Falken nisten in Lauda - Sechs Jungvögel verlassen nun das Nest "Willkommene Gäste" werden flügge

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Lorena Klingert
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Hungrige Schnäbel: Der Falkennachwuchs will gefüttert werden.

© Götzelmann

Lauda. Bereits seit 1998 beobachten Matthias Götzelmann und seine Frau Marion immer wieder Falken in näherer Umgebung.

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Jedes Jahr im Frühjahr waren einige Falken ums das Haus und im näheren Umkreis zu sehen und machten auf der Dachpfette Rast. Das Holzhaus der Götzelmanns, das von viel Grün umgeben ist, schien für die Vögel ein beliebter Anziehungspunkt zu sein. Mehrere Männchen machten Balzversuche um ein Weibchen. Doch irgendwann waren die Falken wieder verschwunden.

Nestbau

Bereits im darauffolgenden Jahr wagte sich Matthias Götzelmann an einen Versuch heran. Er wollte den Flugtieren einen geeigneten Nistplatz bieten. Kurzerhand baute er gleich zwei Nistkästen auf Ost- und Westseite seines Hauses.Die Brutstätten befinden sich an jenen Stellen, an denen zuvor die Dachpfetten als Rastplätze dienten.

Seine Idee hatte Erfolg - noch im selben Jahr wurden die Greifvögel im Brutkasten Ost gesichtet. Doch leider diente der Bau nur zur Rast. Als Brutstelle wurde er nicht angenommen. Auch in den darauffolgenden Jahren waren diverse Falken zu beobachten, doch kam es nie zu einem Brutversuch im Hause der Götzelmanns. "Ich fragte mich, woran es liegen könnte. Also begann ich eine Recherche", so Matthias Götzelmann. Er machte sich schlau und begann im September 2006 Einstreu aus Erde und Holz in die Nester zu legen. Und damit kam nun endlich der erste Erfolg. Im Frühjahr des darauffolgenden Jahres nistete sich das erste Falkenpärchen ein.

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Ende April begann die Brut, und schon vier Wochen später waren fünf Jungtiere zu bestaunen. "Das war ein stolzes Gefühl", für Matthias Götzelmann, dem die Tiere schon sehr ans Herz gewachsen waren. Begeistert führt er bis heute ein Tagebuch, in dem er genauestens das Verhalten der Tiere archiviert.

Von ersten Paarungsflügen über Brutbeginn und Schlüpfen bis hin zum Ausflug der Tiere hat er alles festgehalten.

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Auch in einer kleinen Bilderbank kann man die Falken über einen Zeitraum von nunmehr fast 20 Jahren jederzeit betrachten.

Neueste Brutergebnisse

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Ebenso auch in diesem Jahr siedelte sich ein Pärchen an, das wie seine Vorgänger zu Gattung der Turmfalken gehört. "Wir freuen uns jedes Jahr auf die Falken. Sie sind immer willkommene Gäste.", so Matthias Götzelmann begeistert.

Auch die gesamte Nachbarschaft erkunde sich voller Vorfreude immer wieder nach den Falken. "Sie sind zu einer echten Attraktion für uns hier geworden."

Am 18. Mai war es dann soweit. Aus sechs Eiern sind insgesamt sechs Jungen geschlüpft. Anfangs waren lediglich zwei zu erkennen. Doch im Laufe der Wochen wagte es immer ein weiterer Jungfalke aus dem Nest zu spitzen.

Vom vollen Flaumkleid bis hin zum braunen Gefieder war in den letzten Wochen die Entwicklung der sechs "kleinen Racker" zu beobachten, wie Matthias Götzelmann seine Lieblingstiere bezeichnet.

Einen kleinen Haken bringt die Gastfreundschaft für Familie Götzelmann leider mit sich. Da die Jungen vom Muttertier mit Feldmäusen, Eidechsen, Blindschleichen und Insekten gefüttert werden, gibt es des Öfteren einige Überreste des Futters zu beseitigen.

Die Sitzgruppe, die sich unter dem östlichen Nest befindet, ist etwa neun Wochen im Jahr besser nicht zu nutzen.

Allerdings nimmt Matthias Götzelmann die Unannehmlichkeit "gerne in Kauf", um die Falken weiter bei sich zu haben.

Perfekte Lage für Tiere

Lediglich das östliche Nest wird aufgrund der Morgensonne und der idealen Lage mit weitem Blick über die Dächer von Lauda von den Falken angenommen. Im westlichen Nest beherbergt Familie Götzelmann im Winter Eulen. Auch sie freuen sich über einen Schutz.

Das Nest auf der Ostseite ist aufgrund der hohen Lage im Balken nur schwer zugänglich. "Anfangs hatte ich mich mit einem Sicherheitsgurt befestigt und mich aus dem Dachfenster gelehnt, um den Brutkasten sauber zu halten." Eine heikle Angelegenheit. "Doch diese Zeiten sind vorbei. Irgendwann dachte ich mir dabei, ich will meine Pension noch erleben", lacht Matthias Götzelmann.

Nun ist er sehr froh, dass er Unterstützung der Stadt Lauda-Königshofen erhält. Seit einigen Jahren kümmert sich der Bauhof um das Reinigen der Nistkästen im Spätjahr. "Das macht mich sehr froh, denn die Arterhaltung liegt mir sehr am Herzen. Die Stadt hat somit eine Art Patenschaft für die Tiere übernommen und trägt zu unserem Stadtbild bei", so der Lehrer.

Als weiterer Nistplatz in Lauda sei ihm nur der Kirchturm bekannt, an dem sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls Jungtiere befänden.

Herbe Verluste

Leider gab es traurige Ergebnisse der Brut. In den Jahren 2012 und 2013 überlebte keines der Jungen. Ein herber Rückschlag für Matthias Götzelmann. Und so hofft er jedes Jahr aufs Neue, dass so viele Jungen wie möglich durchkommen werden. Möglichst sollen natürlich alle durchkommen.

Auch der Abschied von den ihm ans Herz gewachsenen Tieren, macht Matthias Götzelmann sentimental. Nach vier Wochen Brut und vier Wochen Aufzucht fangen die Tiere an, ihr Nest zu verlassen. Zunächst wagen sie sich auf das eigens dafür angelegte Ansitzbrett und wagen erste Flugversuche.

Dann dauert es nur noch wenige Tage, bis die Tiere die Umgebung verlassen.

"Dann lernen sie das Fliegen und bekommen das Jagen ihrer Beute von den Eltern beigebracht", so der Falkenliebhaber.

Auf Besuche der ausgewachsenen Tiere wartet die Familie stetig.