Herausfordernde Aufgabe - Bei Tourismuschefin Kamala Börngen gehen trotz Corona viele Anfragen zum Aktiv-Urlaub in der Weinstadt ein „Wir leben in einem kleinen Paradies“

Von 
Diana Seufert
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Als Leiterin des Bereichs Tourismus, Kultur, Messen, Märkte sieht Kamala Börngen die Heimat mit den Augen des Urlaubers. Das touristische Potenzial der Stadt Lauda-Königshofen will sie mit Unterstützung von Bürgermeister Lukas Braun nutzen. © Seufert

Die Heimat mit den Augen der Touristen sehen: Kamala Börngen, die Leiterin des Fachbereichs Tourismus bei der Stadt, ist sich der Attraktivität der Region sehr bewusst.

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Lauda-Königshofen. Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Für die meisten Menschen ist das ein großer Traum. Für Kamala Börngen ist es mittlerweile Realität. Die 36-Jährige aus Oberlauda hat bei der Stadt Lauda-Königshofen im September den Fachbereich Tourismus, Kultur, Messen und Märkte übernommen. Eine herausfordernde Aufgabe in der aktuellen Corona-Pandemie, die den Gästen den Besuch im Taubertal und speziell in der Weinstadt Lauda-Königshofen erschwert. Doch die engagierte Touristikerin lässt sich nicht abschrecken. „Ein bisschen Träumen dürfen vom Urlaub und die Vorfreude darauf genießen – auf diese Perspektive freuen sich viele.“

Auch wenn es derzeit vielleicht etwas ruhiger als sonst ist, stehen die Telefone nicht still. „Es kommen täglich Anfragen“, berichtet die Reisespezialistin. Manche wollen sich nur informieren, anderen planen schon ganz konkret einen Aufenthalt, wenn nach den Corona-Beschränkungen Reisen wieder möglich ist. „Die Gäste bereiten sich auf die Zeit danach vor“, und das freut die gebürtige Schwäbin. Vor allem über das Radweg-Angebot verschickt sie derzeit viele Unterlagen. „Der Rad-Achter ist mit Lauda-Königshofen als Einstiegsort perfekt zu fahren“, schwärmt sie nicht nur den potenziellen Gästen vor.

Corona hat nicht nur im Taubertal gezeigt: „Die Leute sind viel in Deutschland unterwegs und wollen beim Reisen Qualitätszeit verbringen – gerade auch Familien.“ Mit Gastgebern, Veranstaltern und Tourismusverbänden schaut sie optimistisch in die Zukunft. „Für den innerdeutschen Tourismus kann die Corona-Krise langfristig eine Chance bedeuten. Darum wollen wir dafür sorgen, dass sich die Gäste bei uns wohlfühlen.“

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Dabei liegen die Schwerpunkte ganz unterschiedlich: Von Wandern und Radfahren über Weingenuss bis zu Schwimmbad und Freizeitmöglichkeiten. „Familien haben andere Vorstellungen von einem Urlaub als vielleicht Senioren oder junge Paare.“ Deshalb wird gebündelt, was reizvoll und einen Besuch wert ist. Etwa die 30 Wanderwege rund um Lauda-Königshofen, von denen sie nicht nur den „Tauberschwarz“-Weg, die Augustinuswege rund um Messelhausen oder den Heckfelder Kulturwanderweg besonders empfiehlt. Und auch für Wohnmobilisten wurde in den vergangenen Wochen einiges getan.

Touristisches Potenzial

Die Ideensammlung soll also fertig sein, wenn der Startschuss in die neue Saison erfolgen kann. „Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für unsere Stadt“, sagt Bürgermeister Dr. Lukas Braun. Nicht nur der Weintourismus zu den vielen kleine Familienbetrieben und die Wein- und Hoffeste spielen eine Rolle, sondern auch die Radler, die im Sommer mit großer Begeisterung auf dem 5-Sterne-Radweg entlang der Tauber unterwegs sind. Braun glaubt an das touristische Potenzial der Kommune, das er gerne noch ausbauen will. Den Effekt vergleicht er mit einer Art Wirtschaftsförderung. Denn genau diese „Durchgangstouristen“, die durch die Stadt radeln, will man zu einem Stopp und vielleicht sogar zu einem längeren Aufenthalt animieren. „Wir wollen mehr sein als nur ein Punkt auf der Linie zwischen Wertheim und Rothenburg.“

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Für Jazz-Freunde ist das definitiv so. Denn die Reihe „Jazz in der Aula“ in Lauda, für die Kamala Börngen im Bereich Kultur ebenfalls zuständig ist, lockt Fans aus ganz Süddeutschland in die Region. Auch die Königshöfer Messe ist in ihren Augen ein solcher Besuchermagnet.

