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Unabhängige Erzeuger-Gemeinschaft Hohenlohe-Franken - Hauptversammlung in Niederstetten / Jahresüberschuss erwirtschaftet / Kritik an der Politik geäußert / Erzeuger wollen eine Perspektive

2020 für Schweineproduzenten „ein Wechselbad der Gefühle“

Von 
Klaus T. Mende
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Nach langjähriger Tätigkeit im Vorstand wurde Friedrich Vogt (rechts, mit Frau) vom UEG-Vorsitzenden Matthias Frieß verabschiedet. © Klaus T. Mende

Niederstetten. „2020 war für uns ein Wechselbad der Gefühle“ – Matthias Frieß, Vorsitzender der Unabhängigen Erzeuger-Gemeinschaft Hohenlohe-Franke (UEG), versuchte zu Beginn der Hauptversammlung in der Alten Turnhalle in Niederstetten seine Gefühlslage erst gar nicht zu unterdrücken. Die zurückliegende Zeit sei geprägt gewesen von Horrorszenarien, deren Folge ein Jahr gewesen sei, in dem es bei Schweinen und Ferkeln Rekord- und Tiefstpreise gegeben habe.

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Die Corona-Krise mit Schlachthofschließungen oder die Afrikanische Schweinepest habe den Erzeugern zahlreiche Knüppel zwischen die Beine geworfen, die ein Überleben immer schwieriger machten. Zudem stelle die Politik stets höhere Hürden mit zunehmenden Kontrollen, Vorschriften und Bürokratie in den Weg, was die Angelegenheit auch weiter verkompliziere. Hier müsse schnell der Hebel umgelegt werden, um weitere Schweineproduzenten davon abzubringen, ihre Höfe zu schließen. Ihnen müssen eine wirtschaftliche Perspektive sowie Planungssicherheit geboten werden. Die Politik habe viele falsche Entscheidungen getroffen, „die den Bauern Milliarden gekostet haben“.

Kaum Möglichkeit zur Entfaltung

Frieß kritisierte auch den Umgang vieler Supermarktketten und Discounter mit der Landwirtschaft. Sie ließen den Bauern mit ihren niedrigen Preisen für viele Agrarprodukte kaum eine Möglichkeit, sich in finanzieller Hinsicht freizuschwimmen.

Die rühmliche Ausnahme sei hier die Edeka Südwest als „verlässlichem Partner für die Landwirte“. Ein neuer Vertrag mit Bonusmodell gewährleiste zumindest für die teilnehmenden Betriebe an dem Programm ein faires und gutes Einkommen und erhöhe deren Vermarktungschancen.

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Geschäftsführer Uwe Rüttiger sprach ebenfalls von einer „Schlittenfahrt bei den Preisen“. In absoluten Stückzahlen gestalte sich die Situation im Vergleich zu 2019 gar nicht einmal so schlecht. Insgesamt seien 829 019 Tiere (Ferkel, Schweine, Großvieh, Schafe) aufgetrieben worden – 85 weniger als im Jahr zuvor. Erfreulich habe sich das Ganze bei den Mastschweinen entwickelt, mit einer Zunahme um 10 655 – dank des Engagements von Edeka Südwest. Er kritisierte das Auf und Ab bei den Preisen – bei Masttieren und bei Ferkeln. Dies mache einer zuverlässigen Planung einen dicken Strich durch die Rechnung – vor dem Hintergrund, dass „die Landwirte mit jedem Cent rechnen müssen“.

Uwe Rüttiger prognostizierte, dass die globale Nachfrage nach (Schweine-)Fleisch in der kommenden Dekade weiter zunehmen werde, da auch die Weltbevölkerung wachse. Deswegen sei die Forderung berechtigt, dass „wir die Möglichkeit bekommen sollen, am Markt teilnehmen zu können“. Allerdings sei dies hierzulande zurzeit politisch nicht gewollt. Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest sei Deutschland vor allem im Hinblick auf den chinesischen Markt völlig abgeschnitten. Nicht zuletzt deshalb drohe der Verlust weiterer Produktions- und Mastbetriebe in Deutschland und somit ein weiterer Rückgang der Tiere aus heimischer Produktion. Begleitend dazu gehe auch der Selbstversorgungsgrad weiter nach unten. „Nutztierhaltung wird so immer schwerer“, so die Einschätzung des Geschäftsführers.

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Klaus T. Mende
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Rückgang bei den Umsätzen

Den Kassenbericht für das abgelaufene Jahr skizzierte Herbert Klein. Das Urgestein auf dem Geschäftsführerposten ist seit 34 Jahren auf diesem Gebiet engagiert und damit der dienstälteste Vertreter seiner Zunft bundesweit. Klein berichtete von durch Corona bedingten Rückgängen bei den Verkaufsumsätzen. Er hatte aber dennoch einen Lichtblick zu verkünden, denn „wir haben einen Jahresüberschuss von 172 194 Euro erzielt“. Großes Plus der Gemeinschaft sei der Umstand, dass man nicht auf Gewinnmaximierung aus sei. „Wir sind für die Bauern da.“

Auch Herbert Klein übte Kritik am weiter zunehmenden Bürokratismus, der „uns auffrisst“. Und er warf den politisch Verantwortlichen an der Spitze des Staates Versagen vor – etwa bei der Bewältigung des Problems Afrikanische Schweinepest. Der UEG-Geschäftsführer regte zugleich eine „Verlagerung der Kompetenzen von oben nach unten an“. Dies müsse die Basis im Zweifelsfall deutlich artikulieren. Es sollte zu schaffen sein, dass künftig nicht nur der finanzielle Ertrag, sondern wieder der Mensch verstärkt in den Mittelpunkt rücke.

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„Das Unternehmen ist insgesamt ,saugut’ aufgestellt“, bilanzierte der Kassenprüfer. Er bescheinigte der Spitze der UEG eine „hervorragende Arbeit“ zum Wohle ihrer Mitglieder. Selbstredend, dass die Genehmigung des Jahresüberschusses für 2020 sowie der Beschluss über die Verwendung des Reingewinns (zum überwiegenden Teil fließt er in die Rücklagen) einstimmig erfolgten. Und auch die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat waren reine Formsache.

Schließlich wurde noch Friedrich Vogt vom Vorstandsvorsitzenden Matthias Frieß verabschiedet. Er war über viele Jahre im Vorstand und Beirat der UEG tätig. Dafür sprach ihm Frieß seine Anerkennung aus und überreichte ein Präsent.

In früheren Zeiten galt die Maxime: „Schweine bringen Scheine, Kühe machen Mühe“. Sollte es gelingen, so die Hoffnung aller, zumindest ein stückweit den Weg in diese Richtung einzuschlagen, würde sich die Situation der Schweineproduzenten auf einen Schlag deutlich verbessern.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt

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