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Jubiläum - Rundfahrt zur Ersterwähnung von Mudau und den umliegenden Orten vor mehr als 750 Jahren

Historische Einblicke in die Geschichte von Mudau

Von 
L.M.
Lesedauer: 

Mudau. Eigentlich war die Fahrt zum Gedenken an 1271, also 750 Jahre nach der Ersterwähnung von Mudau, Donebach, Mörschenhardt, Schloßau sowie der bayrischen Nachbardörfer Kirchzell, Buch und Preunschen im vergangenen Jahr gedacht gewesen. Endlich konnte der Heimat- und Verkehrsverein Mudau unter Leitung von Hans Slama die mehrfach verschobene Rundfahrt abhalten.

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Ober- oder Untermudau

Auf dem Weg von Mudau ins „bayrische Ausland“ erklärte Slama immer wieder einige geschichtliche Gegebenheiten. So beispielsweise den Unterschied zwischen Mudau und Untermudau, die in alten Landkarten und alten Reisebeschreibungen deutlich als Ober- und/oder Unter-Mudau unterschieden werden. Und tatsächlich blickte man schon auf die „Dolleshöfer“ in Unter herunter. Die Fahrt wurde über die Talstraße fortgesetzt, deren Verbindung einst von Wimpfen zum Galgen, durch das heutige Sägewerk Schröpfer zum Holzkreuz Richtung Steinbach verlief und dann links abbog, schnurgerade auf der Höhe weiter nach Beuchen und Amorbach. Doch man band die Höhenstraße über Untermudau erst in späterer Zeit an (heutiges Regenüberlaufbecken, Rehm).

Slama informierte weiter über die Bedeutung des ehemaligen Mühlenortes Ünglert für die Region bevor es heutigen Landesgrenze weiterging, welche in alter Zeit eine Mark- und Zentgrenze war. Tatsächlich wurde diese etwa 1000 Jahre alte Grenze erst bedeutend als die heutigen Länder Baden und Bayern durch Napoleon in den hiesigen Besitz des Klosters Amorbach und Erzstiftes Mainz kamen. In Kirchzell angekommen erklärte Bürgermeister Stefan Schwab einiges zur Geschichte und der heutigen Bedeutung der alten Siedlung. Das alte Rathaus mit der Markthalle im Untergeschoß liegt gegenüber der imposanten Kirche, und auch heute wird hier noch die Tradition bewahrt. Laut dem Fachmann ist anzunehmen, dass hier auch der alte Fronhof des Klosters Amorbach lag.

Die kleine Ortschaft Buch hat sich bis in jüngste Zeit kaum verändert. Wie Gemeinderätin Anita Hofmann erläuterte, wurde die interessante Kirche den Bürgern von Buch vom Fürsten von Leiningen bei der Auflösung des Dorfes Otterbach im späten 19. Jahrhundert geschenkt, wo sie ab- und in Buch wieder aufgebaut wurde. Mehrmalige Renovierungen mit großen Eigenleistungen erhielten dieses Kleinod.

Weiter ging die Fahrt nach Preunschen vorbei am ehemaligen Hofgut und der Hofmühle im Mudtal, die der Versorgung von Burg Wildenberg dienten. Preunschen hat als einer der ersten vom Kloster Amorbach gegründeten Höhenorte seinen ursprünglichen Charakter als Waldhufendorf noch teilweise erhalten als Folge der über lange Zeit praktizierten Anerbensitte mit wenig Betriebsteilungen. Als sich die klimatischen Verhältnisse besserten und die Bevölkerung wuchs, begann man, auch die Wälder zu erschließen. Bürgermeister Stefan Schwab erklärte die im Dorfmittelpunkt Preunschens stehenden aus Sandstein errichteten Gebäude, das ehemalige Schul- und Rathaus und das Kirchlein (noch immer in Kirchenbesitz), das dringend renovierungsbedürftig ist. Es besitzt einen Altar im Stile des 19. Jahrhunderts.

