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Heimat- und Verkehrsverein Mudau - Mundart-Stammtisch mit Kennern und Könnern, darunter Dr. Isabell Arnstein als Fachfrau für Dialektologie

Mit Gedichten, Geschichten und Liedern unterhalten

Von 
L.M.
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Mudau. Der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) Mudau mit seinem rührigen Vorsitzenden Hans Slama sowie einigen Mundart-Kennern und - Könnern, darunter Roland und Harald Grimm, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Mundart. Teilweise hatte man sogar einen Mundart-Stammtisch gegründet, der Corona-bedingt erst mal stillgelegt wurde, jedoch in einer Veranstaltung des HVV im Restaurant „Genuss am Golfpark“ nun ein überaus gut besuchtes Revival erlebte.

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Hans Slama hatte im Hinblick auf die hoffentlich baldige Eröffnung des großen Mundartwegs von Hardheim über Amorbach und Mudau bis nach Mosbach unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger und im Beisein von Dr. Isabell Arnstein als Fachfrau für Dialektologie zum großen Dialektabend eingeladen. Das interessierte unter anderem auch Stefan Müller-Ruppert und Mosbachs Bürgermeister Michael Keilbach.

Mit Gedichten, ländlichen Erzählungen, erfundenen Geschichten und Liedern unterhielten die Akteure aufs Beste in ihren jeweiligen Dialekten. Harald Grimm und Roland Grimm präsentierten die sprachliche Insel Mudau mit der weithin bekannten und etwas nasalen „A“-Betonung wie aafangen, Baahof, aarufen, obwohl in allen umliegenden Ortschaften „ogfangt, ogrufen“ wird und man zum „Bohof“ geht. Roland Beigel (Mundartpreisträger) und Uwe Jung stellten mit dem Kohleträgerlied die „Ewwerbocher Sackträgerschaft mit de Datschkapp im Gnick“ vor und damit den Dialekt am Neckar mit Kurpfälzer Einfluss.

Herbert Oehmann aus Sulzbach, bekannt als „Herschwert“ und Mundartpreisträger 2021, informierte über den „Sulzbocher“. In weiteren Beiträgen plauderten Herbert Scharmann (Donebach/Ünglert), Andreas Schmitt (Limbach), Bernd Grünwald (Schloßau), Hans Waldeis (Amorbach) sowie Vertreter aus Höpfingen und Schneeberg aus dem örtlichen und dialektischen Nähkästchen. Und man musste schon ganz genau aufpassen, um alles verstehen zu können. Denn wenn auch „Atzelaug“ eines der Lieblingswörter von Hans Slama ist, so muss der „Nicht-Dialekter“ doch erst einmal erfahren, dass die Atzel eine Elster ist und die drückenden Hühneraugen im Odenwald eben als „Atzelauge“ deklariert werden.

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Doch wie Dr. Arnstein, der man den Dialekt wirklich erfolgreich abtrainiert hat, erläuterte, sind Dialekte ein wichtiger Teil unserer deutschen Kulturlandschaft. Dank einer Dialektinitiative, die der Baden-Württembergische Ministerpräsident Winfried Ketschmann ins Leben gerufen hat, will man der „inneren Mehrsprachigkeit“ wieder mehr Wertschätzung zukommen lassen, denn „Heimat ist dort, wo einen die Leute verstehen“. In diesem Sinn forscht die Buchenerin für fünf Jahre an der Universität Tübingen zusammen mit dem „Dialektpapst“ Professor Hubert Klausmann und unterrichtet an der Zentralgewerbeschule Buchen. Sie würde gerne bei der Gründung eines Mundart-Kreises, wo man die Entwicklung der Sprachen beleuchtet, dabei sein.

Wie Bürgermeister Dr. Rippberger in seinem Grußwort betonte, sei ihm sein Heimatdialekt wichtig im Umgang mit der Familie und mit Freunden, weil die Mundart auch Verbundenheit ausdrücke, doch außerhalb dieses Kreises sei es für ihn normal, sich in Schriftdeutsch zu verständigen.

Damit liegt er ganz in der Einschätzung des Dialektforschers Hubert Klausmann, dass Dialekt im ländlichen Raum vor allem im Familiären Bereich noch eine Rolle spielt.

Hans Slama ergänzte die Ausführungen mit seinen Studien über die Räubersprache der Hölzerlips-Bande, die sich aus Rotwelsch und Jännisch entwickelt hat, und bemerkte, dass es den allgemeinen Odenwälder Dialekt nicht gibt, da die Einflüsse von Hessen, Bayern, Kurzpfalz, Frankreich, Mainz und vielen mehr örtlich zu verschieden sind.

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Roland Beigel brachte es mit seinem Lied „Ich sprech Palatinal“ auf seine Weise auf den Punkt und im Ergebnis des Abends, wünschten sich die Anwesenden eine Fortsetzung dieser unterhaltsamen Mundartforschung. L.M.

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