Kreistagswahl - Mit 21 neuen Mitgliedern steht das Kommunalparlament vor einem personellen Umbruch / Stimmen der Parteien und Vereinigungen zum Ergebnis „Das Gremium wird deutlich bunter“

Von 
Sabine Braun und Sabine Braun
Lesedauer: 
Von vielen bekannten Gesichtern des Kreistags muss man sich verabschieden, neue werden hinzukommen. Unter anderem haben Karl-Heinz Neser, Michael Jann und Adalbert Hauck den Wiedereinzug ins Gremium verpasst. Die AfD zieht in Fraktionsstärke ein, auch die DCB aus Walldürn ist mit einem Sitz vertreten. © Ursula Brinkmann

Mit Spannung sehen die Parteien und Wählervereinigungen der Arbeit im künftigen Kreistag entgegen. Das gilt für die „Etablierten“ ebenso wie für die vielen Neulinge – und für die Kreisverwaltung.

AdUnit urban-intext1

Neckar-Odenwald-Kreis. Mit künftig 50 statt bislang 46 Sitzen wird der Kreistag des Neckar-Odenwald-Kreises künftig deutlich größer sein, und es gibt viele neue Gesichter.

Der größte Wandel steht bei der CDU an. Dort sind drei amtierende Kreisräte nicht mehr angetreten, fünf haben es nicht ins Gremium geschafft. Das sind neben Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann, Karl Heinz Neser und Eva-Maria Grimm (die FN berichteten) auch Höpfingens Bürgermeister Adalbert Hauck und Xafer Nafz aus Osterburken. Allerdings gibt es auch neue Gesichter in den CDU-Reihen, was unter anderem aus der „sehr starken Liste“ im Hohen Odenwald und Ausgleichsmandaten resultiere, erklärte Karl Heinz Neser im Gespräch mit den FN.

Neser: „Einmal muss Schluss sein“

Er habe schon am Sonntagabend, als die Europawahl-Ergebnisse vorlagen, geahnt, dass das eine „schwierige Kiste“ wird, so Neser in Bezug auf das Abschneiden der CDU. Sie verlor dann kreisweit aber „nur“ sieben Prozent. Dass es für ihn selbst eng werden würde, habe er gewusst. „Wir hatten eine sehr starke Liste“, so Neser. Der dienstälteste Kreisrat hätte sich dennoch für sich persönlich ein besseres Ergebnis gewünscht. „Ich hab das gern gemacht, aber einmal muss Schluss sein.“

FWV: „Sehr zufrieden“

AdUnit urban-intext2

„Mit unserem Ergebnis sind wir sehr zufrieden“, erklärte FWV-Vorsitzender Bruno Herberich. „Wir haben zwei Sitze und über 15 000 Stimmen mehr, das ist ein Plus von 22,4 Prozent gegenüber 2014. Die amtierenden Kreisräte, die wieder antraten, wurden wiedergewählt, bis auf Jo Barzen – leider.“ In Buchen habe man um 50 Prozent zugelegt. Hardheims Bürgermeister Volker Rohm zieht für die FWV neu ins Gremium ein.

SPD: „Noch mal davongekommen“

SPD-Kreisvorsitzender Jürgen Graner sieht das Ergebnis pragmatisch: „Angesichts der Zahlen der Europawahl sind wir bei der Kreistagswahl mit einem blauen Auge davon gekommen, weil wir sehr anerkannte und beliebte Persönlichkeiten ins Rennen geschickt haben.“ Zehn von elf Sitzen im Kreistag habe man halten können. „Trotzdem reichte es diesmal nur zum dritten Platz.“

AdUnit urban-intext3

Das Ergebnis von Georg Nelius als neuem Stimmenkönig mache jedoch „Mut für das Superwahljahr 2021“. Dennoch, so Graner, habe die SPD „einiges zu tun, um wieder attraktiver zu werden“. Bedauerlich sei, dass Walter Neff es nicht mehr ins Gremium geschafft habe.

