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Leserbrief - Zur Zukunft des ehemaligen „Südfleisch“-Areals

Strumpfkappenhäuser Schildbürgerstreich

Von 
Prisca Hehn
Lesedauer: 

Vor einigen Tagen wurde seitens der Stadt Lauda-Königshofen das Verwaltungsgerichtsurteil zum ehemaligen „Südfleisch“-Areal ins Netz gestellt. Das Studium des 30-seitigen Dokuments zeigt einen unglaublichen Ablauf des Geschehens.

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1. Auf Seite 26 ist zu lesen, die Stadt habe 2012 gegenüber Förster Fleisch zunächst erklärt, dass sie „die Grundstücke ebenfalls gerne kaufen wolle, aber kein Geld da sei, um den geforderten Kaufpreis zu zahlen“. Diese Information durfte als Absage eines Kaufinteresses verstanden werden.

2. Seite 26 belegt, dass der Bürgermeister „in seinem Schreiben vom 2. Juli 2012 ausgeführt hat, dass drei Metzgereien den Bedarf auf der Gemarkung… nicht decken…. , sondern dass eine vierte Metzgerei in Konkurrenz zu den Supermärkten noch einen rentablen Marktanteil erwerben könne“. Das durfte als Kaufanreiz gewertet werden.

3. Auf Seite 23 steht zu lesen, dass im Juli 2012 bereits Gespräche hinsichtlich der der Übernahme des ehemaligen „Südfleisch“-Geländes durch Förster Fleisch stattfanden, dabei wurde auf die notwendige Russlandzertifikation hingewiesen, wie eine Aktennotiz beweist.

Am 30. August 2012 kaufte die Firma Förster Fleisch das Anwesen. Zwei Monate später übte die Stadt ihr Vorkaufsrecht aus.

Denn die hier angeführten Fakten wurden durch einen formaljuristischen Geniestreich ins Gegenteil verkehrt.

1. Aus der Tatsache, dass die Stadt wegen Geldmangel das Gelände nicht kaufen konnte, wurde gefolgert, dass sie aber trotzdem kaufen wollte und somit das Vorkaufsrecht ausüben kann.

2. Der schriftlich dokumentierte Vorteil einer weiteren Metzgerei fällt ganz unter den Tisch und darf nicht als Versorgungsengpass verstanden werden.

3. Die zwar aktenkundig notwendige Russland-Zertifikation wurde im Urteil übergangen, weil sie im späteren Schriftwechsel nicht weiter ausgeführt und als Argumentation herangezogen wurde. Heute weiß jeder Geschäftsmann, wie wichtig und unumgänglich Zertifikationen sind.

Diese Vorgehensweise ist nicht nachvollziehbar, denn offensichtlich hat die Stadt noch im Juli und August 2012 den Verkauf des „Südfleisch“-Geländes an die Firma Förster gewünscht, wie damals im Hinblick auf die Erhaltung der Arbeitsplätze aus der Presse zu entnehmen war! Es geht und ging nie um nur acht Arbeitsplätze, wie man anhand des Urteils leicht nachlesen kann. Die Stadt hat laut Seite 22 „plausibel dargelegt, dass allenfalls acht, wahrscheinlich aber nur drei Arbeitsplätze verloren gehen“. Formaljuristisch ist diese Aussage korrekt, weil zum Zeitpunkt des Kaufvertrags die meisten Arbeitnehmer wegen der Schließung von „Südfleisch“ bereits arbeitslos geworden waren. Dass sie aber nach dem Kauf zum Teil wieder eingestellt wurden, wird nicht erwähnt!

Was hat die Stadt bewogen, ihre Meinung innerhalb der nächsten beiden Monate nach dem Kauf zu ändern? War es das schriftliche Angebot eines Grundstücktauschs im gleichen Gebiet, das dem Gemeinderat und dem Verwaltungsgerichtshof nicht vorlag? Wurde die Firma Förster nur als Lückenbüßer benutzt, um einen finanziellen Engpass zu überbrücken? Werden Arbeitnehmer zum Spielball der Kommunalpolitik?

Wie in der FN vom 17. März 2012 auf der Seite 25 nachzulesen ist, hat Förster Fleisch wiederholt Gespräche angeboten, um eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt zu erreichen.

Warum nutzt die Stadt nicht die aufgrund des Urteils starke Verhandlungsposition, um das ehemalige Ziegler Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite günstig zu erwerben und das ehemalige Südfleisch Gebäude auf Kosten der Firma Förster Fleisch in ihrem Sinne gestalten zu lassen, statt dieses Gebäude für 1,6 Mio zu kaufen und weitere Hunderttausende für den Abriss auszugeben?

Es bleibt zu wünschen, dass sich die Stadtväter und der Bürgermeister ihres Eides, stets zum Wohle der Stadt zu handeln, erinnern.

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