In Limbach - Bekanntgabe der Preisträger für den Rathausum- und Erweiterungsbau / Günter Herrmann Architekten aus Stuttgart überzeugten

Rathaus-Sanierung kann 2022 beginnen

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In Limbach wurden die Preisträger des Planungswettbewerbs für das Rathaus bekanntgegeben. Das Bild zeigt (von links) Günter Herrmann, Bürgermeister Thorsten Weber, Hubert Schmidtler und Lutz Fricke. © Gemeinde Limbach

Limbach. Seit letztem Jahr befindet sich die Gemeinde Limbach mit dem Sanierungsgebiet „Ortsmitte“ im Sanierungsprogramm der Städtebauförderung. Im Zuge dessen stehen weitere Großprojekte, die Verlagerung des Bauhofs und die sich dann anschließende, barrierefreie Sanierung und Erweiterung des Rathauses in den Startlöchern.

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Für die Barrierefreiheit des Rathauses hat die Gemeinde Limbach ein europaweites Ausschreibungsverfahren nach der Vergabeordnung durchgeführt. Dieser Tage kürte das Preisgericht nach rund zwölf Stunden Begutachtung und Bewertung der eingereichten Arbeiten fünf Preisträger.

Der Wettbewerb und das Ergebnis wurden von der Architektenkammer Baden-Württemberg überprüft und im Rahmen eines Pressetermins offiziell bekanntgegeben. Bürgermeister Thorsten Weber begrüßte die anwesenden Vertreter der teilnehmenden Büros, Hubert Schmidtler als Vorsitzenden des Preisgerichts und Lutz Fricke als verantwortlicher Vertreter der wettbewerbbegleitenden Kommunalentwicklung aus Stuttgart.

„Aktuell haben wir im ganzen Rathaus kein einziges Büro, das barrierefrei erreichbar ist. Das Zimmer des neuen Hauptamtsleiters wurde durch das Einziehen einer Zwischenwand „geschaffen“ und hat keinen direkten Zugang über Verkehrsflächen. Für diverse Praktikas und Prüfungen, wie aktuell die Bauprüfung durch die Gemeindeprüfungsanstalt, sind keine Räume vorhanden“, so der Bürgermeister einleitend zur aktuellen Raumsituation.

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Lob für eingereichte Arbeiten

Er lobte die abgegebenen Arbeiten der insgesamt 20 Architekturbüros, die sich der nicht einfachen Aufgabe mit einer großen Auswahl an Vorschlägen annahmen und betonte, dass sich das elfköpfige Gremium der Preisrichter die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. „Wir haben ein buntes und breites Spektrum an Arbeiten erhalten, die uns die ganze Vielfalt der kreativen Möglichkeiten des Berufes einer Architektin/eines Architekten durch die Einreichung von Plänen und Modellen praktisch greifbar machte“, so der Bürgermeister, „und ich bin mir sicher, wir werden in ein paar Jahren ein funktionales, auf unsere Bedürfnisse abgestimmtes und, das Wichtigste, in allen Bereichen barrierefreies Rathaus haben.“

Hubert Schmidtler, als Vorsitzender des Preisgerichts, verwies auf die Schwierigkeit und Komplexität des Projekts. Die eingereichten Entwürfe der teilnehmenden Architekten und Architektinnen mussten neben den anspruchsvollen Rahmenbedingungen, wie räumliche Begrenzung oder Denkmalschutz, noch viele weitere Anforderungen erfüllen. Diese wurden zur Verdeutlichung anhand der abgegebenen Pläne und Modelle erläutert. Hierbei zeigte er an Beispielen auf, was aus Sicht des Preisgerichts von den Architekten und Architektinnen gut umgesetzt wurde, und wo einzelne Arbeiten Schwachstellen aufwiesen.

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Bei der Entscheidungsfindung spielten viele Faktoren eine Rolle. Einerseits mussten die gesetzlichen Bestimmungen des Vergaberechts wie bspw. die Wirtschaftlichkeit des Projekts beachtet werden und andererseits weitere Kriterien, wie beispielsweise der Umgang mit dem wenig zur Verfügung stehenden Platz, die Einhaltung der denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen oder das Einfügen des Baukörpers in den Ort und in die Umgebung. Im Anschluss stellte Hubert Schmidtler die Arbeiten der fünf Preisträger vor.

