Franken-, Tauber- und Maintalbahn - Stellungnahme des Kreisverbands des Verkehrsclubs Deutschland zur Erklärung der DB Status Quo im Fahrplan ist unzeitgemäß

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Mit dem Fahrplan der Deutschen Bahn ist der Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland nicht zufrieden. © dpa

Der Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland ist nimmt zu einer Erklärung der Deutschen Bahn Stellung.

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Main-Tauber-Kreis. Immer wieder ist es in jüngerer Zeit zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen gekommen. Landrat Reinhard Frank hatte sich deshalb an die Deutsche Bahn (DB) in Berlin gewandt und die kritischen Themen angesprochen (wir berichteten ausführlich).

Maßnahmen angekündigt

Im Antwortschreiben des DB-Konzernbevollmächtigten für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz, wurden vielversprechende Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung des Bahnangebotes angekündigt. Sie sollen die Franken-, Tauber- und Maintalbahn fit für die Zukunft machen. Nun schaltet sich auch der Kreisverband Main-Tauber im Verkehrsclub Deutschland (VCD) in die Diskussion ein.

Nicht mehr umstiegsfrei

„Seit Jahren muss unsere unzureichende Schieneninfrastruktur als so ziemlich alleinige Erklärung für die Angebotsdefizite und Unzuverlässigkeiten im Bahnverkehr herhalten. Das trifft schon allein deshalb nicht zu, da zum letzten Fahrplanwechsel im Dezember 2019 nicht nur die zweistündlichen Direktverbindungen Bad Mergentheim – Lauda – Würzburg mit Regionalbahnen (RB) nicht mehr umsteigefrei sind, sondern an Wochenenden und Feiertagen auch der direkte RB-Anschlussverkehr Lauda – Bad Mergentheim komplett gestrichen wurde“, erklärt Vorstandsmitglied Oliver Roßmüller.

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Damit habe die Regionalbahnverbindung auf dem Abschnitt Würzburg – Lauda deutlich an Attraktivität verloren, denn die Weiterfahrt nach Bad Mergentheim sei mit einer über 20-minütigen Wartezeit auf andere Züge der Tauberbahn verbunden.

„Wir erinnern uns: es ist dies eben die Frankenbahn-RB, bei der zur Fortschreibung des Angebots über Lauda hinaus nach Osterburken mindestens 500 Reisende pro Tag durchschnittlich gezählt werden müssen und unsere beiden benachbarten Kreise tragen einen nicht unerheblichen finanziellen Anteil daran. Das Land hat somit allein durch Ausgestaltung des Fahrplans, bei unveränderter Infrastruktur, den verkehrlichen Nutzen willkürlich und ohne Not geschmälert.“

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Der fehlende Zulaufverkehr an Werktagen von/nach Lauda auf den Regionalbahntakt über die nördliche Tauberbahn verstärke diesen Effekt noch. Weder ein zusätzliches Kreuzungsgleis in Bestenheid im eingleisigen Netz der Westfrankenbahn noch die Aufhebung der Eingleisigkeit auf der Frankenbahn bei Möckmühl würden hier Abhilfe verschaffen, wie dies die Antwort des DB-Konzernbevollmächtigten für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz, vermuten ließ.

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Mit Verweis auf Unzulänglichkeiten im Netz und auf die langen Planungs- und Realisierungszeiten werde weiterhin ein praktikabler Fahrplan auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben. Und es sei auch die Region zwischen Neckar, Main und Tauber, in der über 50 Prozent der Verbindungen an Werktagen gestrichen würden, während auf anderen Strecken im Land weiterhin im Stundentakt gefahren werde.

„Dass die Corona-Pandemie eine Ausdünnung des Angebots aus nachvollziehbaren Gründen erforderlich macht (. . . ) keinen Zweifel, aber es ist auffällig, wie häufig und überproportional der Rotstift bei uns angesetzt wird. Als ob das nicht genug wäre, haben sich Baden-Württemberg und Bayern nicht mal auf den Erhalt der Durchbindung des Main-Tauber-Expresses (Crailsheim – Wertheim – Aschaffenburg) im Corona-Sonderfahrplan verständigen können“, ergänzt Oliver Roßmüller. Alle Züge enden derzeit in Wertheim, was ebenfalls keine Konsequenz einer möglichen Unzulänglichkeit der Infrastruktur sei.

Appell

„Nicht falsch verstehen: In die Infrastruktur muss investiert werden, um zuverlässige und flexible Fahrpläne und Barrierefreiheit zu ermöglichen. Der Status Quo im Fahrplan ist aber kein alleiniges Resultat der Bestandsinfrastruktur. Dies darf als ein Appell an unsere Kreis- beziehungsweise Gemeindeverwaltungen und Mandatsträger verstanden werden, sich nicht länger von Lippenbekenntnissen hinhalten zu lassen, sondern mit eigener Expertise ein bestmögliches Angebot jetzt einzufordern, welches sich an vielfältige Mobilitätsansprüche orientiert“, so Roßmüller abschließend.