Kreispflege- und Seniorenheim - Grüne informierten sich über ein Nachnutzungskonzept Was wird aus dem Kloster Gerlachsheim?

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Gerlachsheim. Wie wird das Kloster Gerlachsheim weiter genutzt werden, wenn das Seniorenheim ausgezogen und der Erbpachtvertrag des Landkreises ausgelaufen ist? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Kreistagsfraktion der Grünen und der grüne Landtagsabgeordnete Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr bei einer Besichtigung des Gebäudes. Die Kreisräte wollten dabei insbesondere das Nachnutzungskonzept kennenlernen, das der Initiativkreis Kloster Gerlachsheim ausgearbeitet und vorgeschlagen hat.

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Begrüßt wurden die Gäste von Eleonore Seubert vom Initiativkreis, der mit mehreren Mitgliedern an der Klosterbesichtigung teilnahm. Sie bedankte sich im Namen ihrer Gruppe für das Interesse der Grünen-Fraktion an ihrem Nachnutzungskonzept für das Barock-Kloster. Sie seien die ersten Kreisräte, die nach den Ideen des Initiativkreises fragten und um ein Gespräch gebeten haben.

Rainer Moritz, Vorsitzender der grünen Kreistagsfraktion, machte deutlich, dass eine Weiternutzung als Seniorenheim nicht mehr in Frage komme, weil hierfür zu hohe Investitionen erforderlich wären. Voraussichtlich Ende 2016 oder Anfang 2017 würden aber Flüchtlinge in das historische Gebäude einziehen. Das sei besser als die Aufstellung von Wohncontainern oder Zelten. Es handle sich jedoch nur um eine vorübergehende Nutzung, denn der Pachtvertrag des Landkreises mit dem Eigentümer Land laufe 2023 aus.

Für den Landtagsabgeordneten Schmidt-Eisenlohr wäre es zielführend, "wenn der Landkreis den Erbpachtvertrag verlängert". Vor Ort kenne man die Möglichkeiten und Bedürfnisse am besten. Daher würde sich von Seiten des Landes sicherlich niemand gegen eine gute Folgekonzeption wehren. An dieser Stelle kam das Nachnutzungskonzept des Initiativkreises ins Spiel, das von Armin Hambrecht und Martina Appel ausgearbeitet und vorgestellt wurde.

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Demnach ist der gewaltige Gewölbekeller des Klosters wegen der konstant niedrigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit bestens für ein Saatgutarchiv geeignet. Darin könnten alte Gemüse- und Getreidesorten archiviert und für die Zukunft erhalten werden. Denn, so Armin Hambrecht, "die industrialisierte Lebensmittelproduktion führt zu einer drastischen Einschränkung der Sortenvielfalt". In Italien würden zum Beispiel nur noch drei Getreidesorten verwendet.

Um Kosten zu sparen, werde billiges Klebereiweiß in zahlreichen Lebensmitteln verwendet, was zu Lebensmittelunverträglichkeiten führe. "In Baden-Württemberg gibt es noch kein Saatgutarchiv", stellte er fest, "in ganz Deutschland nur ein einziges". Dies sei jedoch sehr von Gentechnik-Firmen dominiert.

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Mit Unterstützung einer Gruppe von Landwirten könnten in dem Klosterkeller rund 2000 Saatgutproben eingelagert und in einer Datenbank dokumentiert werden. Die Proben müssen im Abstand von vier bis fünf Jahren auf einer Fläche von jeweils wenigen Quadratmetern wieder angebaut werden, um ihre Keimfähigkeit zu erhalten. Wolle man eine alte Sorte erneut nutzen, benötige man hierfür natürlich größere Flächen, um sie zu vermehren. Der Initiativkreis Kloster Gerlachsheim schlägt vor, eine Entwicklungsgesellschaft zu gründen, die sich um die Nutzung auch der Obergeschosse des Klosters Gerlachsheim kümmert. Ideen seien ein Gesundheitszentrum, das sich auf die Behandlung von Lebensmittelunverträglichkeiten spezialisiert.

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Man könne sich auch eine landwirtschaftliche Forschungseinrichtung oder ein Netzwerk für Food-Design vorstellen. Es könnte aus den alten Sorten neue Produkte entwickeln und zur Marktreife führen. Ebenso seien eine Meisterschule für Biolandbau oder eine Jugendherberge denkbar.

Die Kreisräte der Grünen und Schmidt-Eisenlohr bewerteten das Nutzungskonzept des Initiativkreises Kloster Gerlachsheim als sehr interessant. Es sollte weiter entwickelt und auf seine Realisierbarkeit geprüft werden. Schmidt-Eisenlohr sieht hierfür jedoch zunächst den Landkreis in der Pflicht. Er schloss sich den Aussagen des Landtagskollegen Dr. Reinhart an, der vom Landkreis ein Nachnutzungskonzept für das historische Gebäude gefordert habe. tt