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Hier hat der Leser das Wort - Zur Bodenaufbringung im Weinberg am Herrenberg

Prost „Gerlachsheimer Pfützenäcker“

Von 
Josef Seubert
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Wenn der Begriff „Pfützenäcker“ fiel, hörte ihn die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Abfallaufbereitungsanlage, die nun nach über fünf Jahren heftigen Widerstandes der Bevölkerung von der Firma Konrad Bau im Gerlachsheimer Gewann „Pfützenäcker“ gegen jede Vernunft errichtet wird.

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Bald wird der Name „Pfützenäcker“ einen neuen Klang bekommen. Denn, weil der fruchtbare Boden dort auf dem Gelände, wenn es nun bald zubetoniert und asphaltiert sein wird, nicht mehr gebraucht wurde, hat das Umweltamt im Landratsamt dem Antrag eines örtlichen Winzers auf „Bodenverbesserung“ (diese Bezeichnung kennen wir doch irgendwoher) am Herrenberg stattgegeben. Seit zwei Jahren schon waren zu tausenden Tonnen alle möglichen Bodenausbaggerungen auf ein rund. drei Hektar großes Weinbergsgelände auf dem Herrenberg gefahren worden.

Nach Angaben des Landratsamtes liegen nur für ein paar der größere Chargen Bodenuntersuchungen vor. Zu diesen Unmengen an Material hinzu kamen dann noch einmal die mehreren tausend Tonnen Abraum vom Bauplatz für die Abfallaufbereitungsanlage in den „Pfützenäckern“.

Damit der Weinberg technisch auch gut bearbeitet werden kann, wurde eine große Fläche zusammengelegt. Dafür hat man mit behördlicher Genehmigung des Umweltamtes und mit Zustimmung des Gemeinderates von Lauda-Königshofen einen ökologisch wertvollen Weg geopfert und mehrere Hecken. Ausgleichsmaßnahmen sollen (wann?) erfolgen.

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Außerdem wurden auf dem ökologisch wohl noch wertvolleren Feldweg am unteren Rand des Aufschüttungsgebietes, der zudem ein ausgewiesenes Biotop begrenzt, zur leichteren industriellen Bewirtschaftung des Weinbergs nun bis zu zweieinhalb Meter Schotter aufgetragen. Ob die Anlieger um Erlaubnis gefragt wurden und ob sie damit einverstanden waren, ist derzeit strittig. Die Stadtverwaltung hat die Wegerhöhung genehmigt. So schreibt es jedenfalls das Landratsamt, das im Übrigen auf jegliche Prüfung der naturschutzrechtlichen Voraussetzungen für eine solche Aufschotterung verzichtet hat. Bei der Stadt liegt für die Maßnahme weder ein schriftlicher Antrag vor, noch ist die angebliche Genehmigung schriftlich fixiert, wie ich bei meiner Akteneinsicht im Rathaus feststellen konnte.

Sieht das nicht fast ein bisschen nach Gefälligkeit und Willkür aus zugunsten eines Winzers und voll und ganz zum Schaden der Natur?

Und ob zur Umweltzerstörung nicht am Ende durch ein Starkregenereignis die ganze schöne Pfützenäckererde wieder in Richtung dahin gelangt, woher sie hergeholt wurde, ist auch noch offen. Kürzlich gab es heftige Starkregen-Überschwemmungen in Grünsfeld und Kützbrunn. Auch in Gerlachsheim gingen heftige Regengüsse nieder. Das Schlimmste ist da aber noch einmal ausgeblieben.

Im Frühjahr ist das Gelände neu mit jungen Reben bepflanzt worden. Bis diese durch die aufgeschüttete Erde hindurch im gewachsenen Muschelkalkboden greifen und die dicke Aufschüttung befestigen können, werden Jahre vergehen.

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Dieser Muschelkalkboden, mit dem die Winzergenossenschaft Beckstein wirbt („mineralreichen Muschelkalkböden, die den Weinen ihren einzigartigen Charakter verleihen“) ist durch die Aufschüttung nun außerdem total verfälscht worden. Wenn wider Erwarten doch alles „gutgehen“ und der „Pfützenäcker“-Boden im Weinberg liegenbleiben sollte, werden die Kunden der Winzergenossenschaft Beckstein in wenigen Jahren noch mehr Wein trinken können. Nur, ob es noch der alte „Gerlachsheimer Herrenberg“ sein wird, den die Prämonstratenser-Mönche und die berühmte Weinhändlerfamilie Buchler schon vor Jahrhunderten weit über unsere Region hinaus berühmt gemacht haben?

Prost „Gerlachsheimer Pfützenäcker“!

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