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Jahrestag - Pfarrer, Dichter und Musiker Johann Martin Schleyer wurde am 18. Juli 1831 in Oberlauda geboren

Volapük als weltumspannende Sprache

Von 
Reinhard Haas
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Die Kunstsprache Volapük hat ihn bekannt gemacht: Johan Martin Schleyer. Am 18. Juli 1831 wurde er in Oberlauda geboren.

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Oberlauda. Er hätte mit seinem Grundgedanken und der Devise „Eine Welt, eine Sprache“, „Menad bal, pük bal“ in der von ihm geschaffenen künstlichen Weltsprache „Volapük“, durchaus einer der Gründerväter von UNO oder EU sein können, der Pfarrer und Lyriker Johann Martin Schleyer aus Oberlauda.

Johann Martin Schleyer gilt als der Erfinder der Weltsprache Volapük. Vor 190 Jahren wurde er in Oberlauda geboren. © Reinhard Haas

Johann Martin Schleyer wurde am 18. Juli 1831 im alten Schulhaus geboren. Seine Eltern waren Johann Philipp Schleyer (Hauptlehrer) und Elisabeth Schleyer. Bis zum elften Lebensjahr wurde er von seinem Vater in der Oberlaudaer Volksschule unterrichtet, danach soll ihn sein Onkel in Königheim auf das Lehrerseminar vorbereitet haben. Im Gymnasium in Tauberbischofsheim und Karlsruhe überspringt er sogar einige Schuljahre.

Keine Nationalsprache abschaffen

Volapük hat ihn letztendlich bekannt gemacht. Es lässt sich allerdings nicht mehr feststellen, was ihn dazu veranlasst hat – vielleicht der Wunsch den „Missständen, Gebrechen und Jämmerlichkeiten unserer Zeit“ abzuhelfen. Vielleicht wollte er auch „nur“ die vielen Nationalsprachen toppen, abschaffen wollte er diese übrigens nie.

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Auslöser könnte auch eine Begebenheit aus dem Jahr 1875 mit einem Nachbar in Krumbach gewesen sein, dessen Sohn nach Amerika ausgewandert war und von dem man lange nichts mehr gehört hatte. Schleyer fand schnell heraus, dass der Sohn die amerikanische Adresse lautgetreu, also nach Aussprache auf Deutsch, niedergeschrieben hatte. Er rekonstruierte sie in die eigentliche englische Schreibart und der Kontakt war wieder hergestellt.

Schleyer selbst vermerkt daraufhin, dass ihm dabei der Gedanke gekommen sei, wie schön es wäre, „wenn alle Erdenbewohner ein gemeinsames Alphabet, eine gemeinsame Rechtschreibung oder sogar eine allgemeine und überall verwendbare Sprache“ besitzen würden. Die Idee war geboren.

Er begann 1877 aus deutschen, englischen, französischen, italienischen, spanischen und russischen Begriffen eine gemischte Sprache zu konstruieren, der 1878 sein „Weltalphabet“ folgte. Ab 1879 entwickelte er die Grundlagen des Volapük und 1880 kam das erste Lehrbuch auf den Markt. Eine durchdachte Grammatik, ein einfacher Wortaufbau, politische Neutralität, so gut wie keine Unterschiede zwischen der Aussprache und dem geschriebenen Wort und wahrscheinlich auch ein wenig Reiz des Neuen förderten die Verbreitung dieser Plansprache zweifellos. Es wurden Vereine gegründet, Zeitungen ins Leben gerufen und ein Schrifttum geschaffen.

Der erste Volapük-Kongress fand 1884 in Friedrichshafen statt, auf dem zweiten 1887 in München kam es zur Gründung einer Volapük-Akademie. Kleine sprachliche Änderungen wurden durchgeführt, wobei Schleyer allerdings immer auf sein Urheber- und Vetorecht pochte. Dies führte fast schon automatisch zu Spannungen zwischen ihm und fortschrittlicheren Kräften. 1889 in Paris konnte er noch einmal Reformen abwehren, dennoch wurde 1891 mit der Bearbeitung des Wortschatzes begonnen. Schleyer lehnte alle Änderungen kategorisch ab, schuf eine Gegenakademie und leitete damit den Niedergang seines eigenen Werkes selbst ein.

