Präventionsprojekt - Polizeipräsidium Heilbronn und Bäckerinnungen wollen mit der Aktion "Einbrecher aussperren" für mehr Sicherheit sorgen Kampagne mit 650 000 Tüten gestartet

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Polizei und Bäckerinnungen wollen gemeinsam mit der Aktion "Einbrecher aussperren" für mehr Sicherheit sorgen.

© Claus Kaiser

Mosbach. Wohnungseinbrüche nehmen in der "dunklen Jahreszeit" überproportional zu. Deshalb hätte der Zeitpunkt für die Vorstellung der Präventionsaktion "Bäckertüten - Einbrecher aussperren" in der Beratungsstelle "Einbruchsschutz" der Polizei in Mosbach kaum besser gewählt sein können. "Es gibt kaum einen anderen Deliktsbereich, der mehr geeignet ist, die Bevölkerung zu verunsichern, als der Wohnungseinbruchsdiebstahl", sagte Hans Becker, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Heilbronn.

"Zehn goldene Regeln" für ein sicheres Zuhause

  • Halten Sie die Hauseingangstür auch tagsüber geschlossen. Prüfen Sie immer, wer ins Haus will, bevor Sie die Tür öffnen.
  • Achten Sie bewusst auf fremde Personen im Haus oder auf dem Grundstück und sprechen Sie diese Personen gegebenenfalls an.
  • Schließen Sie Ihre Wohnungseingangstür immer zweimal ab und lassen Sie die Tür nicht nur "ins Schloss fallen". Auch Keller- und Speichertüren sollten immer verschlossen sein.
  • Verstecken Sie Ihren Haus- und Wohnungsschlüssel niemals außerhalb der Wohnung: Einbrecher kennen jedes Versteck.
  • Verschließen Sie Ihre Fenster und Balkontüren auch bei kurzer Abwesenheit. Einbrecher öffnen gekippte Fenster und Balkontüren besonders schnell.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Wohnung auch bei längerer Abwesenheit einen bewohnten Eindruck vermittelt.
  • Tauschen Sie mit Ihren Nachbarn wichtige Telefonnummern aus, unter denen Sie im Notfall erreichbar sind.
  • Bieten Sie Senioren aus Ihrer Nachbarschaft an, bei Ihnen anzurufen, wenn Fremde in deren Wohnung wollen.
  • Informieren Sie die Polizei, wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt. Versuchen Sie niemals, Einbrecher festzuhalten.
  • Lassen Sie fremde Personen nicht in ihre Wohnung. cka

Traumatische Folgen

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Wenn in den persönlichsten Bereich eines Menschen eingriffen werde, habe dies für die Betroffenen oft traumatische Folgen, die nicht selten schlimmer seien als der angerichtete materielle Schaden. Zugleich gebe es keine anderen Straftaten, die man durch persönliche Schutzvorkehrungen ähnlich effektiv verhindern könne. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn, so Becker, hätten sich die Einbruchsdelikte 2014 im Vergleich zum Vorjahr auf 806 Fälle erhöht. Dies entspreche einer Zunahme von 71,1 Prozent.

Im Neckar-Odenwald-Kreis hätten sich die Fallzahlen im selben Zeitraum ebenfalls negativ entwickelt. Die Zahl der Delikte sei von 69 auf 87, also um rund 25 Prozent, angestiegen. "Auch 2015 bewegen sich die Zahlen auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr", so Hans Becker. Rund 40 Prozent der Einbrüche würden im Versuchsstadium scheitern.

"Zehn goldene Regeln"

Genau in diesem Punkt setzt die Bäckertüten-Kampagne an. Das Polizeipräsidium Heilbronn und die Bäcker-Innungen der Landkreise Heilbronn, Hohenlohe, Neckar-Odenwald, Main-Tauber, Schwäbisch Hall und dem Stadtkreis Heilbronn werben in den kommenden drei Monaten für mehr Sicherheit gegen Wohnungseinbrüche.

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Auf der Bäckertüte, die auf der Vorderseite einen Einbrecher "bei der Arbeit" zeigt, finden sich neben den "zehn goldenen Regeln für ein sicheres Zuhause" auch die Kontaktdaten der vier kostenlosen Beratungsstellen "Einbruchschutz" des Heilbronner Polizeipräsidiums in Heilbronn, Mosbach, Künzelsau und Tauberbischofsheim.

Projektleiter Werner Broßmann möchte mit der "großangelegten Aktion" vermitteln, dass sich die Polizei um das Thema Wohnungseinbruch mit hoher Priorität kümmert. Erreicht werden soll unter anderem die Senkung der Fallzahlen von Wohnungseinbrüchen, die Erhöhung der Aufklärungsquote, die momentan bei circa zehn Prozent liegt, die Stärkung des Sicherheitsgefühls und die Senkung der Hemmschwelle, bei verdächtigen Beobachtungen den Polizeiruf zu wählen.

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Obermeister Friedbert Englert von der Bäckerinnung Mosbach, der auf für die Obermeister Oskar Breunig (Buchen) und Roland Rücker (Tauberbischofsheim) sprach, freute sich, dass die Hälfte der insgesamt 650 000 verteilten Bäckertüten von den drei Innungen bezahlt wurden. Allein im Neckar-Odenwald-Kreis (NOK) würden 210 000 Tüten von 18 Mitgliedsbetrieben mit ihren 55 Filialen unter die Leute gebracht.

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Stolz war Englert auch, dass diese Aktion nach der erfolgreichen Kampagne von 2010 "Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt im Neckar-Odenwald-Kreis nicht in die Tüte" wiederum im Kreis initiiert wurde.

Landrat Dr. Achim Brötel lobte, dass Polizei und Bäcker wieder einmal an einem Strang ziehen. Er ging auch auf die dramatische Zunahme der Wohnungseinbrüche ein. Ziel müsse sein, die Messlatte hochzulegen. Dazu leiste die Bäckertüten-Aktion einen wichtigen Beitrag, indem sie die Bevölkerung "sensibilisiert, informiert und animiert zu handeln".

Landtagsabgeordneter Georg Nelius (SPD) dankte den Bäckern für ihr Engagement. Das Problem der Wohnungseinbrüche in der Zivilgesellschaft werde mit der neuen Kampagne ins Bewusstsein gerückt. cka