1954 gegründet

Krankenverein Mudau aufgelöst

Aufgrund der allgemeinen sozialen Entwicklung ist die überaus wertvolle und hilfreiche Einrichtung überflüssig geworden

Von 
Liane Merkle
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Nach seiner Gründung am 26. Dezember 1954 unterstützte der Krankenverein die Schwestern. Die Hilfsmittel wurden im Schwesternhaus (Bild) gelagert. © Liane Merkle

Mudau. Der Krankenverein Mudau war eine überaus wertvolle und hilfreiche Einrichtung, musste aber bei der jüngsten Jahreshauptversammlung im Pfarrsaal aufgelöst werden, weil er aufgrund der allgemeinen sozialen Entwicklung überflüssig geworden ist.

Seiner Gründung war der Einzug der Barmherzigen Schwestern Adeline und Nazaria aus Freiburg mit dem ambulanten Krankendienst am 22. Januar 1890 vorausgegangen.

Wie der langjährige erste Vorsitzende Rainer Müller recherchiert hatte, waren später die Schwestern aus dem Mutterhaus Neusatzeck für den ambulanten Krankendienst zuständig, bis 1977 dieser Dienst an die Sozialstation Buchen überging.

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Schwesternamen wie Kalista, Bernadette und Ludowika sind den Älteren in Mudau noch immer ein Begriff. Denn neben der ambulanten Krankenpflege leisteten die Schwestern natürlich auch seelsorglichen Beistand in alten und kranken Tagen, in Nöten und Ängsten des täglichen Lebens und standen den Menschen in Stunden des Todes bei.

Kinderschule betrieben

Außerdem betrieben sie eine Kinderschule, die sich im Laufe der Zeit zum Kindergarten der Pfarrgemeinde und schließlich mit staatlicher und kommunaler Unterstützung zum Kindergarten entwickelte wie wir ihn heute kennen. Weiter unterhielten sie eine Nähschule, um Fertigkeiten zur Bewältigung des täglichen Lebens zu vermitteln und leisteten Hilfe und Unterstützung bei Menschen mit Behinderungen.

Den Schwestern standen als pflegerische Hilfsmittel unter anderem Rollstühle, Gehhilfen, Toilettenstühle und Bettpfannen zur Verfügung, die vermutlich durch Spenden finanziert waren. Nach seiner Gründung am 26. Dezember 1954 finanzierte der Krankenverein solche Hilfsmittel und unterstützte die Schwestern. Gelagert waren die Hilfsmittel im Schwesternhaus und der Krankenverein bezahlte an die Pfarrgemeinde Mudau für den Lagerraum einen jährlichen Mietzins.

Es gab bis vor Einrichtung der Pflegekasse ein für die damalige Zeit hochmodernes elektrisches Krankenpflegebett, das vom damaligen Inhaber der Firma Aurora, Joachim Schulz, gestiftet worden und zuletzt auf der Bühne des Pfarrheims eingelagert war, soweit nicht bei einer pflegebedürftigen Person aufgestellt.

Der Krankenverein war unter Vorsitz von Pfarrer Otto Ackermann als Vinzentius Verein Mudau eingetragen worden. Als stellvertretender Vorsitzender fungierte Bürgermeister Erich Bucher, als Schriftführerin und Kassiererin Irma Kunz.

Menschen Hilfe bringen

Einer späteren Satzung war zu entnehmen: ,,Zweck des Vereins ist es, die planmäßige Ausübung der sozial-caritativen Dienste in der Katholischen und Evangelischen Kirchengemeinde Mudau sowie der katholischen Kirchengemeinde Steinbach zu fördern. Dieser Bruderdienst, der Menschen in leiblicher, seelischer und sozialer Bedrängnis Hilfe bringen soll, wird durch ideelle und finanzielle Unterstützung der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde Mudau sowie der katholischen Kirchengemeinde Steinbach für die Erbringung ihrer Mitgliedsbeiträge an die Sozialstation Buchen oder für andere sozial-caritative Aufgaben der Kirchengemeinden verwirklicht“.

An anderer Stelle ist vorgegeben, dass ein verbleibendes Beitragsaufkommen des Vereins nach dem Verhältnis der katholischen und evangelischen Vereinsmitglieder aufgeteilt und den Kirchengemeinden zur Erbringung ihrer Leistungen an die Sozialstation zugeführt wird. 1978 wurde der Verein im Rahmen einer Satzungsänderung in Krankenverein umbenannt mit Pfarrer Albert Eckert als Vorsitzendem.

Seit 1987 konnten nach erneuter Satzungsänderung auch evangelische Kirchenmitglieder dem Krankenverein als Mitglieder beitreten. Starke Werbung für den Verein führte 1989 zu einem Mitgliederstand von 708, der aber auf aktuell 76 in sehr fortgeschrittenem Alter geschrumpft ist.

Ähnlich trüb sieht die personelle Situation im Vorstand aus. Rainer Müller ist seit 1991 Vorsitzender und war in der Vergangenheit erfolglos um einen Nachfolger bemüht. Magdalena Pasour als stellvertretende Vorsitzende ist verstorben, Schriftführer Erwin Brenneis befindet sich im Altenpflegeheim in Fahrenbach und Rechnerin Marita Galm hat ihr Amt 2017 niedergelegt und die Rechnungsunterlagen bei der Schwiegertochter von Rainer Müller abgegeben, der sich seither – unterstützt von einem Bankmitarbeiter – um Beitragseinzüge und um die Kassenführung und die Jahresabschlüsse gekümmert hat.

Nachdem nun die verbliebene Kassenprüferin Karin Lindegger die Kassenprüfungen von 2014 bis zum Auszug vom 7. Februar 2023 vorgenommen und für einwandfrei befunden hatte, fiel die Entlastung des Vorstands einstimmig aus.

Ebenfalls einstimmig – bei zwei Enthaltungen – entschieden die Mitglieder im Beisein von Dekan Johannes Balbach die notwendige Auflösung des Krankenvereins Mudau, und damit das Ende einer sehr wichtigen Ära – und bestimmten Rainer Müller zum Abwickler während der einjährigen Prozedur.