Fasnacht - Mitglieder der Narrengesellschaft „Öwerlaüdemer Rootz“ haben die Kampagne und den 66. Geburtstag ins Internet verlagert Narrengesellschaft: „Nichts machen ist für uns keine Option“

Die „Rootze“ feiern den 66. Geburtstag der Narrengesellschaft. Wenn schon nicht mit großem Jubiläumsumzug und närrischer Kampagne, dann zumindest mit Videos auf der Internetseite.

Von 
Diana Seufert
Lesedauer: 
Wegen Corona wurde das Jubiläum der „Öwerlaüdemer Rootze“ ins Internet verlegt. Fabian Bayer (rechts) nimmt die Büttenrede von Jonah Ebert (links) auf. © NG

Oberlauda. Ihr Jubiläumsjahr haben sich Präsident Holger Ebert, die beiden „Auguste“ Benjamin Ambach und Fabian Bayer und alle Mitglieder der Narrengesellschaft „Öwerlaüdemer Rootz“ ganz anders vorgestellt. Eine grandiose närrische Kampagne hätte es werden sollen mit einem prächtigen Narrenringumzug von Oberlauda nach Lauda, zusammen mit den Freunden der NG Lauda, mit einem eigenen bunten Gaudiwurm am Rosenmontag und natürlich mit einer Prunksitzung, die dem besonderen Geburtstag Rechnung getragen hätte.

AdUnit urban-intext1

Die Corona-Pandemie und der Lockdown setzten den Wünschen und Ideen zum 66-jährigen Bestehen ein jähes Ende. Ist bei den Narren schon vor Aschermittwoch und der Beerdigung der Fasnacht Trauer angesagt? Statt Feiern und Narretei steht die Kampagne ganz im Zeichen von ungewöhnlichen Aktionen.

Die „Rootze“ lassen sich nicht unterkriegen. Ganz wollten sich die Oberlaudaer das Feiern aber nicht nehmen lassen. „Wir haben Jubiläum. Nichts machen ist für uns keine Option“, sagt Fabian Bayer. Die NG verlegte die närrische fünfte Jahreszeit kurzerhand ins Internet. Statt Saalfasnacht gibt es also Video-Fasnacht. Präsident Holger Ebert hat zusammen mit Bayer und Ambach die Organisation übernommen und einen Zeitplan aufgestellt. Schon bei der Eröffnung der Kampagne am 11. 11. hatte Ebert getrauert, was es für eine schöne Session hätte werden können. Und Vorsitzende Andrea Sack hatte erklärt: „Wir versuchen alles, was machbar ist, umzusetzen.“

Von Weiberfasnacht bis Umzug

Machbar sind derzeit keine Treffen, sondern lediglich die Video-Arbeiten. Und so filmen, schneiden und überlegen Ambach und Bayer, was man für die Mitglieder auf die Homepage stellen kann. „Seit Mittwoch laden wir jeden Tag einen Film hoch“, erzählt Bayer im Gespräch mit den FN. Insgesamt sind zu bis 20 Clips geplant. Vom Hissen der Fahnen über die Auftritte der Prinzengarde aus den letzten Jahren bis zum Zuschnitt von Sequenzen zum Bauernball, der eigentlich am Fasnachtssamstag stattfindet, reicht das Repertoire. Die Frauenfasnacht am Donnerstag bekam ebenfalls einen Videoclip. Verkleidet ziehen die Frauen durch die Straßen von Oberlauda und halten die Autos an. Die männlichen Insassen büßen dann meist die Krawatte, einen Knopf und auch Geld ein. „Krawatte, Knopf oder Euro“ heißt daher die Aktion an Weiberfasnacht.

AdUnit urban-intext2

Beim Bauernball, zu dem ein Video geladen wird, gibt es einen Rückblick auf vergangene Zeiten. „Früher war das ein Maskenball mit Prämierung“, erklärt Bayer, der für Regie, Schnitt und Vertonung der Filme zuständig ist. Mit einem Dankeschön werden am Sonntag die Vereine und Sponsoren in einem kurzen Clip bedacht, bevor es am Rosenmontag mit dem Umzug des vergangenen Jahres und der Rede der beiden Auguste weitergeht.

Kindersitzung ein Höhepunkt

„Ein Höhepunkt wird am Dienstag die Saalfasnacht für die Kinder“, so Bayer. Der Nachwuchs darf sich auf Büttenreden und Kindersitzungspräsident Jonah Ebert freuen. Selbst die Beerdigung der Fasnacht am Aschermittwoch soll trotz Corona nicht fehlen. Holger Ebert und Sohn Jonah werden am Rootzenbrunnen die ungewöhnliche Kampagne beweinen.

AdUnit urban-intext3

„Wir hätten den Geburtstag gerne ganz anders gefeiert“, sagen Ebert, Ambach und Bayer. Aber Corona habe es nicht zugelassen. Für die Narren beginnt in der Regel im Januar die heiße Phase mit Prunksitzungen, Besuchen von befreundeten Vereinen, Ordensvorstellung und letzten Vorbereitungen für die närrischen Tage.

AdUnit urban-intext4

Doch aktiv werden sie schon vorher. „Normalerweise stellen wir bereits am 11.11. das neue Prinzenpaar vor. Die Mitglieder des Ausschusses treffen sich danach jeden Montag zur Planung der weiteren Termine.“ Dass dieses Jahr alles anderes ist, bedauern sie sehr. „Uns allen tut es weh, dass wegen Corona nichts geht“, macht Bayer deutlich. Und wenn die Vollblutfasnachter nur die Möglichkeit von Videos haben, „ist das schon sehr schmerzhaft“. Besonders der ausgefallene Narrenringumzug zum 66. Geburtstag reißt eine tiefe Wunde bei den Oberlaudaer Narren. Und groß ist die Hoffnung, dieses besondere Ereignis später in die kleine Fasnachtshochburg zu holen.

Klicks aus den USA

Mit den Videos wird es trotzdem närrisch. Die Resonanz sei groß, freut sich Bayer. Selbst aus der Schweiz oder den USA habe man schon Zugriffe verzeichnet. Auch auf der Facebook-Seite des Vereins gibt es teilweise bis zu 2000 Aufrufe der Videos. Und weil die NG vor allem in der heißen Phase so aktiv ist, wurden sie von anderen Vereinen bereits nach Tipps gefragt. „Wir haben uns in die Technik und die entsprechenden Programme reingearbeitet“, sagt Bayer, der sich schon länger mit der Thematik beschäftigt. „Der Rest ist Kreativität.“ Die Zeit, die er dafür investiert, rechnet Bayer nicht. „Wir machen es gerne, es macht sehr viel Spaß.“ Und dabei halte man sich strikt an die Corona-Regeln mit Abstand halten und Maske tragen. Beim Aufstellen des Narrenbaums vor der Halle habe man beispielsweise zwei Vater-Sohn-Gespanne aktiviert.

Das Jubiläum der Narren soll nicht ungefeiert vorbeigehen. „Wir bringen den Mitgliedern in diesem Jahr einfach die Fasnacht nach Hause.“

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz