Kommunalpolitik - CDU im Gemeinderat macht sich für einen Hochzeitswald bei Heckfeld stark Symbol für neuen Lebensabschnitt

Von 
Diana Seufert
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Noch ist das Gras von Schnee bedeckt. Im Gewann „Holzwiesen“ bei Heckfeld könnte eine städtische Streuobstwiese bald zum Hochzeitswald „umgewandelt“ werden. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Marco Hess (links), und sein Fraktionskollege Ulrich Stier finden den Standort ideal. © Diana Seufert

Ein Wald für Frischvermählte und junge Eltern: In Lauda-Königshofen könnte bald ein Hochzeitswald ins Leben gerufen werden.

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Lauda-Königshofen. Es soll eine bleibende Erinnerung an ein ganz besonderes Ereignis sein: Mit dem Hochzeitswald auf einer Streuobstwiese bei Heckfeld wollen die Mitglieder der CDU-Fraktion im Gemeinderat eine Tradition begründen. Noch ist der Antrag im Gremium nur vorbesprochen worden, wie Fraktionsvorsitzender Marco Hess erklärt. Im März könnte das Thema dann auf der Tagesordnung stehen.

„In vielen anderen Kommune gibt es bereits einen Hochzeitswald“, betont Hess. Warum die Eisenbahnerstadt diese Tradition noch nicht kennt, weiß er auch nicht. Die Idee dahinter, mit dem Baum einen neuen Lebensabschnitt zu symbolisieren, reizt nicht nur ihn. „Deshalb hat unsere Fraktion den Antrag gestellt“, erklärt Ulrich Stier. Der Leiter des Forstreviers von Lauda-Königshofen ist ebenfalls Mitglied im Gemeinderat. Die Geste, um Familien zusammen zu bringen, sei ein Gemeinschaftsprojekt für die Stadt, unabhängig von Fraktionen oder Antragsstellern, betont er deshalb.

Baum pflanzen vor Heirat

In Norddeutschland mussten junge Männer bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Bäume pflanzen, bevor sie mit der Erlaubnis zur Heirat ihrer Angebeteten rechnen durften. Ganz so streng will man es in Lauda-Königshofen nicht halten. „Das gemeinsame Pflanzen soll ein Event werden für frisch vermählte Paare oder auch für Eltern, die gerade ein Kind bekommen haben“, stellen sich die beiden CDU-Politiker vor. Immer wenn die Paare wollen, können sie ihren Baum besuchen und sich an diese wichtigen Tage erinnern. „Oder die Eltern können ihrem Kind sagen: ,Den Baum haben wir zu deiner Geburt gepflanzt’.“

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Stier und Hess sehen noch einen anderen Effekt: „Die Bäume sind wertvoll für die Natur.“ Gerade im Zuge der Klimadiskussion könnten sie einen sinnvollen Beitrag leisten – auch wenn nur auf kleinen Flächen einzelne Stämme gesetzt werden. „Jeder fängt mal klein an“, sagt der Forstexperte. Neben heimischen Laubbaumarten sollen sich die Bewerber für die Pflanzaktion auch für Streuobstbäume oder auch Nußbäume entscheiden können, wünscht er sich. „Nußbäume sind klimastabil und eher selten“, erklärt der Förster.

Er hält die städtischen Wiesen am Waldrand bei Heckfeld für ideal. Auf rund 1,3 Hektar im Gewann „Holzwiesen“ und rund einem halben Hektar Fläche im benachbarten Gewann „Hohenhölzle“ könnte der Hochzeitswald auf den bestehenden Streuobstwiesen wachsen und gedeihen. Ein anderes Areal zwischen Heckfeld und Beckstein, das nicht so einfach zugänglich gewesen wäre, wurde bei einer ersten Überlegung schnell verworfen. Denn 2019 wurde schon einmal über den Hochzeitswald nachgedacht.

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Einmal jährlich ein großes Event, um unter fachmännischer Anleitung einen Baum zu pflanzen: Bei etwa 150 Eheschließungen im Jahr auf dem Standesamt der Stadt, gehen die beiden davon aus, dass rund die Hälfte der Paare sich an der Aktion beteiligen wird.

„Aufwand überschaubar“

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Die CDU-Mitglieder wissen, dass man in Lauda-Königshofen eigentlich sparen muss. Sie rechnen vor, dass die Stadt zwischen 500 und 1000 Euro für die Umsetzung berappen müsste. Denn die Idee ist: Die Kommune stellt die Bäume. Gleichzeitig wolle man sich auf die Suche nach Sponsoren machen. „Damit wäre der finanzielle Rahmen für die Stadt überschaubar.“ Geprüft werden müsste auch, ob sich die Stadt die Neupflanzungen auf das Ökokonto anrechnen lassen könnte.

Rasch wachsende Stämme

Die Pflege ihrer Bäume dürften die Familien gerne übernehmen, wenn sie es wollen. Stier kann sich auch vorstellen, Experten mit Wissen rund ums Streuobst mit ins Boot zu holen.

Eines ist aber nicht nur den Kommunalpolitikern wichtig: Die Bäume sollen rasch waschen und gedeihen. Deshalb sollen sie genügend Platz auf den Wiesen haben und nicht in Reih und Glied wie etwa bei Pflanzaktionen im Wald sitzen. „Wir nehmen Baumarten, die eine Chance haben, einer sommerlicher Trockenheit zu trotzen“, sagt Revierleiter Ulrich Stier. Denn ein Baumstamm, der wegen Wassermangels eingeht, könnte doch rasch als schlechtes Omen für eine Ehe gedeutet werden. Und das möchte man bei der Kommune auf alle Fälle vermeiden.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz