Streuobst - Experten des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums aus Karlsruhe untersuchen Schwarzen Rindenbrand bei Königshofen Rindenproben für Grundlagenforschung

Von 
Diana Seufert
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Grundlagenforschung über die Pilzkrankheit des Schwarzen Rindenbrands betreiben Julia Zugschwerdt und Dr. Jan Hinrichs-Berger vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe im Taubertal. Auf der Streuobstwiese von Hermann Popp nahmen sie zusammen mit Streuobstexperte Christian Schulz Proben der über 60 Bäume. © Diana Seufert

Der Schwarze Rindenbrand auf der Streuobstwiese von Hermann Popp wird wissenschaftlich untersucht. Dazu wurden nun Proben genommen.

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Königshofen. Es ist kalt an diesem Novembermorgen. Die Äpfel auf der Streuobstwiese sind weitgehend geerntet. Doch Besitzer Hermann Popp und seine Besucher, Dr. Jan Hinrichs-Berger und Julia Zugschwerdt vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe sowie Streuobstexperte Christian Schulz interessieren sich weniger für den Behang der Bäume als vielmehr für den Zustand der Rinde. Ihr Tun wird von einer Elster neugierig beobachtet, die dicht über den Köpfen auf dem Ast landet.

Mit einem scharfen Messer schneidet Dr. Jan Hinrichs-Berger ein Stück der Rinde des Salemer Klosterapfels ab und lässt es in eine Plastiktüte gleiten. Feinsäuberlich wird alles danach beschriftet, damit man die Probe anschließend dem richtigen Baum zuordnen kann. Hinrichs-Berger ist beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe im Arbeitsbereich Mykologie für die Erforschung des Schwarzen Rindenbrands verantwortlich.

Forschungsobjekte

Die Pilzkrankheit hat auf der Streuobstwiese von Popp bereits mehrere Bäume befallen (wir berichteten). Deshalb ist der Königshöfer froh über dieses Forschungsprojekt. Nachdem man bereits im Januar vor Ort im Taubertal war, um entsprechende Proben zu nehmen, machen sich Hinrichs-Berger und Julia Zugschwerdt, die eine dreijährige Stelle in dem Forschungsprojekt innehat, nun erneut daran, Daten für die Grundlagenforschung zusammenzutragen.

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Wie kommt es zum Schwarzen Rindenbrand? Heiße, trockene Sommer sind ein Auslöser für den Pilz Diplodia mutila, sich in einem Baum auszubreiten. Eine schwarze oder dunkle Verfärbung weist auf den Beginn der Krankheit hin. Zunächst sieht die Rinde leicht eingefallen aus. Oft befinden sich auch Verletzungen oder Risse im nahen Umfeld des Befalls. Es folgt die Bildung von Warzen, die schließlich aufspringen und die runden schwarzen Fruchtkörper des Pilzes sichtbar werden lassen. Wenn sich die Borke gelöst hat, liegt dort das Holz komplett frei.

Seit zwei Jahrzehnten kämpfen die Streuobstbauern mit dem Schwarzen Rindenbrand. Mittlerweile ist auch der Bio-Obstbau davon betroffen. Deshalb wurde in Karlsruhe nun eine Forschungsgruppe eingerichtet, die sich mit dem Pilz befasst. Weil das nördliche Baden-Württemberg zwischen Jagst und Tauber zu den besonders trockenen Regionen zählt, geraten vor allem die Streuobstbäume hier in den Blick der Forscher.

Robuste Bäume ermitteln

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Neben den Proben ist Dr. Jan Hinrichs-Berger und Julia Zugschwerdt auch die Bewertung der Bäume eine wichtige Hilfe. „Unterschiedliche Sorten reagieren unterschiedlich auf Trockenheit und Untergrund“, so der Projektleiter. „Daher versuchen wir mit dieser Grundlagenarbeit, die widerstandsfähigen und robusten Bäume zu ermitteln.“ Die Bewertung erfolgt nach dem Prinzip von Schulnoten: zwischen 1 (ohne Schadbild und Risse) bis 6 (massiver Schaden) reicht dabei die Skala der Benotung. In diese Schadbilder werden auch Popps Bäume eingeordnet.

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Jeder einzelne der mehr als 60 Obstbäume von Popp wird in Augenschein genommen. Mit dabei ist auch Streuobstexperte Christian Schulz. „Wir wissen ja nicht, welche der Bäume in fünf Jahren davon noch hier stehen“, fügt er an, dass es derzeit noch zu wenige Informationen über die komplexe Krankheit gibt. Ist ein Stamm befallen, könne das für ihr existenzbedrohend sein.

Ziel der Experten ist es, eine möglichst große Datenmenge zusammenzutragen, um über Standort und Sorte Rückschlusse über die Anfälligkeit für den Pilz zu erhalten. Dazu sind die Forscher nicht nur im Taubertal unterwegs. Und sie ermuntern Obstbaumbesitzer, ihre Bestände genauer unter die Lupe zu nehmen. „Wer einen befallenen Baum hat, kann uns eine Probe schicken“, sagt Julia Zugschwerdt. Voraussetzung sollte aber sein, dass auf dem Grundstück rund 20 Bäume stehen, von denen mindestens einer befallen ist, ergänzt Hinrichs-Berger. Und es sollte der Sortenname bekannt sein.

Das Diplodia-Projekt des LTZ ist im Oktober gestartet und wird drei Jahre lang den Schwarzen Rindenbrand untersuchen. Dazu werden auch Kontakte nach Hessen und Rheinland-Pfalz gepflegt. Weil Obstbäume in der Regel mehr als 80 Jahre stehen, will man so Aussagen über sinnvolle Neupflanzungen machen, aber auch für den Bestand Hilfestellungen geben. „Wir wollen Bäume mit Zukunftschancen haben“, betonen die Experten. Die Vier sind sich nicht sicher, ob der Apfelbaum der Sorte Mutsu neben dem Klosterapfel Zukunft hat. Er weist auf über einem Meter am Stamm Befall und offene Stellen auf – auch wenn sich der Baum durch Überwalmung der Schadbilder immer wieder versucht zu heilen. Auch hier nehmen die Karlsruher Forscher eine Probe und hoffen, dass der Baum den Kampf gegen den Schwarzen Rindenbrand gewinnt.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz