Kindergartenbedarfsplanung - Gemeinderat nahm die Zahlen zu den Betreuungsmöglichkeiten zur Kenntnis / Kapazität nur noch im Waldkindergarten Trotz Erweiterung fehlen Plätze

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Diana Seufert
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Fehlende Kindergartenplätze für den Nachwuchs im Stadtgebiet bereiten Gemeinderat und Verwaltung Sorgen. Die Kindergartenbedarfsplanung wurde bei einer Gegenstimme angenommen. © dpa

Die Stadt Lauda-Königshofen braucht mehr Betreuungsplätze, wie aus dem Kindergartenbedarfsplan ersichtlich wurde.

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Lauda-Königshofen. Die Zahl der Kinder im Stadtgebiet von Lauda-Königshofen steigt. Im Schnitt gibt es rund 125 Neugeborene in den Ortsteilen. Doch die Kindergartenplätze reichen schon aktuell nicht aus, wie die Bedarfsplanung zeigt. Bei einer Gegenstimme wurde die Auflistung vom Gemeinderat abgesegnet.

Was Sabine Baumeister von der Verwaltung dem Gemeinderat zu präsentieren hatte, war nicht nur erfreulich. Zwar ist es für eine Kommune wunderbar, wenn die Bevölkerung zunimmt, doch zieht das auch entsprechende Infrastruktur und Kosten nach sich. In Sachen Kindergärten müssen daher weitere Plätze geschaffen werden. Denn im laufenden Kindergartenjahr konnte man fünf Kinder ab drei Jahren nicht aufnehmen – trotz Überbelegung der Einrichtung in Gerlachsheim. Und fürs nächste Jahr gab es auch schon vier Absagen. Diese Zahl werde sich noch erhöhen, weiß die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung aus Erfahrung. Kurzfristige Betreuungsangebote, etwa durch Zuzug, könnten voraussichtlich nicht erfüllt werden.

Im Kindergarten Gerlachsheim fehlen für das kommende Kindergartenjahr 15 Plätze. Die neue Gruppe für 25 Kinder kann Abhilfe schaffen. Sie soll im September beginnen. Doch die nötige Erweiterung lässt noch auf sich warten. Man wolle das Gespräch mit der katholischen Kirche als Träger suchen, damit die baulichen Maßnahmen schnell umgesetzt werden.

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Im Herbst ist auch der Spatenstich für den Erweiterungsbau des evangelischen Kindergartens „Unter’m Regenbogen“ in Lauda geplant. Dafür sind Mittel aus dem Ausgleichsstock beantragt. Mit der Fertigstellung stehen weitere 22 Kita-Plätze zur Verfügung.

In der Betreuung der unter Dreijährigen stehen sieben Krippengruppen mit je zehn Plätzen zur Verfügung sowie weitere elf Plätze in Altersmischgruppen. Zudem soll in Lauda eine weitere Krippengruppe entstehen.

Weitere Investitionen

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Neben den bisherigen Investitionen plant die Stadt die Weiterführung der Sprachförderung mit 7200 Euro, die Kostenübernahme einer halben FSJ-Stelle in Königshofen mit 4000 Euro sowie die Schaffung von zwei Plätzen für Vorpraktikanten für 6000 Euro jährlich. Denn in den nächsten Jahren gingen einige Erzieherinnen in den Ruhestand, so Baumeister. Die Ausweitung der verlängerten Öffnungszeiten in Oberlauda schlägt mit 18 000 Euro zu Buche, die für ein Jahr befristete Umwandlung einer Gruppe mit Ganztagsbetreuung in Unterbalbach mit weiteren 30 000 Euro. Zusätzlich rechnet man mit 150 000 Euro für den Kindergarten in Gerlachsheim und die nötigen Fachkräfte wegen der Überbelegung.

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Kapazitäten gibt es im Waldkindergarten, der im letzten September an den Start ging. Sieben Kinder gehen derzeit in diese Einrichtung, 20 könnten es werden. Doch an den Öffnungszeiten entzündete sich die Diskussion, auch wenn Baumeister eine Lanze für die Einrichtung brach. Denn vielen berufstätigen Eltern sei mit einer Halbstagsgruppe nicht geholfen, hieß es aus dem Gemeinderat. Vor allem Reinhard Vollmer (Freie Bürgerliste) war unzufrieden mit der Kindergartenbedarfsplanung. Derzeit seien 15 Plätze auf dem Papier noch frei, aber die Realität sehe anders aus. Und er legte den Finger in eine andere Wunde: Vor zwei Jahren habe man einen Kita- Neubau in Königshofen geplant und verabschiedet. Nun monierte er, dass dieses Projekt nicht vorankommt. Der Kindergarten dürfe nicht verzögert werden oder gar auf die Streichliste. Deshalb lehnte er die Bedarfsplanung ab.

Höchste Priorität

Ähnliche Bauchschmerzen hat auch Philipp Hahn (CDU) mit Blick auf die Becksteiner Kinder, die derzeit die Einrichtung in Königshofen besuchen. Wichtig fand CDU-Fraktionsvorsitzender Marco Hess, dass man zusammen mit den Kirchengemeinden ein tragfähiges Konzept bei der Kinderbetreuung findet.

Siegfried Neumann, Fraktionsvorsitzender von SPD/FB, warnte davor, die einzelnen Standorte und Einrichtungen zur Betreuung gegeneinander auszuspielen. „Alle haben höchste Priorität.“ Stattdessen sollte man mit den Trägerverein des Waldkindergartens reden, um andere Öffnungszeiten zu erwirken, wie auch andere Räte anmerkten.

Den Kindergarten in Königshofen habe man in der Verwaltung im Blick. „Dass dies eine hohe Dringlichkeit hat, ist uns allen bewusst“, besänftige Bürgermeister Lukas Braun. Und es wurde betont, dass man trotz zwei Baumaßnahmen von Kindergärten nach Lösungen suche. Einen praktischen Vorschlag warf Dorothee Walter (CDU) ein: Der leerstehende Kindergarten in Messelhausen könnte reaktiviert werden. Doch der wurde geschlossen, so Baumeister, weil die Eltern die Öffnungszeiten in größeren Einrichtungen vorziehen.

Inklusives Projekt

Die Kooperation zwischen dem Kindergarten St. Georg in Oberbalbach mit der Inklusiven Kindertagesstätte „Villa Fröhlich“ stellten die Leiterin Jutta Retzbach und ihre Kollegin Matthes dem Gemeinderat vor. Dabei spielen und lernen Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen voneinander. Seit September 2018 wird diese Zusammenarbeit in der eingruppigen Einrichtung umgesetzt. „Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit“, so Retzbach. Bis zu 22 Kinder im Alter von zwei und sechs Jahren können den Kindergarten besuchen, dazu kommen weitere sieben Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die „Villa Fröhlich“ gehört zur Andreas-Fröhlich-Schule in Krautheim als sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum.

Wie sehr die beiden Einrichtungen unter einem Dach miteinander verwoben sind, machten die zwei Frauen deutlich. Vom gemeinsamen Spielen über verschiedene Aktivitäten bis zum Feiern von Geburtstagen werde viel unternommen. Ausgrenzung und Diskriminierung würden so verhindert werden, das gegenseitige Verständnis gefördert, sind die Fachfrauen überzeugt. „Wir denken, dass diese Zusammenarbeit ausbaufähig ist“, unterstrich Jutta Retzbach.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz