Handwerkskammer Heilbronn-Franken - Schreiben an die Landesregierung soll auf die prekäre Situation der 1139 Friseure und 754 Kosmetikerinnen aufmerksam machen Wiederöffnung schnellstmöglich erlauben

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pdw
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Main-Tauber-Kreis. „Die Regelung der Schließung und der Untersagung von Friseurdienstleistungen trifft alle gleich – sollte man meinen. Schauen Sie sich aber viele Fußballprofis, Politiker und Menschen auf der Straße an, die offensichtlich nicht vor fünf Wochen das letzte Mal auf einem Friseurstuhl saßen“, schlägt Angelika Gold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaften (KHW) Main-Tauber und Schwäbisch-Hall, in einer Stellungnahme zur beklemmenden Lage des Friseurhandwerks in dieselbe Kerbe wie die Innungsverbände. „Meine Innungsmitglieder melden sich zunehmend verstärkt bei mir und machen ihrem Ärger Luft. Bei vielen ist es reine Verzweiflung und die Angst vor der Zukunft“.

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Zu hören, dass viele Friseure von Mitarbeitern und Kunden hintergangen werden, mache traurig, Der Salon dürfe nicht öffnen und der Kunde kontaktiere seinen Friseur privat, indem man sich „auf einen Kaffee“ in den heimischen vier Wänden treffe.

„Kurzum: Schwarzarbeit! Dieser Wildwuchs trifft die Saloninhaber nicht nur finanziell, sondern auch emotional schwer“, gibt Gold die Stimmung wieder. Denn wer sich jetzt „schwarz“ frisieren lasse, der komme nicht sofort nach dem Lockdown in den Salon oder vielleicht auch gar nicht mehr.

„Statt solidarisch gemeinsam diese schwierige Zeit zu meistern, wird zum Teil gegeneinander gekämpft. Das ist sehr schade“, bedauert die KHW-Geschäftsführerin. „Die verantwortlichen der Innung werden jedem Hinweis auf Schwarzarbeit nachgehen und Anzeige erstatten“, verdeutlicht sie, dass es keine Toleranz gibt.

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„Die Situation der Friseure und Kosmetiker in der Region Heilbronn-Franken ist dramatisch“, konstatieren gleichsam Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken und Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr die derzeitige Lage. „Die 1139 Friseure und 754 Kosmetiker in unserer Region befinden sich in einer Notlage – viele kämpfen ums Überleben.“

Gemeinsam mit den Obermeistern der Friseur-Innungen Main-Tauber-Kreis, Schwäbisch Hall und Heilbronn-Öhringen hat sich die Kammerspitze deshalb Mitte dieser Woche mit einem dringenden Appell an die Landesregierung gewendet.

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Auch Angelika Gold und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaften Heilbronn-Öhringen, Roland Müller, haben sich dem Aufruf angeschlossen.

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In einem gemeinsamen Schreiben forderte das regionale Handwerk Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und Sozialminister Manfred Lucha dazu auf, den Friseuren und Kosmetikern ab 1. Februar, jedoch spätestens zum 15. Februar, die Wiedereröffnung zu ermöglichen.

„Viele Betriebsinhaber stehen vor dem finanziellen Aus. Neben den fehlenden Einnahmen warten zahlreiche Betriebe noch auf die Zahlungen der November- und Dezemberhilfe. Von der Überbrückungshilfe III, die noch nicht einmal beantragt werden kann, ganz zu schweigen“, heißt es unter anderem in dem Schreiben, das den FN vorliegt.

Dabei sehen die Vertreter der Friseur-Innungen alle wichtigen Voraussetzungen für die Wiedereröffnung der Friseur- und Kosmetiksalons erfüllt. „Wir verfügen über hervorragende Hygienekonzepte, mit denen die Ansteckungsgefahr von Kunden, Mitarbeitern und Betriebsinhabern auf ein Minimum reduziert werden kann“, unterstreichen sie.

Als weiteres Problem nennen die Verfasser und Unterzeichner des Schreibens an die Landesregierung die derzeit stillstehende Ausbildung im Friseurhandwerk und der fehlende Anspruch der rund 3000 Baden-Württemberger Auszubildenden auf Kurzarbeitergeld. Neben Sorgen um die Ausbildungsstelle und finanzielle Sicherheit seien schon jetzt Abwanderungstendenzen feststellbar. „Die duale Ausbildung ist jedoch Garant für den Erhalt des soliden Friseurhandwerks und muss gewährleistet sein. Sonst fehlen uns in den kommenden Jahren die dringend benötigten Fachkräfte“. pdw