Heimat- und Verkehrsverein Mudau - Neues Schild erinnert an die Ermordung von Johann Stephan Seitz

Gut erhaltenes Aquarell ging an Verein

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slh
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Neu im Besitz des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau: Ein Gemälde von Arthur Bauhardt. Das Bild zeigt (von links) Alois Friedel und Thomas Schneider. © Franz Brenneis

Mudau. Gemäß seinem Leitwort „Der Heimat- und Verkehrsverein Mudau ist das historische Gedächtnis der Gemeinde“ brachte der Verein mehrere Projekte zum Abschluss. Auch während der Corona Pandemie fährt der „HVV-Dampfer“ mit voller Kraft voraus, erklären die Verantwortlichen

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Tat an einstigem Schleichpfad

So wurde in Abstimmung mit der Fürstlich Leiningenschen Verwaltung ein Schild angebracht, das an den Mord am Leiningenschen Forstgehilfen und Torwächter Johann Stephan Seitz im Jahr 1819 erinnert, und zwar in der Nähe des Tatortes am römischen Wachtposten Nr. 36. Hans Slama bedankte sich beim Verein „Örtliche Geschichte“ für die Kostenbeteiligung. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass die Stelle an dem nach seinem Vorgänger Fischer benannten Weg „Am Fischerspfad“ liegt.

Dieser Pfad entlang der Limeslinie muss seinerzeit, als die Wälder heruntergewirtschaftet und die Straße nach Hesselbach nicht ausgebaut war, ein wichtiger Schleichpfad gewesen sein. Karl Fischer war nach Anlage des Wildparks („Thierparks“) und Fertigstellung des Parkhäuschens 1814 der erste Park- oder Zaunknecht am Schloßauer Torhaus. Dort wurde die Straße durch den Wildpark kontrolliert. Der wie die Leininger auch aus Dürkheim in der Pfalz stammende Fischer war schon bald in einen Holzdiebstahl verwickelt. Nach Ansicht der Leiningenschen Verwaltung machte er wohl gemeinsame Sache mit Holzdieben und Wilderern und wurde versetzt. Er musste in einem Untersuchungsverfahren gegen die der Wilderei angeklagten drei Wassermüller aussagen. Auf dem Heimweg nach Eberbach erfror er sich beide Beine.

Nach einer Sage soll er jeden Unbefugten, den er beim Betreten des Wildparks antraf, erschossen haben. Für den Beweis bekam er beim Vorzeigen der Zunge 100 Gulden. Der Sage nach wollte der Fürst ihn kontrollieren, Fischer aber schlief nicht und erschoss den Fürsten. Dieser war sein neuntes Opfer. Von Würmern angefallen erschoss er sich auf dem Totenbett. So erfüllte sich die Voraussage, dass er zehn zur Strecke bringen würde.

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Natürlich ranken sich auch weitere ausschmückende Sagen um Seitz und die als Wilderer bekannten Wassermüller.

Auf eine weitere Initiative des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) geht die bessere Kennzeichnung des historischen Limeserbes zurück. So konnten rechtzeitig zum Beginn der Wander- und Fahrradsaison markante Punkte zum Limesverlauf innerhalb der Gemeinde durch Hinweisschilder gekennzeichnet werden. Es bietet sich in den Zeiten des Lockdown, an die am besten erhaltenen Reste wieder einmal aufzusuchen und dabei die schöne Odenwälder Landschaft zu genießen.

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„Altertümer“ gespendet

Dem Heimat- und Verkehrsverein werden immer wieder sogenannte „Altertümer“, Bilder und Gemälde, von Mitbürgern angeboten, denen diese zu schade für den Müll sind. So übergab Thomas Schneider dieser Tage mehrere alte Fotografien und Bilder dem HVV übergeben. Diese werden nun durch Archivar Klemens Scheuermann analysiert und thematisch sowie personenbezogen eingeordnet. Darunter ist eine große Fotocollage aus dem Ersten Weltkrieg. Diese zeigt vermutlich Arthur Grimm während seiner Militärzeit. Ein „Highlight“ ist ein gut erhaltenes Aquarell aus dem Jahre 1923 in der Größe 120 mal 80 Zentimeter. Es wurde vom Bruder des in Mudau seit 1919 tätigen und langjährigen Lehrers Arthur Bauhardt angefertigt. Auch dazu bedarf es weiterer Nachforschungen.

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Der Vorsitzende bedankte sich bei Thomas Schneider für die nette Geste und wünschte sich, dass das Beispiel weitere Nachahmer finden möge. slh