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Weinfest Lauda - Schnitzkünstler Heinz A. Theobald darf man über die Schulter schauen

Wenn aus dem Holzfassboden ein Kunstwerk entsteht

Von 
Peter D. Wagner
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Holzschnitzer Heinz A. Theobald zeigt seine Kunst beim Weinfest in Lauda, das von Freitag, 17. Juni, bis Sonntag, 19. Juni, stattfindet. © Peter D. Wagner

Die Kunst, Holzfässer mit Schnitzwerk zu verzieren, beherrscht Heinz A. Theobald. Beim Weinfest in Lauda darf man ihm über die Schulter schauen.

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Lauda-Königshofen. Heinz A. Theobald aus Lauda ist einer der noch ganz wenig verbliebenen Holzfassboden-Schnitzer in Deutschland. Damit hält er eine Handwerkstradition aufrecht, die früher vor allem auch im Lieblichen Taubertal und in Main-Franken weit verbreitet war.

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Von Freitag bis Sonntag ist der Holzschnitzkünstler und Hard-Rock-Fan mit einem Stand auf dem Wein- und Altstadtfest in Lauda präsent, wo sich Interessierte über seine Handwerkskunst informieren oder ihm dabei zuschauen können, wie er ein weiteres Werk anfertigt.

Allerdings hat Heinz A. Theobald dieses Kunsthandwerk nicht von Beginn an als Beruf bis hin geradezu als Berufung erlernt, sondern erst später. 1953 in der südsaarländischen Stadt Püttlingen (Landkreis Saarbrücken) geboren und dort aufgewachsen, absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann sowie anschließend in Würzburg ein Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketing. Rund zehn Jahre war er bei der Volksbank Tauberbischofsheim in den Bereichen Marketing, Bankstellen Neu- und Umbau sowie Veranstaltungsmanagement tätig. Danach arbeitete er über 15 Jahre bei der Distelhäuser Brauerei, in den Aufgabenkreisen Marketing, Gastronomieplanung und Veranstaltungen.

Autodidakt

Entdeckt hat Theobald sein Talent als Bildhauer und Holzschnitzkünstler vor rund 40 Jahren. Nach dem Tod seines Vaters 1977, der von Beruf Schreiner war und als Hobby geschnitzt hat, fand seine Mutter, dass die väterlichen Schnitzmesser ohne weitere Benutzung rosten würden. „Daraufhin habe ich mir die Holzschnitzkunst ebenso autodidaktisch beigebracht wie die Holzbildhauerei“, erzählt er.

2006 gründete Theobald freiberuflich „Kunst & Konzept“, wo er in vier Sparten tätig ist: Holzbildhauerei, Gastronomie- und Eventberatung mit ganzheitlichen Konzepten sowie im Bereich „Innovationen“. „Seither habe ich rund 500 Holzarbeiten angefertigt“, schätzt Theobald. Im Staatlichen Hofkeller der Residenz Würzburg sind 66 der insgesamt 100 Fässern von ihm geschaffen („mein Lebenswerk“), ein weiteres ist in Arbeit und kann beim Entstehen auf dem Weinfest in Lauda begutachtet werden.

Das mit 2,20 Meter Durchmesser größte Holzfass mit geschnitztem Fassboden im Taubertal beim Weingut Johan August Sack in Lauda, das große Holzfass „Weinstadt Lauda“ vor der Bahnunterführung, eine „Geschichtsuhr“ zum 800-jährigen Ortsjubiläum in Unterbalbach und ein Holzfass am Unterschüpfer Ortseingang sind nur einige der Beispiele für Theobalds geschaffene öffentliche Fasskunstwerke in der Region.

Eng verbunden ist er seit Jahrzehnten mit der Becksteiner Winzern eG, mit der er unter anderem auf der „Grünen Woche“ in Berlin war und dort vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker besucht wurde. Außerdem schuf er zwei Fässer zum Jubiläum der Becksteiner Winzergenossenschaft 2019.

Überregional hat er bei zahlreichen Winzern unter anderem im Rheingau, in Südbaden, am Kaiserstuhl, am Bodensee, im Elsass, in der Pfalz und in Franken Fassböden geschnitzt wie etwa für das VdP-Weingut Rings in Freinsheim (Landkreis Bad Dürkheim) und für ein Jubiläumsfass der Divino Nordheim-Thüngersheim eG.

Bei Hardrock fliegen Späne

Auch in jüngerer Zeit ist er noch bei vielen Messen und Ausstellungen bundesweit wie etwa auf der CMT Stuttgart, dem Maimarkt in Mannheim, auf der Reise- und Freizeitmesse „f.re.e“ in München oder war auf der Bundesgartenschau in Heilbronn anzutreffen.

Im Gastronomiesektor hat Theobald im Laufe der Zeit über 400 Betriebe beraten und konzeptionell geplant. Jüngstes Projekt ist die Konzeption des Restaurants „Hacienda Mexicana“ in Wertheim.

Ebenfalls zu seinen Leidenschaften zählen die Hard-Rock-Musik und seine Musiksammlung, die mehrere Tausend Titel sowie einige hundert CDs und Schallplatten umfasst. „Bei filigranen Arbeiten wähle ich Rockballaden, die harten Titel kommen, wenn die Späne fliegen. Denn der Rhythmus eines Musikstücks macht sich im Klopfen bemerkbar, deshalb suche ich die Musik aus, die zur jeweiligen Arbeit passt“, hebt Heinz A. Theobald hervor.

Bisher neun Mal hat Theobald bei der „Wood-Rock-Weinprobe“ im Rathaussaal der Stadt Lauda-Königshofen mit Holzschnitzkunst präsentiert, sorgte aber auch als DJ und Moderator mit fetzigen Rock- und Popklassikern für heiße musikalische Stimmung.

Nachdem wie in den beiden vergangenen Jahren auch diesmal diese Veranstaltung zum Auftakt des Weinfestes ausfallen musste, baut Theobald ebenso wie die städtischen Organisatoren auf das zehnte „Jubiläums-Wood-Rock“ im kommenden Jahr. „Danach sehen wir weiter“, lässt er alle Möglichkeiten offen. Erstmalig gastierte Theobald in diesem Frühjahr in Würzburg im „Sternbäck“ und im Hofkeller mit seinem „Wood-Rock“-Konzept.

Umweltbewusstsein, Bodenständigkeit, Bescheidenheit und Nachhaltigkeit sind für ihn weit mehr als nur bloße Schlagworte, sondern werden von ihm gelebt. „Bei mir gibt es keine Maschinen. Meine Werke werden ausnahmslos per Hand mit entsprechenden Werkzeugen gefertigt“, beteuert Theobald. „Konzentration auf das wirklich Wichtige, denn oft ist weniger mehr“ sowie „Komplexe und neue Aufgaben halten fit“ sind ebenfalls wesentliche Lebensdevisen des 68-Jährigen.

Seit einiger Zeit wird Theobald von seinem Assistenten Sascha Bartmann aus Lauda und von Malgorzata „Gosia“ Drozd-Werel aus Heilbronn unterstützt. „Ich möchte mein Wissen weitergeben. Es wäre schön, wenn dieses Kunsthandwerk fortgesetzt würde“, hofft er mit Blick in die Zukunft.

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