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Vom Preisgericht wurden die Plätze 1 bis 3 ausgezeichnet und darüber hinaus zwei Anerkennungen vergeben. Mit einer Anerkennung bedacht wurde die Arbeit der KohlmayerOberst Architekten GbR aus Stuttgart, eine weitere Anerkennung erhielt die Arbeit der Enders-Weissbangert Architekten + Stadtplanerschaft mbB aus Hochheim a. Main.

Den 3. Preis erhielt die Dittel Architekten GmbH aus Stuttgart. Dazu führte das Preisgericht unter anderem aus: „Dem Entwurf gelingt es mit einem einzigen schlichten, klar gegliederten und schnörkellosen Baukörper das historische Rathaus freizustellen und einen angemessenen barrierefreien Rathausvorplatz zu ermöglichen. Es handelt sich um einen sehr ausdrucksstarken Entwurf, der den Neubau vom Altbau abheben lässt und dennoch mit ihm verschmilzt. Es findet nur ein minimaler Eingriff in den Bestand statt, was zu einer Denkmalverträglichkeit führt. Die Arbeit entspricht den Anforderungen der Gemeinde, dennoch weist sie einige Unklarheiten auf.“

Kompakter Baukörper

Der 2. Preis ging an Kubeneck Architekten aus Berlin. Hier urteilte das Preisgericht: „Die Arbeit setzt das von der Gemeinde vorgegebene Raumprogramm in einem überraschend kompakten Baukörper um, der die städtebauliche Körnigkeit der Umgebung aufnimmt. Der Entwurf weist eine klare Gliederung zwischen Hauptgebäude, Nebengebäude und Neubau auf. Ebenfalls positiv bewertet wurde der Fokus auf den denkmalgeschützten Altbau sowie die sich auf ein Minimum beschränkenden Eingriffe in die historische Substanz.“

Kriterien am besten erfüllt

Den 1. Preis erhielt Günter Herrmann Architekten aus Stuttgart. Bei der Bekanntgabe des ersten Preises wies Hubert Schmidtler daraufhin, dass sich das Preisgericht einstimmig dafür aussprach, dem Gemeinderat die Realisierung der Arbeit der Günter Herrmann Architekten zu empfehlen. Der Entwurf erfüllt die Ausschreibungskriterien am besten und durch seine kompakte Bauweise verspricht der Neubau eine wirtschaftliche Lösung. Insgesamt stellt die Arbeit eine stimmige und qualitätsvolle Lösung dar.

Die Bewertung des Preisgerichts führte dazu weiter aus: „Der Entwurf zeichnet sich durch eine klare städtebauliche Situation aus. Es gibt eine klare Nebeneinanderstellung von Alt- und Neubau mit einer raffinierten Staffelung sowie einer sehr guten Beleuchtung. Positiv gesehen wird vor allem die gute räumliche Organisation des alten Rathauses. Bei dem Projekt wird eine Erschließung auf einer Zwischenebene angestrebt, wodurch dem Bürger beim Rathausbesuch ein Gefühl der Teilhabe am Geschehen vermittelt werden soll.“

Weiteres Vorgehen

Kleinere Kritikpunkte sind Gegenstand weiterer Prüfungen. Mit Blick auf das weitere Vorgehen führte Hubert Schmidtler aus, dass nun, nachdem die Preisträger gekürt wurden, im nächsten Schritt ein Bieterverfahren stattfinden könnte. Allerdings nur, wenn dies von den drei Preisträgern gewünscht wird. Entschieden wird ein solches Bieterverfahren, falls es stattfinden wird, dann im Rahmen einer kleinen Jury. Anschließend wird es zum Abschluss eines Architektenvertrages kommen. Bezüglich der Durchführung des Projekts teilte Bürgermeister Thorsten Weber mit, dass der Auszug des Bauhofs bis zum Frühjahr 2022 geplant sei, so dass mit der barrierefreien Sanierung und Erweiterung des Rathauses im Laufe des nächsten Jahres begonnen werden könnte. „Wir werden in den kommenden Jahren ein funktionales, auf die, auch rechtlichen Bedürfnisse angepasstes Rathaus bekommen, das in allen Bereichen die Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllen wird, ohne dass dabei ein Prachtbau zur Ausführung kommen wird“, zeigte sich Thorsten Weber abschließend überzeugt.