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Pferd falsch aufgezäumt

Von 
Klaus T. Mende
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Das 9-Euro-Ticket erfreut sich großer Beliebtheit. Es ist Teil jenes Entlastungspakets, das die Berliner Ampel-Koalition geschnürt hat, um den Bürgern zumindest einen Teil jener Kosten zurückzuerstatten, die ihnen durch den deutlichen Anstieg der Energiepreise in letzter Zeit aufgebrummt wurden und werden.

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Für manch einen Zeitgenossen mag es durchaus reizvoll sein, drei Monate lang in ganz Deutschland Busse, U-Bahnen und Regionalzüge nutzen zu können – für einen Spottpreis. Was mir hierbei jedoch fehlt, ist der Blick über den Tellerrand hinaus. Denn für mich ist diese Maßnahme ein Schnellschuss, der nicht ins Schwarze trifft.

Ich befürchte nämlich ab Ende August, wenn die dreimonatige Phase des 9-Euro-Tickets abgeschlossen ist, den Weg in die Sackgasse. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses zeitlich befristete Angebot deutlich mehr Bürger dazu bewegt, dauerhaft auf den Öffentlichen Personen-Nahverkehr umzusteigen. Das ist ja eigentlich das schlussendliche Ziel der Verantwortlichen.

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Verlängerung des 9-Euro-Tickets vorerst nicht geplant

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dpa
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Politischerseits ist das Pferd von hinten aufgezäumt worden. Denn ich halte die Einführung des 9-Euro-Tickets für überhastetes Handeln, bei dem der zweite Schritt (wieder einmal) vor dem ersten gemacht wurde.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es in der deutschen Bevölkerung ein großes Potenzial gäbe, verstärkt den ÖPNV zu nutzen. Dies funktioniert aber nicht mit zeitlich beschränkten Offerten, die zudem nicht nachhaltig sind. Deswegen bekräftige ich meine Forderung, dass zunächst einmal enorme finanzielle Mittel in die Ertüchtigung und Modernisierung der gesamten Infrastruktur bei Bussen und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr – und dazu zähle ich im Besonderen Bahnhöfe und Haltestellen – fließen müssen. Erst dann kann ich die Menschen davon überzeugen, das Auto öfter mal stehenzulassen, um so einen aktiven Beitrag für ein besseres Klima zu leisten. Von solch einer durchdachten Vorgehensweise würde auch der angestrebte permanente Stundentakt auf der Frankenbahn zwischen Lauda und Osterburken profitieren – nicht aber von vorgegebenen Fahrgastzahlen pro Tag.

Wie es funktioniert, zeigt unser Nachbar Luxemburg. Seit 1. März 2020 ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel komplett gratis – paradiesische Bedingungen. Würde sich Deutschland nu ein kleines Stück in diese Richtung bewegen, wäre dies bereits ein gewaltiger Fortschritt – und Licht am Ende des Tunnels.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt

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