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Gedenkstunde - Die drei ehemaligen Ortsvorsteher sowie die aktuelle Ortsvorsteherin gedachten der Opfer von Gewalt und Kriegen

Mit Worten statt mit Waffen streiten

Von 
Peter D. Wagner
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Ortsvorsteherin Monika Noorlander legte gemeinsam mit ihren Amtsvorgängern (von links) Josef Ruf, Joachim Markert und Christian-Andreas Strube am Kriegerdenkmal bei der Oberbalbacher Pfarrkirche „St. Georg“ einen Ehrenkranz nieder. © Peter D. Wagner

Im Vorfeld des Volkstrauertages fand in Oberbalbach ein Gedenkakt mit Kranzniederlegung statt. Gastredner waren die drei ehemaligen Oberbalbacher Ortsvorsteher Josef Ruf, Joachim Markert und Christian-Andreas Strube.

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Obebalbach. Die aktuell amtierende Ortsvorsteherin Monika Noorlander erinnerte in ihrer Begrüßung auf dem Platz vor der katholischen Pfarrkirche „St. Georg“ daran, dass der Volkstrauertag ursprünglich vor fast 100 Jahren durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die vielen Millionen Opfer des Ersten Weltkrieges eingeführt worden sei und die erste offizielle Feierstunde zum Volkstrauertag 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin stattgefunden habe.

Wider das Vergessen

„Heute stehen wir hier und gedenken natürlich auch den Oberbalbacher Opfern, weshalb wir uns hier am Kriegerdenkmal versammelt haben. Das Erinnern an vergangene Zeiten, in denen ein friedlicheres Deutschland als jemals zuvor in der Geschichte noch nicht normal war, sollte hierbei als mahnendes Beispiel immer wieder an der Tagesordnung stehen, dass solche Kriegstaten nie wieder geschehen werden“, hob sie hervor.

Den Auftakt der Gastredner bildete Josef Ruf, der vor 40 Jahren nach der Eingemeindung erster Ortsvorsteher in Oberbalbach war und dieses Amt 23 Jahre lang bis 2004 inne hatte. „Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. Nachmittag Schwimmschule“, zitierte er einen Tagebucheintrag des Schriftstellers Franz Kafka zum 1. August 1914, dem Tag des Beginns der Kriegshandlungen. Mit dieser heute unfassbar erscheinenden Formulierung habe Kafka die damalige Erwartung und das Denken vieler seiner Zeitgenossen ausgedrückt: Ein kurzer, erfolgreicher Waffengang wie 1870/1871 im deutsch-französischen Krieg mit anschließender Rückkehr zur friedlichen Normalität.

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Doch es kam anders – es begann ein vierjähriges blutiges Massensterben mit Millionen Toten. Diesen Krieg habe der amerikanische Historiker und Diplomat George Kennan als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, bezeichnet. „Gerade die Sinnlosigkeit dieser blutigen Konflikte macht uns auch heute noch nahezu sprachlos vor Betroffenheit“, betonte Josef Ruf.

Sein Nachfolger Joachim Markert, Ortsvorsteher von 2004 bis 2013 und jetziger Bürgermeister der Stadt Grünsfeld, zitierte den österreichischen Schriftsteller Karl Kraus aus dessen 1922 erschienenen Werk: „Die letzten Tage der Menschheit“: „Alles was gestern war, wird man vergessen haben. Was heute ist, nicht sehen. Was morgen kommt, nicht fürchten. Man wird vergessen haben, dass man den Krieg verloren, vergessen haben, dass man ihn begonnen, vergessen, dass man ihn geführt hat. Darum wird er nicht aufhören.“

„Diese Worte erinnern uns an die doppelte Bedeutung des Volkstrauertages: Gedenken und Mahnung“, meinte Markert. „Dieses Innehalten ist umso wichtiger, wenn wir uns vor Augen halten, wie sich uns die Welt heute darstellt“. Zwar herrsche in Deutschland und in weiten Teilen Europas seit 76 Jahren Frieden, jedoch sei die Welt im Jahr 2021 alles andere als ein friedlicher Ort. „Laut der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung gab es im Jahr 2020 insgesamt 29 Kriege und bewaffnete Konflikte weltweit. Circa 80 Millionen Menschen waren nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks im selben Jahr auf der Flucht – so viele wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Jeder 95. Bewohner dieses Erdballs ist heute ein Vertriebener“, nannte der frühere Ortsvorsteher und heutige Bürgermeister bedrückende Zahlen für Gewalt und Unterdrückung weltweit.

„Durch die Auswirkungen der Corona Pandemie stecken die meisten Staaten unserer Erde in einer tiefen Krise. Abschottungspolitik und Nationalismus nehmen zu. Ein Klima, in dem Populisten leichtes Spiel haben. Und in dem – wie wir aus eigener leidvoller Geschichte wissen – auch rasch Extremismus und Gewalt gedeihen“, gab Markert warnend zu bedenken. „All diese Entwicklungen zeigen: Frieden ist im 21. Jahrhundert in Europa und der Welt ein höchst fragiles Gut. Ihn zu wahren und zu verteidigen ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, appellierte er.

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„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein friedliches, weltoffenes Land, in dem Konflikte nicht mit Waffen oder Raketen, sondern mit Worten und Argumenten ausgetragen werden. Zudem ein Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht, in dem jeder sich nach seinem Lebensentwurf entfalten kann, sowie in dem die Würde und Unversehrtheit des Menschen unantastbar sind“, unterstrich Christian-Andreas Strube, Oberbalbachs Ortsvorsteher ab 2013 bis 2019. „Nur wenn wir aus den Fehlern unserer Geschichte lernen, werden wir diese Fehler heute und morgen nicht wiederholen“, mahnte er. „Deshalb müssen wir rechtzeitig erkennen, wenn Bürgerrechte ausgehöhlt und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Wir dürfen menschlichem Leid gegenüber nie gleichgültig sein. Wir müssen dort mutig einschreiten, wo Mitmenschen unsere Hilfe brauchen. Zivilcourage ist kein bloßes Wort, es ist das Lebenszeichen einer menschlichen Gesellschaft“, lautete sein Appell.

Kranzniederlegung

Nach den Grußworten legten Monika Noorlander, Josef Ruf, Joachim Markert und Christian-Andreas Strube zusammen am Kriegerdenkmal bei der Oberbalbacher Pfarrkirche „St. Georg“ einen Ehrenkranz nieder.

Ein Fürbittengebet und ein Segen wurden von Pfarrgemeinderätin Bärbel Frank-Wohlgemuth gesprochen. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkstunde von den Balbachtaler Musikanten unter Leitung von Manfred Suppinger. Das gemeinsame Singen der Deutschlandhymne bildete den Abschluss der Gedenkzeremonie.

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