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Er hatte nicht erkannt, dass eine Sprache kein starres Wesen hat und nicht patentiert werden kann, sie sich eigendynamisch weiterentwickelt, Kollektivbesitz ist und somit allen interessierten Sprechern gehört. Dazu kam noch, dass die zwar logische, aber nicht einfache Sprache keine Fremdwörter kannte oder bis zur Unkenntlichkeit verändert hatte, das aktive Sprechen als schwierig galt (auf den ersten beiden Kongressen wurde deutsch gesprochen) und dass inzwischen drei Varianten im Umlauf waren. Es blieb somit einfach vieles „schleyerhaft“.

Volapük kam aus der Mode, viele Anhänger wandten sich dem konkurrierenden Esperanto zu. Schleyer machte trotzdem weiter. Sein letztes Wörterbuch umfasste mehr als 100 000 Wörter, er ist dabei bis zum Buchstaben S gekommen. Insgesamt hat er neun (nach anderen Angaben zwölf) Sprachen gesprochen. Er veröffentlichte in 22 Sprachen Schriften, gab in 25 Sprachen Grammatik- und Wörterbücher heraus und soll sich mit 88 Sprachen beschäftigt haben.

Johann Martin Schleyer war auch ein begabter Musiker. Mit vier oder fünf Jahren wurde er bereits von seinem Vater ans Klavier gesetzt, mit acht spielte er in der Oberlaudaer Kirche zur samstäglichen Abendandacht die Orgel, obwohl er von der Größe her noch nicht die Pedaltöne treten konnte. Innerhalb kürzester Zeit lernt er mehr als ein Dutzend Instrumente (unter anderem Orgel, Harmonium, Cello, Gitarre, Harfe, Zither und Trompete). Dazu komponierte er noch, so stammt eine Reihe von Kirchenliedern aus seiner Feder. „So oft ich eine neue Sprache zu lernen anfing, begann ich wiederum ein neues Instrument zu spielen.“ Diese Äußerung von ihm selbst ist sicherlich nicht wörtlich zu nehmen, sagt aber viel über ihn aus. Die Musik hat ihn jedenfalls sein Leben lang begleitet.

Schleyer hat schon während seiner Gymnasialzeit in Tauberbischofsheim mit dem Dichten begonnen. Seine bekanntesten Werke waren Philaletes (1864), Die Liebe der hundert Gestalten (1873) und Eutychia (Der Stern des unentweihten Paradieses, 1874). Außerdem veröffentlichte er biblische Dramen, Psalmen, Epen und Sinngedichte, also überwiegend religiöse Erbauungsliteratur. Alles zusammen brachte ihm einen gewissen Bekanntheitsgrad ein und sicherte ihm einen Platz in der zeitgenössischen Literatur. Er gab drei Zeitschriften heraus: ab 1876 die Sionsharfe mit vor allem katholisch/kirchlicher Poesie, von 1881 bis 1884 „Goldkörner“ für katholische Prediger und Katecheten und ab 1881 sein „Weltspracheblatt“ als Bindeglied zwischen den Volapükisten.

Begabter Literat

Insgesamt produzierte er in diesen Jahren für seine Zeitschriften 1210 Seiten: Eine ungeheure Leistung und Fleißarbeit, wenn man bedenkt, dass der Löwenanteil des Inhalts von ihm selbst stammt. Dazu kamen noch die Allerweltsliteratur und Ratgeber für jedermann mit Titeln wie „Wie sind Kriege zu vermeiden?“, „50 Regeln von einem Vielgereisten“, „Drei Dutzend Mittel gegen den Husten“ oder „Zehn Gebote für Hausfrauen“.

