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Besondere Maiandacht - Errichtung der Kapelle in Unterscheidental startete 1922

Beginn der Bauzeit vor 100 Jahren gefeiert

Von 
L.M.
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Mit einer besonderen Maiandacht feierten die Scheidentaler den Beginn der Bauzeit ihrer besonderen Kapelle vor 100 Jahren. © Liane Merkle

Scheidental. Die Türen der Unterscheidentaler Kapelle mit den Tafeln der Verstorbenen aus den beiden Weltkriege standen weit offen, und die brennenden Kerzen im Innern luden nicht nur ein, ein wenig zu verweilen, sondern waren auch Lichtpunkte für eine besondere Maiandacht. Die Scheidentaler feierten den Beginn der Bauzeit dieses ganz besonderen Kleinods vor 100 Jahren.

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Wie wichtig und wie besonders diese Kapelle für Unterscheidental ist, zeigte sich an dem regen Interesse für diese Veranstaltung, die Anita Hofmann zusammen mit Annemarie Haas und Inge Schork mit einer durchaus aktuell zu nennenden Maiandacht eröffneten und dabei für alle Notleidenden Marias Fürsprache erbaten.

Ortsvorsteher Klaus Schork ging in seiner Begrüßung auf die immer wieder durchgeführten, ehrenamtlichen und mit Spenden finanzierten Instandsetzungs- und Reparaturmaßnahmen durch Bürger und Ortschaftsverwaltung ein, die die Kapelle als Schmuckstückchen erhalten haben.

Sein besonderer Dank richtete sich an die Familie Willi und Hildegard Trunk, die nach dem Tod von Elise Müller deren Sorge um die Kapelle übernommen haben und diese schon seit 17 Jahren regelmäßig lüften, reinigen und den Altar liebevoll schmücken.

Wesentliche Unterschiede

Besonderes Gehör fand der anschließende Vortrag des Heimatforschers und Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau, Hans Slama, der nicht nur die Kirchengeschichte von Ober- und Unterscheidental beleuchtete, sondern auch die Besonderheit der Kapelle hervorhob. Doch zunächst ging er auf die wesentlichen Unterschiede zwischen Ober- und Unterscheidental ein, seit Kloster Amorbach diese beiden sogenannten Waldhufe zusammen mit sieben weiteren um den Fronhof Mudau im 8. oder 10. Jahrhundert anlegen ließ.

Da Oberscheidental 1905 zur Pfarrkuratie mit eigener Kirche seit 1868/69 ernannt worden war, der auch Reisenbach und Unterscheidental zugeordnet waren, hatte man vermutlich in Unterscheidental schon früh den Wunsch nach einer eigenen Gebetsstelle, auch für kleinere kirchliche Feierlichkeiten. Diese Chance ergab sich mit der Errichtung einer Kriegergedächtniskapelle, deren Baugesuch vom 25. September 1921 Klaus Schork im Militär- und Kriegsarchiv des Bez. Amtes Buchen gefunden hatte.

15 000 Mark Spenden gesammelt

Als führende Persönlichkeit und zuständig für den Schriftverkehr war der Hauptlehrer Hohenadel genannt, als Bauleiter Julius Gimbert aus Mudau und als Architekt Dr. Alker aus Durlach. Am 19. Januar 1922 erhielt man die Baugenehmigung. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 60 000 Mark, welcher später auf 41 800 Mark reduziert wurde, auch durch Wegfall des geplanten Glockentürmchens. An Spenden hatte man 15 000 Mark gesammelt, die Gemeinde wollte mit Genehmigung des Bürgerausschusses 10 000 Mark beisteuern. Man wollte weitere Spenden sammeln und die Anlage nach Fertigstellung der Gemeinde übergeben, im Juni war der Rohbau abgeschlossen und das Gebäude sollte bis August 1922 fertig gestellt sein.

Die Inflation brachte dann alles zum Stillstand. Erst im März 1925 genehmigte die Gemeindeversammlung die Fertigstellung, und die Gemeinde beantragte für Sonntag, 4. Juli 1926 die Einweihung mit Festzug und Gartenfest. Hans Slama beschrieb die Anlage als imposant, beginnend mit dem Aufgang und den beiden Sandsteinpfosten mit Stahlhelm. Im vorderen Bereich stützen zwei wuchtige Sandsteinsäulen das Vordach. In die seitlich am Boden liegenden elf Steinplatten wurden die Namen der 15 Gefallenen eingelassen und für jeden ein Lindenbäumchen gepflanzt. Diese dürften, wie zu lesen ist, nie gefällt werden.

Im Innern sind auf weiteren wunderschön gearbeiteten Stucktafeln die Namen des Ersten Weltkrieges erhaben angebracht. Und dazu finden sich im Innern der Kapelle beidseitig wunderschön gearbeitete Kirchenbänke. Nach diesem ausführlichen Referat hatten die Gäste ihre Kapelle noch um einiges besser kennengelernt und sie belohnten den Vortragenden mit Applaus. L.M.

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