Stopp in Mörschenhardt

Ein herrlicher Blick über die Odenwaldhöhen begleitete die historisch interessierte Gruppe auf ihrem Weg über die alte Zent- und heutige Landesgrenze bis zum kurzen Stopp vor dem Ortsanfang Mörschenhardt an der Wegekapelle. Sie war einst ein Bestandteil der Museumsstraße- erbaut zur Erfüllung eines Gelübdes, diente auch als Bethäuschen zu Andachten. Die Kinder der Eheleute F. K. Gramlich und M. Rosa geb. Trunk waren an der unheilbaren Rachitis erkrankt und die Eltern lösten ihr Gelübde 1875 nach der Erlösung der Kinder ein. Die Kapelle wurde 1928 und 1978 von der Familie Gramlich erneuert. In dem Weilerdorf Mörschenhardt findet man nach Schul- und Rathaus sowie Kriegerdenkmal eines von heute leider nur noch zwölf Steinkreuzen ohne Inschrift auf Gemarkung Mudau.

In Donebach betrachtete man besonders interessiert die mit großen Opfern und Eigenleistungen 1927/29 errichtete Kirche im Weinbrennestil anstelle der ehemaligen Kapelle und widmete sie dem Heiligen Joseph. Die Kirchenfenster schmücken das Alte und Neue Testament des Künstlers Wachter, einer Besonderheit.

In Schloßau angekommen besichtigte die interessierte Gruppe die Gräber der gefallenen Soldaten, die Nachbildung eines römischen Streifenhauses und Brennofens, den ehemaligen Kastellplatz, das leining’sche Forsthaus, den Dorfbrunnen, die Wäijt und die Sautriebsgasse, wo einst Schweine zur Weide getrieben wurden.

Erwähnenswert ist die 1862/64 in großer Eigenleistung errichtete Kirche als erste Abtrennung von Mudau mit der 1730/32 errichteten Kapelle, weiter drei in der Nachkriegszeit errichtete Kapellen und zwei Gastwirtschaften, eine Bäckerei und Lebensmittelgeschäft, außerdem die 1963/64 erbaute und aktuell noch existierende Grundschule mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken.

„Schloßau ist mit seinem intakten Vereinsleben, trotz seines vermutlich hohen Alters jung geblieben. Von seinem ursprünglichen Waldhubencharakter ist nur noch wenig zu sehen. Als zweitgrößter Ortsteil mit dem 1935 eingemeindeten Waldauerbach, damals auch mit Mörschenhardt/Ernsttal, ist Schloßau mit dem Verein Örtliche Geschichte stolz auf seine Geschichte.“

Großer Brand 1849

In Mudau zurück schloss sich der Kreis auf der Vorstadtstraße, heute Schloßauer Straße, die nach dem großen Brand 1849 mit Abbruchsteinen der Ummauerung aufgebaut wurde. Das ehemals 1911/12 errichtete Schulhaus wird heute als Rathaus genutzt. Gegenüber lagen die Wäijt und der Marktplatz. In der nach dem Brand ausgebauten Hauptstraße liegen die teils ebenfalls mit den Abbruchsteinen erbauten Geschäfts- und Gasthäuser.

Mudau war das Zentrum der Macht für den östlichen Odenwald. Auf dem Weg zur am höchsten Punkt gelegenen Kirche steht die Mariensäule das „Bild“, als bleibendes Denkmal des Widerstandes gegen die Nazis, hat man es passiert, geht es weiter durch den „Strohmarkt“, der sich vom ehemaligen Gasthaus „Zum Lamm“ bis zum ehemaligen Schuhhaus Götz erstreckte.

Nun verließ die Gruppe durch das „Untere Tor“ die ehemalige Befestigung an der „Pfalz“, begab sich vorbei am ehemaligen Kaiserlichen Postamt und dem 1792 wegen der Kirchenerweiterung dorthin verlegten Friedhof.

Am Kreisel verabschiedete sich Hans Slama von den Teilnehmern und versprach weitere Informationen beim nächsten Gemeinderundgang. L.M.

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