Grüne: Froh über das „Wachstum“

AdUnit urban-intext4

„In allen sieben Wahlkreisen wurden grüne Bewerber gewählt. Auch nach dieser Wahl kann die grüne Fraktion zulegen und wächst von fünf auf nun sieben Mandate“, so Grünen-Sprecher Detlef Ott. „Besonders freut uns, dass wir mit Andrea Schulz in Walldürn und Daniel Modersohn in Adelsheim auch in den Wahlkreisen 1 und 3 Mandate erhielten, wo wir bisher nicht vertreten waren.“ Mit einer guten Mischung aus langjähriger Erfahrung und frischem Wind durch Andrea Schulz, Daniel Modersohn, Anton Fleischmann und Timo Riedinger werde sich die Fraktion künftig verstärkt für die „nachhaltige Entwicklung des Kreises und Transparenz in politischen Alltag einsetzen“.

AfD: „Konstruktiv einbringen“

„Wir freuen uns sehr über die Möglichkeit, uns konstruktiv einzubringen“, erklärte AfD-Sprecher Bernd Kirst. Die Partei erreichte durch ein Direktmandat und zwei Ausgleichsitze auf Anhieb Fraktionsstatus. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“. Man sehe mit Spannung der Arbeit in den Gremien entgegen und werde jetzt erst einmal als Fraktion zusammenkommen und einen Vorsitzenden wählen.

FDP: Stimmenzahlen verdoppelt

„Es ist toll, dass wir unsere Stimmenzahl mehr als verdoppeln konnten“, freut sich FDP-Kreisvorsitzender Achim Walter. Auch die Erfahrungen im Wahlkampf hätten gezeigt, dass die Menschen wieder Interesse an der Politik und an der FDP hätten. Leider habe es nicht für einen zweiten Sitz im Kreistag gereicht. Walter bedauerte, dass das Gremium „Urgesteine“ verloren habe. „Es wird spannend, wie man im Kreistag auf die neuen Gruppierungen reagiert und wie die Zusammenarbeit laufen wird“, so Walter.

Die DCB aus Walldürn zieht erstmals ins Gremium ein. Insgesamt holte die Gruppierung der „Demokratischen Christlichen Bürger“ im Wahlkreis 1 (Walldürn) 4268 Stimmen. 1095 davon konnte Jürgen Schmeiser auf sich vereinen und erhielt einen Ausgleichssitz. Für eine Stellungnahme war die DCB gestern nicht zu erreichen.

Letzte Sitzung im Juli

Im Juli findet in Fahrenbach die letzte Sitzung des amtierenden Kreisrats statt. In diesem Rahmen wird sich das neue Gremium konstituieren, so der Plan der Kreisverwaltung. Bis dahin, so Landrat Dr. Achim Brötel, muss über die künftige Besetzung der Ausschüsse und Aufsichtsräte diskutiert werden, denn auch dort wird sich durch die neuen Gruppierungen einiges ändern. Sein Vorschlag ist, dass die Ausschüsse im Modus „fünf Sitze für die CDU, vier für die FWV, drei für die SPD, zwei für die Grünen und einer für die AfD“ besetzt werden. Darauf könne man sich verständigen, worauf Dr. Brötel setzt. Oder man muss „durchwählen“, und das würde dauern. In einer Fraktionsvorsitzendenrunde in der nächsten Woche, zu der Brötel bereits eingeladen hat, soll das besprochen werden.

Erfahrung geht verloren

Der bevorstehende, ungewohnt große personelle Umbruch – 21 Kreisräte sind neu im Gremium – werde auch für die Kreisverwaltung eine Herausforderung sein. Einerseits gehe viel Erfahrung verloren, gleichzeitig müsse man mehr Zeit in die Vermittlung der Grundlagen investieren. Schließlich gehe es um komplexe Aufgaben. Gleichzeitig biete der Umbruch eine Chance: „21 Neue schauen mit anderen Augen auf die Dinge“. Brötels Eindruck: „Das Gremium wird deutlich bunter“.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

Autor