Neckar-Odenwald-Kliniken - Über „Zukunftskonzept“ wird am Mittwoch im Kreistag in Mosbach entschieden / Geburtshilfe beschäftigte die Bürger Schließung frühestens im zweiten Quartal

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Olaf Borges und Sabine Braun und Sabine Braun
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Der Kreistag entscheidet am Mittwoch in Mosbach über die Neustrukturierung der Neckar-Odenwald-Kliniken. Besonders in der Diskussion ist die Konzentration der Geburtshilfe in Buchen.

Über die Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken und der Geburtshilfe im Kreis wird am Mittwoch bei der Kreistagssitzung in Mosbach entschieden. © Sabine Braun, Sabine Braun
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Neckar-Odenwald-Kreis. Das „Zukunftskonzept“ für die Neckar-Odenwald-Kliniken sieht neben der Konzentration von Geburtshilfe und Gynäkologie in Buchen auch die Zusammenführung der Unfallchirurgie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie in Mosbach vor. Eine „spezialisierte Versorgung“ soll am Standort Mosbach für die Bereiche Schlaganfall/Strokeeinheit und Geriatrische Rehabilitation erfolgen, für Buchen für die Bereiche Bauchzentrum und Palliativeinheit.

Schließung kritisiert

Im Zentrum der Debatte um die Zukunft der Kliniken stand jedoch in den vergangenen Wochen und auch bei der Informationsveranstaltung der Kliniken am Donnerstag im Mosbacher Ärztehaus die Konzentration der Gynäkologie und Geburtshilfe in Buchen, beziehungsweise deren vielfach kritisierte Schließung in Mosbach. Die FN stellten dem Geschäftsführer der Neckar-Odenwald-Kliniken, Frank Hehn, einige Fragen zum Thema.

Wie hoch ist das Defizit, das die Geburtshilfe in Buchen und Mosbach produzieren?

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Frank Hehn: Die Einnahmen und Kosten der beiden Geburtshilfen lassen sich nur zusammen mit der Gynäkologie betrachten. Dies vorausgesetzt lag das Defizit in Buchen 2019 bei etwas weniger als einer Million Euro, in Mosbach bei etwas mehr als einer Million Euro.

Wie setzt sich das Defizit an beiden Orten jeweils zusammen?

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Hehn: Eine genauere Aufschlüsselung ist aufgrund der Honorierung nach Fallpauschalen leider nicht möglich. Allerdings setzt der Betrieb einer Geburtshilfe und einer Gynäkologie einen Mindeststandard an Personal und technischer Ausstattung voraus. Seit der Einführung von Fallpauschalen im Jahr 2004 werden Krankenhäuser nicht mehr nach ihrem Aufwand, sondern nach der Anzahl und Schwere der behandelten Fälle bezahlt. Für die Geburtshilfe und Gynäkologie bedeutet das, erst ab einer bestimmten Anzahl von Geburten oder Behandlungen decken die Einnahmen die Kosten.

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Als Grund für die Schließung der Geburtshilfe in Mosbach wird neben dem Defizit die Personalsituation bei den Hebammen angegeben. Nach Informationen der FN sind in Mosbach zehn Hebammen fest angestellt, zwei davon sind in Elternzeit. Eine Stelle ist frei, nachdem eine der vier italienischen Hebammen Ende des Jahres aufhörte. Stimmen diese Informationen?

Hehn: In Mosbach sind zurzeit zehn Hebammen fest angestellt. Um den Betrieb zu sichern benötigen wir 6,0 Vollzeitäquivalente, dies ist derzeit mit unterschiedlichen Beschäftigungsmodellen möglich. Ab April verfügen wir nach derzeitigen Stand nur noch über 2,9 Vollzeitäquivalente.

Gibt es weitere Kündigungen?

Hehn: Wir müssen, wie gesagt, derzeit davon ausgehen, dass wir ab April nur noch über 2,9 Vollzeitäquivalente verfügen. Zudem ist es nahezu aussichtslos, bei einem weitgehend leergefegten Arbeitsmarkt kurzfristig neue Hebammen zu finden.

In Buchen gibt es mit der Hebammengemeinschaft ein Belegsystem. Können die in Mosbach festangestellten Hebammen überhaupt in Buchen weiterbeschäftigt werden?

Hehn: Ja, das geht. In welchem Rahmen dies möglich und gewünscht ist, besprechen wir derzeit mit den Hebammen am Standort Mosbach. Diese machen, genau wie Ihre Kolleginnen am Standort Buchen, eine hervorragende Arbeit, die den guten Ruf der Mosbacher Station maßgeblich mitprägt. Deshalb werden wir natürlich alles tun, um uns deren Wissen auch am Standort Buchen zu sichern.

Was wird durch die Schließung der Geburtshilfe und Gynäkologie eingespart?

Hehn: Durch die Konzentration auf einen Standort erwarten wir erst mittelfristig nennenswerte Einsparungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass jeder Umzug zunächst Kosten verursacht. Diese werden wir dem Kreistag auch noch einmal detailliert darlegen. Wir müssen den Schritt jedoch sehr zeitnah umsetzen, da wir sonst Gefahr laufen, beide Geburtshilfen im Neckar-Odenwald-Kreis zu verlieren.

Ab wann könnte diese Schließung unter betrieblichen Gesichtspunkten frühestens erfolgen?

Hehn: Vorbehaltlich eines entsprechenden Beschlusses des Kreistags und unseres Aufsichtsrats ist dies frühestens im zweiten Quartal 2020 möglich. Wir werden auf alle Fälle die werdenden Eltern und die Öffentlichkeit rechtzeitig informieren. Derzeit steht die Geburtshilfe in Mosbach aber uneingeschränkt zur Verfügung. Über das Angebot kann man sich bei den Kreißsaalführungen und Informationsabenden informieren. Die Termine sind auf der Webseite der Kliniken abrufbar.

Was passiert, wenn in Buchen die Geburtenzahlen nicht auf über 800 steigen?

Hehn: Geburtshilfen sind nicht zu mindestens 800 Geburten jährlich verpflichtet. Gesetzgeber und Krankenversicherungen drängen aber seit einiger Zeit auf eine stärkere Spezialisierung im Gesundheitswesen und haben diese Zahl ins Spiel gebracht. Darauf reagieren wir nun mit dem klaren Ziel, 800 Geburten pro Jahr mittelfristig zu erreichen, um eine leistungsfähige Geburtshilfe im Kreis zu erhalten. Wir werden dazu für die medizinisch sehr gute und dennoch sehr persönliche Betreuung am Standort Buchen werben und gehen davon aus, dass weiterhin sehr viele werdende Eltern aus dem ganzen Kreis und darüber hinaus zu uns kommen. Die gute Leistung wird sich wie bisher herumsprechen, da sind wir absolut zuversichtlich.

Redaktion Leiter der Redaktion Bad Mergentheim

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

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