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Im ehemaligen leiningen’schen Wildpark - Historische Müllerwanderung

Historische Müllerwanderung in Schloßau

Von 
Thomas Müller
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Schloßau. Auch im zweiten Coronajahr hatte der Heimatforscher Thomas Müller zu einer historischen Müllerwanderung eingeladen. Diesmal ging es in den ehemaligen leiningen’schen Wildpark, wo der Historiker bei leichtem Regen die anverwandten Müllers am Waldparkplatz „Jägerwiese“ zwischen Hesselbach und der Seizenbuche, oberhalb vom Schloss Waldleiningen, in Empfang nahm.

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Zum Start erläuterte er den 17 Wanderern die Bedeutung dieser geschichtsträchtigen Stelle und schlug einen Bogen von der geologisch bedingten Wasserscheide Main-Neckar, hin zum römischen Kleinkastell an diesem Platz. Im Mittelalter war dort eine Passierstelle für Handelsreisende auf dem Weg von und nach Frankfurt.

Ein aufgestellter Zollstock gab zu jener Zeit Aufschlüsse darüber, welche Abgaben an dieser Stelle zu entrichten sind, und ein Heerhag sorgte dafür, dass die Reisenden auch nur diese Engstelle passieren konnten. Danach befand sich an der Jägerwiese eine Köhlerstelle zur Erzeugung von Holzkohle, wobei sich zur gleichen Zeit der leiningen’sche Wildpark weitläufig um diese Stelle entwickelte. Gleich nach dem zweiten Weltkrieg verlor Robert Gelpke am 22. November 1945 bei einem Flug von Hanau nach Göppingen, nahe der Jägerwiese am Berghang, sein Leben, was der Historiker mit einigen Fundstücken vom Flugzeugwrack veranschaulichte.

Nach dem Abstieg zum Schloss Waldleiningen zeigte Thomas Müller anhand einiger Bilder die Entwicklung der ersten und zweiten Schlossanlage sowie deren Verwendung als Lazarett und psychosomatische Klinik auf. Er gab zudem Hinweise zum Leben in einem Tierpark und zu den aufgelösten Dörfern Breitenbach und Galmbach sowie der Sonderstellung des kleinen Weilers Ernsttal.

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Einblick in die Wasserversorgung

Nach einem kurzen Abstecher zum Forsthaus von Förster Hauk beziehungsweise Böhm an dem Verbindungsweg nach Ernsttal wanderte die Gruppe durch das Dreispitzental hinaus zur Weggabelung des „falschen Dreimärkers“.

Dort wurde die Wasserversorgung des Schlosses Waldleiningen erklärt, deren Quelle im Rotklingenbrunnen in etwa 2,5 Kilometern Entfernung zu suchen ist. In vergangen Zeiten wurde das Wasser von der Quelle mit Deuchelrohren zum Schloss befördert. Eine besondere Herausforderung wenn man überlegt, dass der Brunnen nur etwa zehn Meter höher liegt als das Schloss selbst.

Am falschen Dreimärker überschritten die Wanderer die Grenze nach Bayern und folgten der Winterrainstraße in Richtung der Drei Seen. Die Gruppe bog schließlich ab zum Hesselbacher Torhaus, wo der Historiker die Bedeutung der Torhäuser und die Arbeit eines Zaunknechts darstellte. Er erklärte die Ausmaße des Parks, die Kontrollstellen durch die Parktore und den Tierbesatz im Park. Er ging zudem auf den Wolf als natürlichen Feind des Wildes, damals wie heute, ein. Es galt auch zu Zeiten des Tierparks, diesen vom Bestand fernzuhalten.

Nach einigen Tiergeschichten machte sich die Wandergruppe auf zum Dreimärker, der Stelle, wo seit 1806 die Großherzogtümer Hessen und Baden auf das Königreich Bayern treffen. Dann ging es über den Limesweg vorbei an römischen Wachturmstellen. Der Heimatforscher erläuterte hierbei, dass der Limes von Bad Wimpfen nahezu schnurgerade bis nach Schloßau verlief und dann ziemlich genau der Wasserscheide zwischen Main und Neckar folgte, bis er schließlich ab der Jägerwiese wieder einen ziemlich geraden Verlauf in Richtung Obernburg einschlug.

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Am mittelalterlichen Heerhag, der letzten Anlaufstelle der Wanderung, erklärte Müller, dass mit solchen Anlagen die ehemaligen Zehnten und hoheitlichen Gebiete gegen Eindringlinge und Schmuggel befestigt wurden. Auf diese Weise wurde der Warenverkehr nur über Passierstellen zugelassen. So erklärte sich auch der Startpunkt der Wanderung, die Jägerwiese, als Zoll- und Passierstelle von selbst.

Über vergangene Zeiten diskutiert

Die Teilnehmer waren trotz der widrigen Wetterbedingungen von der informativen, zehn Kilometer langen Wanderung begeistert und diskutierten bei einem gemütlichen Abendessen in Hesselbach noch lange über vergangene Zeiten. Thomas Müller

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