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Vortrag in Mudau - Andreas Knapp referierte bei der Kolpingsfamilie in Mudau

Wer alles gibt, hat Hände frei

Von 
sis
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Mudau. Charles de Foucauld – gelangweilter Adelsspross, ehrgeiziger Offizier, dann in großer Armut lebender Klosterbruder und Ordensgründer ohne messbaren Erfolg. Andreas Knapp - Hettinger Schreinersohn, berühmter „Wasserheiner“ im KJG-Zeltlager, Priester mit besten Aufstiegschancen in der Kirchenhierarchie, dann, in der Nachfolge von de Foucauld, einfacher Ordensbruder in einem Leipziger Plattenbau. Was sich jeweils nach Abstürzen im Lebenslauf anhört, ist genau das Gegenteil. Denn: Wer alles gibt, hat die Hände frei.

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Über Verbindungen der früheren Zeltlagerfreunde hat die Kolpingsfamilie Mudau Andreas Knapp eingeladen – und er ist gerne gekommen zu einem Vortrag, in dessen Mittelpunkt das einfache Leben stand. Nicht im Sinne von schmerzhaftem Verzicht. Sondern als Weg in ein Leben, das frei ist vom Wahn nach immer mehr. Ohne den oft krankmachenden inneren Motor, der angetrieben wird von serienmäßig neuen Wünschen.

Hinter denen laut Andreas Knapp doch oft auch ein „seelischer Hunger“ steckt: Nach Wertschätzung, Freundschaft und Liebe. Er ist überzeugt: „Nicht Besitz, sondern Beziehung macht reich.“ Wenn doch auch ein Jeff Bezos mit drei Schnitzeln satt ist – was nutzen ihm die potenziellen drei Milliarden Schnitzel, die er sich noch leisten könnte?

Natürlich weiß auch Knapp, dass Verzicht nicht so einfach ist. In jedem steckt die Angst, zu kurz zu kommen. Eine materielle Basis muss sein: „Und ein Grundeinkommen muss auch ein Fest ermöglichen, denn Leben ist mehr als Überleben.“ Die freiwillige Reduzierung aber ermögliche einen intensiveren Genuss dessen, was man wirklich braucht. Der Schluck Wasser in der Wüste zum Beispiel – besser als jeder noch so teure Champagner. Verzicht sorge auch für einen geschärften Blick auf ethisch vertretbare Dinge. Die so notwendige Schonung von Ressourcen ist da inbegriffen.

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In seinen Ausführungen zitierte der Doktor der Theologie, der sich 2000 dem Orden der „Kleinen Brüder vom Evangelium“ anschloss, immer wieder Passagen aus seinem neuen Buch „Wer alles gibt, hat die Hände frei.“ Darin erzählt er auch aus dem Leben von Charles de Foucauld, dem Mann, der sein Leben in der Nachfolge Jesu von Nazareth so radikal geändert hat und der 1916 ohne messbare Erfolge in der Wüste Algeriens ermordet wurde.

Glaube als Kraftquelle

Erst nach seinem Tod gründeten sich verschiedene Glaubensgemeinschaften – die „Kleinen Brüder“ zählen dazu. Ganz bewusst leben sie in sozialen Brennpunkten, verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit einfachen Arbeiten und wollen nur durch ihr schlichtes Leben Beispiel geben von der Liebe Gottes: „Alle sollen in uns einen Bruder sehen.“ Im Glauben finden sie die Kraftquelle, sich der oft traurigen Realität – Kriege, Flüchtlingselend, Klimakatastrophe, Pandemie – zu stellen. Obwohl auch Knapp, wie er zugibt, bisweilen die Versuchung verspürt, sich einfach ins Private zurückzuziehen.

Denn was kann ein Einzelner schon ausrichten gegen das Elend und die fatalen Entwicklungen in der Welt? Aber auch hier plädiert er für das Machbare: Jeder solle an seinem Platz, in seiner kleinen Welt das tun, was er tun kann.

Und im Glauben darauf vertrauen, dass dieser kleine Beitrag eben nicht „schräg und sinnlos“ ist. Denn: „Für Jesus ist jeder einzelne wichtig und hat Bedeutung für das Ganze.“

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In Knapps eigener kleiner Welt spielen seit einigen Jahren aus Syrien und dem Irak vertriebene Christen, die in Leipzig gestrandet sind, eine große Rolle. Mit viel Mühe und nach zahllosen Niederlagen – auch hier hat er die Hoffnung nie aufgegeben – konnte endlich ein verlassenes Fabrikgebäude gefunden werden, das ein syrisch-orthodoxes Gemeindezentrum für alle werden soll.

Auch Heidi Trunk legte für die Kolpingsfamilie Mudau den Besucherinnen und Besuchern dieses Projekt ans Herz und dankte Andreas Knapp für seinen mutmachenden Vortrag. sis

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