen den gemeinsamen Gottesdienst der Kirchengemeinden im evangelischen "Distrikt" Niederstetten vom gedämpften feiertäglichen Flugbetrieb. Dieses Jahr hat sich die kirchliche Himmelfahrts-Gemeinde zum zweiten Mal auf der Außenveranda der "Fliegerstube" versammelt. So heißt das kleine Sonn- und Feiertags-Café, betrieben von der Bundeswehr-Sportfluggruppe, benachbart zur Hermann-Köhler-Kaserne mit ihrer Hubschrauber-Einheit.

Himmelfahrt, das ist nicht Gott "über den Wolken", abgehoben und lösgelöst vom Irdischen. So drückt es Pfarrer Roland Silzle in seiner Predigt aus. "Beobachte Erde" - dieser Funkspruch des ersten Weltraumfahrers Jurij Gagarin könnte genauso ein göttlicher Funkspruch gewesen sein. Gott gibt tatsächlich Obacht auf das, was auf der ganz menschlichen Ebene abspielt. Deswegen soll auch der christliche Glaube Bodenkontakt halten. Die Predigt streift aber auch Flieger-Ikonen: den mythologischen Ikarus, den Schneider von Ulm, Otto Lilienthal, die Wright-Brüder, den "roten Baron", Charles Lindbergh. Ganz nach oben möchten die Menschen ihren Horizont aufspannen, gerade auch spirituell. Über diesen Drang nach oben predigt Pfarrer i.R. Joachim Pfau. Die beiden Pfarrer geben einander die Impulse hin und her, predigen im Dialog. Wieso nun aber der Flugplatz und nicht die Kirche als Ort dieser Feier? Die Idee entstand einfach plaudernd bei einer Tasse Kaffee, erzählt Pfau nach dem Gottesdienst beim Imbiss.

"Himmel bedeutet herrliche Weite"

"Natürlich wissen alle, dass Jesus bei seiner Himmelfahrt nicht in die höheren Luftschichten entschwunden ist. Himmel, das bedeutet aber heute noch für viele Menschen herrliche Weite und das Empfinden einer Freiheit, die schrankenlos ist. In einer Zeit, in der sich einige Leute lieber wieder umschränken und Grenzen eher zu sehr betonen, wollen wir in der Kirche daran erinnern, wie grenzenlos Gott wirkt."

"Sind gerne Gastgeber"

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"Wir sind gerne Gastgeber für die Kirchengemeinden", formuliert Dieter Schwarz für die Sportflieger. "Uns ist an guten Kontakten mit den umwohnenden Bürgerinnen und Bürgern gelegen. Wenns über den Köpfen der Nachbarorte mal brummt, dann doch sympathischerweise."

"Beobachte Erde. Stimmung munter. Setze Flug fort." Das waren Gagarins Worte vor 55 Jahren. Man möchte wünschen, dass die Kirchengemeinden und die Sportflieger auch künftig wieder einmal zusammen "brummen" lassen.