Schleyer war als Priester und Religionslehrer aktiv. Nach dem Willen seines Vaters sollte er eigentlich Lehrer werden, seine Mutter dachte an eine Schneiderausbildung. Sein Onkel Franz Martin Schleyer (Königheim) setzte durch, dass er das Gymnasium in Tauberbischofsheim besuchte und die Schulzeit in Karlsruhe abschloss. Es folgten Studienjahre in Freiburg. Hier wurde er 1856 von Erzbischof Hermann von Vicari zum Priester geweiht. Seine pastoralen Lehr- und Wanderjahre führten ihn nach Sinzheim, Baden-Baden, Kronau, Wertheim und Meßkirch. 1867 wurde er Pfarrer in Krumbach und 1875 in Litzelstetten (bis zu seiner Pensionierung 1885). Den Lebensabend verbrachte er im benachbarten Konstanz.

In seiner Wertheimer Zeit hat er an 16 Schulen Religionsunterricht erteilt, gründete in den ihm anvertrauten Gemeinden kirchliche Vereine und Bruderschaften und hat in Baden-Baden in drei Spitälern als Pfarrer gearbeitet. 1894 wurde er zum päpstlichen Prälaten ernannt.

Stark von der christlichen Nächstenliebe geprägt, half er auf seinen Wanderungen manchen Mitmenschen mit seinem letzten Geld oder einem Vesper aus. Er verschaffte etlichen Studienkollegen Stipendien und hat auf der Universität und im Priesterseminar unentgeltliche Organistendienste geleistet. Bis kurz vor seinem Tod hat er noch kostenlos Unterrichtsstunden in Latein und Englisch gegeben.

Im persönlichen Umfeld schlichtete er oft Streitfälle, körperliche Gewalt war ihm zuwider. Es heißt über ihn, dass er in seiner Zeit in Litzelstetten keine Rute gebraucht habe – und damals gehörte die Prügelstrafe zum normalen Schulleben.

Seine liberale Einstellung und Toleranz galt allen Mitmenschen und allen Konfessionen. In Wertheim wurde er sogar zum bürgerlichen Standesbeamten und Standesbuchführer der ansässigen Juden gewählt. Dagegen zeigten ihn die Altkatholiken in seiner Krumbacher Zeit wegen seiner politischen Äußerungen über den Sozialismus an, mit dem Ergebnis einer viermonatigen Festungshaft.

Nach 1867 bricht die Verbindung nach Oberlauda fast ab. Er holt seine Eltern nach Krumbach, seine Schwester wohnt bereits dort bei ihm. Als 1884 sein Bruder Anton stirbt hat er kaum noch eine Veranlassung nach Oberlauda zu kommen. Allerdings verleiht er noch 1891 Stefan Oehmann, dem späteren Verfasser des Oberlaudaer Heimatbuches ein Volpük-Diplom und richtet 1897 eine Jahrgangsstiftung für seine verstorbenen Eltern ein.

Seit 1887 ist für ihn ein Denkmal im Gespräch, dazu ist es allerdings nie gekommen. Erst 2005 konnte dies der damalige Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Ludwig Hilpert vor dem ehemaligen Geburtshaus Schleyers realisieren. 2013 begannen die Planungen für den Volapük-Platz.

Freier Autor Freier Mitarbeiter seit etwa 40 Jahren, hauptsächlich für den örtlichen Bereich des Lauda-Königshöfer Stadtteils Oberlauda. Weiterhin als Berichtverfasser für die "Schule für Musik und Tanz im Mittleren Taubertal" (Musikschule Lauda mit den Mitgliedsgemeinden Lauda-Königshofen, Boxberg-Wölchingen und Grünsfeld). Im Bereich des Badischen Chorverbands bin ich für den Sängerbund Badisch-Franken (ca 80 Vereine, Altkreis Tauberbischofsheim, Randgebiete Hohenlohekreis, Neckar-Odenwaldkreis und Kreis Heilbronn) als Pressereferent tätig. Beiträge von mir wurden auch schon in den Verbandsorganen des BFV (Im Spiel) und DFB veröffentlicht und als Ergebnis davon erhielt der Fußballverein Oberlauda vom DFB/Sepp-Herberger-Stiftung im vergangenen Jahr den 3. Preis in der Rubrik "Fußball Digital".

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