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Frauen- und Kinderschutzhaus Neckar-Odenwald-Kreis - Corona-Pandemie erschwert Arbeit zusätzlich / Angelika Bronner-Blatz neue Ehrenvorsitzende

Zahlen häuslicher Gewalt stark gestiegen

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Angelika Bronner-Blatz (Zweite von rechts) wurde in der Mitgliederversammlung des Fördervereins Frauen- und Kinderschutzhaus Neckar-Odenwald-Kreis zur Ehrenvorsitzenden ernannt. © Förderverein

Dallau. Die Corona-Pandemie wirkt sich erheblich auf die Arbeit des Fördervereins Frauen- und Kinderschutzhaus Neckar-Odenwald-Kreis aus. Zahlreiche geplante Aktionen konnten nicht stattfinden, was sich in der finanziellen Situation des Vereins widerspiegelt. Auch wenn die Zahlen von häuslicher Gewalt im Zuge von Quarantänemaßnahmen und Lockdowns stark gestiegen sind, so spiegelt sich das im Jahr 2020 bei den Aufnahmen ins Frauen- und Kinderschutzhaus nicht wider. Aufgrund der eingeführten Hygienemaßnahmen ist bis heute kein einziger Corona-Fall in der Einrichtung aufgetreten.

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Vorsitzende Ursula Heckmann bezeichnete das erste Jahr ihrer Amtszeit in der Mitgliederversammlung im Gasthaus „Pfalz“ in Dallau als „hakelig“. Man sei der Arbeit im Großen und Ganzen zwar nachgekommen, doch eine Öffentlichkeitsarbeit habe aufgrund von Corona praktisch nicht stattgefunden. In Kürze sei man erstmals wieder mit einem Informationsstand in der Mosbacher Fußgängerzone vertreten. Heckmann freute sich über die Anmietung eines Lagerraums für die zahlreich fließenden Sachspenden. In der Umstellung auf vermehrten E-Mail-Verkehr und Kontakte auf digitalem Weg müsse der Verein nachsteuern, betonte die Vorsitzende. Dafür ebneten die Mitglieder per Abstimmung den Weg.

Zusätzliche Hürden

Frauenhausbetrieb 2020

24 Frauen und 21 Kinder fanden im Jahr 2020 Aufnahme im Frauen- und Kinderschutzhaus des Neckar-Odenwald-Kreises.

Zurück zum Täter gingen zwei Frauen (eine davon zweimal) und zwei Kinder.

Die restlichen 22 Frauen und 19 Kinder wagten den Neustart in ein gewaltfreies Leben.

Zwei Frauen und drei Kinder kamen bei der Familie oder Freunden unter.

Sechs Frauen und fünf Kinder wurden an andere Häuser weitervermittelt.

In eine eigene Wohnung sind zehn Frauen (eine zweimal) und sieben Kinder entlassen worden.

2020 fanden sechs Frauen und neun Kinder aus dem Neckar-Odenwald-Kreis Schutz.

Eine Frau wurde aus dem Main-Tauber-Kreis aufgenommen, 17 Frauen und zwölf Kinder kamen von außerhalb.

Derzeit leben drei Frauen und sechs Kinder im Frauen- und Kinderschutzhaus.

Die Leiterin des Frauenhauses, Saskia Emmenecker, informierte über die Situation im Frauen- und Kinderschutzhaus, das der Neckar-Odenwald-Kreis in Kooperation mit dem Main-Tauber-Kreis führt. Durch die Pandemie seien zusätzliche Hürden zur eigentlichen Arbeit hinzugekommen: Keine Nähe, keine Berührungen, keine Umarmungen für Frauen und Kinder, die solchen Trost dringend gebraucht hätten. „Bei einer Vollbelegung mit elf Frauen eine Herausforderung für alle vor Ort“, betonte Emmenecker.

Die telefonischen Beratungsgespräche indes hätten sich mehr als verdoppelt. Dies schrieb die Frauenhausleiterin der vorbildlichen Polizeiarbeit im Neckar-Odenwald-Kreis zu. Durch die Pandemie seien die Platzverweise von maximal 48 Stunden auf zehn Tage verlängert worden, was den Opfern genug Zeit eingeräumt habe, sich nötige Unterstützung und Beratung zu suchen. Emmenecker gab zudem eine Übersicht über die Belegung des Frauenhauses im vergangenen Jahr, die leicht unter der des Jahres 2019 lag (siehe Infobox).

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Projektleiterin Gabriele Wennemann nannte das Hauswirtschaftsprojekt „eine Arbeit mit wertvollen Stunden“, auch wenn Corona das Leben schwerer und einsamer als zuvor gemacht habe. Die Schulungen zu den Hygienemaßnahmen hätten sich als äußerst nützlich erwiesen. Trotz der veränderten Situation seien einige Aktionen möglich gewesen.

316 Mitglieder

Für die verhinderte Kassenwartin Isabella Maier verlas die stellvertretende Vorsitzende Friederike Baier den Kassenbericht. Dieser war geprägt von sinkenden Einnahmen. Dennoch steht der 316 Mitglieder zählende Förderverein auf einer soliden Basis. Die Kassenprüferinnen Simone Heitz und Rita Bischoff lobten die „korrekte, saubere und transparente Buchführung“.

Nach der Entlastung von Kassenwartin und Vorstand beschloss die Versammlung, den jährlichen Zuschuss an den Träger Neckar-Odenwald-Kreis von 35 000 Euro auf 20 000 Euro zu reduzieren, um dem Förderverein finanzielle Spielräume zu bewahren.

Landrat Dr. Achim Brötel hielt den Schritt für vertretbar und stellte eine nachhaltige Finanzierung in den Fokus. Er hob hervor, dass dem Frauen- und Kinderschutzhaus gegenwärtig eine ganz besondere Bedeutung zukomme. „Es ist ein Segen, dass es die Einrichtung gibt“, merkte er an und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. So auch dem Förderverein, ohne den es das Haus nicht gäbe. Dr. Brötel sicherte dem Frauen- und Kinderschutzhaus weiter „jede Form der Unterstützung“ zu.

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Schließlich wurde Angelika Bronner-Blatz zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Sie lenkte erfolgreich die Geschicke des Vereins von 2007 bis 2020. Das 13-jährige Engagement würdigten die Mitglieder mit viel Beifall.

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