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Der Bereich Tourismus, Kultur, Märkte und Messen ist daher für sie als großes Ganzes zu sehen, zu dem neben vielen weiteren Veranstaltungen auch das Weinfest gehört. Zudem ist sie für die Organisation der Märkte, etwa des Georgsmarkts, oder auch für den Besuch des Kinomobils zuständig. Und im nächsten Jahr freut sie sich auf das Jubiläum „70 Jahre Liebliches Taubertal“.

Mut machen

Kamala Börngen nutzt die Zeit der Einarbeitung auch zur Kontaktpflege. „Gerade die Gastronomen und die Kulturbranche brauchen jetzt Unterstützung, ihnen müssen wir Mut machen.“ Den Kontakt zur Basis, also zu den Gastgebern und Veranstaltern, hat sie schon länger. Im März 2018 hatte sie als Mitarbeiterin im Tourismusbüro der Stadt angefangen. Zuvor betreute sie zehn Jahre bei der Jeunesses Musicales in Weikersheim als Assistentin des Generalsekretärs etliche Projekte wie den Wettbewerb „Jugend komponiert“, die Verleihung des Würth-Preises und Sponsoring-Kampagnen. Diese Erfahrungen haben ihr geholfen, ist sie überzeugt. „Während bisher die Beratung der Gäste an erster Stelle stand, rücken nun die strategischen Aufgaben in den Vordergrund. Ich überlege mir, wie ich unsere tolle Weinstadt noch besser präsentieren kann.“ Denn für die Tourismusexpertin ist klar: „Es läuft auch viel durch Mundpropaganda.“ Und da wolle man sich als guter Gastgeber präsentieren.

Deshalb nutzt die begeisterte Wanderin in ihrer Freizeit das vorhandene Wegenetz, um sich selbst von der Vielfalt der Region zu überzeugen. Den künftigen Urlaubsgästen kann sie so guten Gewissens über die Heimat vorschwärmen. „Wir sind die einzige Stadt in Baden-Württemberg mit drei ausgezeichneten Weinhotels“, doch selbst „getestet“ hat sie dieses Angebot noch nicht. Und sie ist froh, dass sich die vielen Weinbaubetriebe immer etwas Neues und Innovatives für die Gäste einfallen lassen.

Heimat hat viel zu bieten

„Unsere Heimat ist so schön, das will ich Gästen und Einheimischen vermitteln. Wir sollten unsere Heimat schätzen“, findet Kamala Börngen, die von ihren Freundinnen öfter mal zu hören bekommt, sie wohne im Paradies. Was schätzt sie an ihrer Stadt? „Jeder Stadtteil hat seine eigenen Besonderheiten“, findet die detailverliebte Frau. „Ich entdecke überall viel Schönes.“ Angetan hat es ihr auch die vielfältige Natur mit Wäldern, Weinbergen, Seen und Panoramablicken. Wann immer es geht, ist sie draußen unterwegs, mit Freunden beim Wandern auf naturbelassenen Wegen, erkundet den Jakobsweg oder das Teilstück des Main-Donau-Wanderwegs, der das Stadtgebiet quert. Oder sie geht zur Weinführung. Der Rucksack ist immer dabei – bestückt mit Werkzeug, um mal ein Schild wieder gerade zu rücken oder anzubringen – und auch der Fotoapparat der begeisterten Fotografin.

„Ich liebe selbst das Reisen. Aber das Schönste ist für mich immer das nach Hause kommen.“ Die freudige Erwartung auf das Taubertal hat sie auch vor Jahren auf der Heimreise begleitet, als sie nach einem Jahr „Work-and-Travel“ durch Australien und Neuseeland zurück kam.

Kamala Börngen ist eine fröhliche und optimistische Frau, die immer positiv denkt. Dass die Bürger ihre Heimat wieder neu entdecken, freut sie. „Ob ein Spaziergang durch die Weinberge oder Naturlehrpfade in Beckstein, ein Besuch in der Klosterkirche Gerlachsheim, dem Gooden in Königshofen oder dem Schlösschen in Sachsenflur, ein gemütlicher Altstadtrundgang in Lauda, oder eine Tierbeobachtung in den Naturschutzgebieten: Es wird nicht langweilig.“

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz