Amtsgericht Mosbach - Teilnahme an Schießübungen in der ehemaligen Neckartal-Kaserne bleibt ohne juristische Folgen Freispruch für 29-Jährigen

Ein 29-Jähriger ist vom Amtsgericht Mosbach vom Vorwurf des nicht genehmigten Führens einer Schusswaffe freigesprochen worden. Eine Verletzung der Sorgfaltspflicht war nicht nachweisbar.

Von 
Ralf Scherer
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Die Teilnahme an einer nicht genehmigten Schießübung in der ehemaligen Neckartal-Kaserne bleibt für einen 29-Jährigen ohne Folgen. Er wurde am Montag vom Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz freigesprochen. © Ralf Scherer

Mosbach. Auf dem Gelände des „Trainingscenters Retten und Helfen“ in der ehemaligen Neckartal-Kaserne sollen sechs Männer Ende Juni 2018 unerlaubte Schießübungen durchgeführt haben. Sie müssen sich seit Dezember in getrennten Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Amtsgericht Mosbach verantworten. Gegen die vom Gericht erlassenen Strafbefehle hatten alle sechs Teilnehmer Einspruch eingelegt. Im Fall eines 29-jährigen Bundeswehrsoldaten mit Erfolg. Er wurde am Montag von Richterin Angela Haaß freigesprochen.

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Zuvor hatte der 29-Jährige seine Teilnahme an der Veranstaltung eingeräumt. Ihm sei jedoch nicht bewusst gewesen, dass für das Schießtraining keine Genehmigung vorgelegen habe. „Ich hatte den Eindruck, dass alles rechtmäßig ist“, sagte der Angeklagte. Er schilderte, dass er über einen Facebook-Beitrag des Vereins „Uniter“ als Veranstalter auf das Trainingswochenende in der ehemaligen Kaserne aufmerksam geworden sei. In welchem Rahmen der Verein agiere, sei ihm nicht bekannt gewesen. Er sei von einer Art Wildnistraining ausgegangen, wie es auch von anderen Veranstaltern angeboten werde.

Keine Erfahrung mit Waffen

„Das hat einen offiziellen Eindruck gemacht“, betonte der 29-Jährige. Jeder Interessent habe sich per E-Mail bewerben können. Alles sei transparent dargestellt worden. Er habe nicht speziell nach einem solchen Angebot gesucht. Die Werbung habe ihn aber angesprochen. „Zu diesem Zeitpunkt war ich noch kein Bundeswehrsoldat“, so der Angeklagte. Er habe damals über keinerlei Erfahrungen im Umgang mit Schusswaffen verfügt und auch keine eigene Waffe zu der Veranstaltung mitgebracht.

Bei der Einweisung vor Beginn des Trainings im Unterrichtsraum und während der Schießübungen seien Vertreter des Veranstalters und des Betreibers des Geländes anwesend gewesen. Regelmäßig habe es Kontakte zu Teilnehmern anderer Übungsgruppen gegeben. Deshalb habe für ihn kein Grund bestanden, sich nach notwendigen Genehmigungen zu erkundigen.

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Nach den Erläuterungen des 29-Jährigen sprachen auch für Richterin Haaß verschiedene Gründe gegen eine Verurteilung. Über die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung könne man persönlich geteilter Meinung sein. Objektiv betrachtet sei der Angeklagte von einer seriösen Veranstaltung ausgegangen, die er nicht ohne Weiteres habe hinterfragen können. „Waffenrechtlich war er bis zu diesem Zeitpunkt unbedarft“, so Haaß. Ob beim Verhalten des 29-Jährigen die Schwelle zur Fahrlässigkeit überschritten war? „Ich denke gerade noch nicht“, sagte Richterin Haaß. Es sei schwer nachzuweisen, dass der Angeklagte von einer fehlenden Genehmigung hätte wissen müssen. Anders hätte ihre Entscheidung ausfallen können, wenn es sich nicht um das Verschießen von Plastikkügelchen, sondern um scharfe Waffen gehandelt und der Angeklagte über waffenrechtliche Erfahrung verfügt hätte, so die Richterin.

Staatsanwalt Brecht dagegen hatte in seinem Plädoyer einen Verstoß gegen das Waffengesetz als erwiesen angesehen. Der Angeklagte habe ein Softair-Blowback-Sturmgewehr ohne Genehmigung geführt. „Er hätte erkennen müssen, dass keine Genehmigungen vorlagen“, so der Vertreter der Anklage. Er beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 2100 Euro.

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Strafverteidiger Thomas Maurer wies auf einen „höchst serösen Eindruck“ der Veranstaltung hin. Das Schießtraining habe in einem abgeschlossenen Bereich vor Zuschauern stattgefunden. „Woher soll er auf die Idee kommen, dass er das alles prüfen muss“, so der Rechtsanwalt. „Das ist noch nicht im Bereich der Fahrlässigkeit.“

Organisator verurteilt

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Zu einer anderen Bewertung war Richterin Haaß im Dezember im Fall eines 35-Jährigen gelangt. Wegen Beihilfe beim Verstoß gegen das Waffengesetz sowie wegen des Besitzes einer Blendgranate und mehrer Rauch- und Nebelkartuschen verurteilte sie den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 2800 Euro. Der 35-Jährige hatte mit seiner Firma das Übungswochenende in der ehemaligen Kaserne organisiert und nicht ordnungsgemäß angemeldet.

Redaktion Ralf Scherer ist als Redakteur in der Lokalredaktion Buchen und im Online-Bereich tätig. In seiner Heimatstadt Walldürn, aber auch in vielen anderen Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises ist er seit 14 Jahren als Lokaljournalist unterwegs.