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Leserbrief - Zu der Berichterstattung über den Probebetrieb der Frankenbahn und den Gegebenheiten um den Bahnhof Königshofen Zeit der „Bruderliebe” vergangen?

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© Fotolia/mapoli-photo

Wow! Was für eine Ansage, die der Kreistag Neckar-Odenwald parteiübergreifend – inklusive Landrat – in seiner öffentlichen Sitzung platziert. Blattschuss! Der Main-Tauber Kreis, mit dem man noch vor wenigen Wochen „Bruderliebe“ demonstriere, als es um die Verlängerung des Probebetriebes der Frankenbahn zwischen Osterburken und Lauda ging, wird quasi zum „Mein-Jammer-Kreis“ befördert. Zurecht? Nicht nur für den NOK-Kreistag war es offenbar schwierig, die nicht enden wollenden „Berichte“ und Kommentare über den Zustand der Bahninfrastruktur – speziell in Königshofen – lesen zu dürfen, bei denen sich allerdings eines deutlich gezeigt hat: mit Halbwahrheiten (vorsichtig ausgedrückt) und dem Ausblenden von Fakten, lässt sich Stimmung erzeugen.

Beschränken wir uns zunächst auf die Bahnhöfe in Königshofen und Lauda. Wer ist hier wofür zuständig, welcher Service wird geboten, wie steht es um die Sauberkeit? Beide Unterführungen (inklusive Verkehrssicherungspflicht und Sauberkeit) fallen vertraglich geregelt in die Zuständigkeit der Stadt. Bei der Ausschreibung des Verkehrsvertrags war der personenbediente Fahrkartenverkauf im Bahnhof Lauda Bedingung. „Go-ahead“, als Betreiber der Strecke, hat nach wenigen Monaten den Fahrkartenverkauf in Lauda eingestellt. Öffentlicher Widerspruch? Fehlanzeige. Beheizter Wartesaal geschlossen – egal. Toiletten? Als die DB noch Eigentümer des Bahnhofgebäudes war, gab es jede Menge Forderungen, die wegen Vandalismus geschlossenen öffentlichen Toiletten wieder zu öffnen. Eine nach wie vor amtierende Stadträtin war ganz vorne mit dabei. Seit 1. Mai 2019 ist die Stadt Eigentümerin des Bahnhofs. Warteraum? Toiletten? Fehlanzeige! Wie wohl klingt es noch in den Ohren, als der ehemalige Landrat, der ehemalige Dezernent für Kreisentwicklung und der ehemalige Bürgermeister, das Bahnhofsgebäude in Lauda zur „Mobilitätszentrale“ ausbauen wollten. Stattdessen pokert ein potenzieller Investor, das Gebäude nicht nur geschenkt zu bekommen, sondern noch einen satten Investitionszuschuss obendrauf.

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Auch das Bahnhofsgebäude in Königshofen gehört der Stadt. Mit wenigen Jahren Unterbrechung seit Mitte 1993. Warteraum? Toiletten? Fehlanzeige! Über den baulichen Zustand und das optische Erscheinungsbild des Gebäudes bedarf es keiner Diskussion. Die Reaktivierung des Bahnsteigs in Königshofen am Gleis 3 Richtung Stuttgart soll der Schlüssel sein, um die erforderlichen Fahrgastzahlen für einen Dauerbetrieb für Nahverkehre auf der Frankenbahn zu erreichen. „Die Bahn“ – wer auch immer das sein soll – muss einen neuen Bahnsteig bauen. Was selbst ein „Behelfsbahnsteig“ kostet, interessiert nicht. Der Bau eines „richtigen“ Bahnsteigs geht in die Millionen. Eine Bahnsteighöhe von 76 cm würde bei einem behindertengerechten Ausbau zwei Aufzüge oder einen Aufzug und eine 100 Meter lange Rampe erfordern. Ein Oberleitungsmast wäre zu versetzen, am Gleisanschluss der Firma Strabag müssten Anpassungen vorgenommen werden, gegebenenfalls Verschwenkung oder gar Stilllegung. Welcher Investor würde hier einsteigen, ohne eine verlässliche Garantie, dass das Land hinterher auch dort Zughalte bestellt, um über die Jahre die Investition „rezufinanzieren“?

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Ach ja, da war auch noch der Besuch des parlamentarischen Staatssekretärs aus dem Bundesministerium für Digitalisierung und Verkehr – gleichzeitig „Beauftragter des Bundes für Schienenverkehr“. Geballte Kompetenz. Der Herr muss es wissen: „Laut Gesetz dürfen Schranken höchstens vier Minuten am Stück geschlossen sein.“ Wo bitte schön kann man dieses Gesetz nachlesen? Fakt ist, ein Bahnübergang muss bei einer Zugfahrt so lange geschlossen bleiben, bis keine Gefahr für die Sicherheit des Straßen- und Bahnverkehrs mehr besteht. Da tickt keine Uhr! Der Politiker weiter: „Ein Fehler unter der Ära Mehdorn sind die abgebauten Überholgleise.“ So, so! Wo wurde zwischen Lauda und Osterburken unter Mehdorn ein Überholgleis abgebaut? Man kann zu Mehdorn stehen, wie man will. Er war der erste, der von der Öffentlichkeit als „Bahnchef“ wahrgenommen wurde und auch der Politik die Stirn geboten hat. Bis dahin gab es „Vorstandsvorsitzende“, quasi der verlängerte Arm der jeweiligen Bundesregierung.

Der Auftrag des Bundes als Eigentümer des Sondervermögens Deutsche Bahn war an Mehdorn klar formuliert: „Schaffen Sie die Voraussetzungen, die Bahn an die Börse bringen zu können“. Dass dies nur über massive Einsparungen möglich sein würde, dürfte jedem Politiker klar gewesen sein, egal ob in der Regierung oder der Opposition.

Bernhard Geisler, Unterbalbach

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