Leserbrief - Zum Thema Lärmaktionsplanung für Lauda-Königshofen

Und das Murmeltier grüßt immer weiter

Von 
Leserbrief-Schreiber: Karlheinz Boger
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Der Gemeinderat bespricht und was kommt heraus? Ewig grüßt das Murmeltier, man könnte aber auch sagen: nichts als heiße Luft.

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Tatsächlich wie in einer Zeitschleife kommt man sich beim Thema Lärmaktionsplanung für Lauda-Königshofen vor.

Diese Planung ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Stadt. Sie kam nicht etwa selbstständig zustande, sondern musste 2016 fast erzwungen werden. Vor allem der damalige Bürgermeister, zusammen mit Stadtbaumeister und Verwaltung, hatte diese Vorgabe jahrelang einfach ignoriert. So konnte man dann die „schon“ Ende 2016 vorgestellten Zwischenergebnisse fast als ein kleines Wunder bezeichnen.

Die damaligen Vorschläge sind erstaunlicherweise immer noch zu 99 Prozent identisch mit dem, was nun fast fünf Jahre später erneut im Gemeinderat als Bericht zur Lärmaktionsplanung verkauft, bzw. besprochen wurde.

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Das Verkehrslärm krank machen kann, wird niemand ernsthaft bezweifeln. Je höher die Verkehrsdichte und je schneller die Geschwindigkeiten, desto intensiver die Belastungen für die Anwohner durch Lärm und Luftverunreinigungen wie Abgase und Feinstaub. Diese Tatsache hat nun knapp fünf Jahre weder Verwaltung noch Gemeinderat wirklich interessiert. In Gerlachsheim haben engagierte Bürger wenigstens für eine Teilstrecke der Ortsdurchfahrt eine Geschwindigkeitsbegrenzung erkämpft. In Königshofen und Unterbalbach, mit einer vielfach höheren Belastung, werden die Anwohner seit Jahren durch die eigene Verwaltung im Stich gelassen. Und dies, obwohl Tempo 30 nicht nur die billigste und schnellste sondern auch wirksamste Methode wäre, den Lärm zu reduzieren. Statt mit aller Macht für die Gesundheit der Bürger und die Verkehrssicherheit in beiden Ortsdurchfahrten zu kämpfen, werden gebetsmühlenartig immer wieder Argumente übergeordneter, weit vom Geschehen entfernter Verkehrsbehörden wiederholt.

Dem Gemeinderat scheint nichts anderes übrig zu bleiben, als sich über Jahre hinhalten zu lassen, um dann wieder einen Zwischenbericht zu besprechen. Flüsterasphalt, der seine Wirkung vor allem bei Geschwindigkeiten über 60 km/h entfaltetet, reduziert in engen Ortsdurchfahrten jedenfalls nicht nur keinen Lärm, sondern auch keine Luftverunreinigungen. Man sollte voraussetzen, dass sogar Stadtbaumeistern bekannt ist, dass unter 50 km/h das Motoren- und nicht das Abrollgeräusch dominiert.

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Von der Unwirksamkeit des Flüsterasphalts gegen das nervende Geräusch schnellfahrender Traktoren, Lastkraftwagen und Motorräder kann sich im südlichen Bereich der Königshöfer Ortsdurchfahrt jeder überzeugen. Bleibt uns Anwohnern also nur die Hoffnung auf die sogenannten kurzfristigen Maßnahmen, die derzeit laut Bürgermeister Dr. Braun vorbereitet werden. Wahrscheinlich weiß unser Bürgermeister nicht, was vor seiner Amtszeit in unserer Stadt unter „kurzfristig“ verstanden wurde. Keinem Anwohner an den beiden Ortsdurchfahrten ist jedenfalls damit geholfen, dass unser Gemeinderat wieder einmal einen Bericht einstimmig gebilligt hat. In Punkto Lärm-und und Umweltschutz hat sich nachweislich in den letzten Jahren in beiden Ortsdurchfahrten nichts, aber auch gar nichts getan. Die relativ unzuverlässig arbeitenden Geschwindigkeitsanzeigen sind jedenfalls nichts anderes als ein billiges Alibi für Untätigkeit. Verwaltung und Gemeinderat ignorieren, weshalb auch immer, seit Jahren die Gesundheitsgefährdung der Anwohner. Trotz der versprochenen, jedoch nie erfolgten intensiven Bürgerbeteiligung hat es ja in der Vergangenheit an Vorschlägen nicht gemangelt. Interessiert hat es niemanden.

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Nun verschwinden mögliche Umfahrungen Königshofens bzw. Unterbalbachs derzeit ja wieder im Nebel runder Tische, in Diskussionen über die Beseitigung von Bahnübergängen, Halbumfahrungen West, ganzheitlichen Verkehrslösungen und damit im Nirgendwo.

Somit bleiben Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen oder eben Geschwindigkeitsreduzierungen in beiden Ortsdurchfahrten leider die einzige, sofort wirksame Entlastung gegen den Lärm und für den Gesundheitsschutz der Anwohner.

Wer dies als Verantwortlicher nicht sieht und sich mit Halbheiten und billigen Scheinlösungen abspeisen lässt, nimmt die Gesundheitsgefährdung seiner Bürger billigend in Kauf. Flüsterasphalt gegen Tempo 30 auszuspielen ist aus Sicht der Anwohner jedenfalls lachhaft. Wahrscheinlich werden wir aber auch die nächsten fünf Jahre, bis zum nächsten Zwischenbericht, einfach mal wieder abwarten und diesen dann billigen.