TV Königshofen - Die Mitglieder können auch während der Corona-Pandemie aktiv bleiben / „Ungewohnt, aber trotzdem schön“ Mit Online-Angeboten fit durch den Lockdown

Von 
Isabell Boger
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Online sind viele Mitglieder des TV Königshofen derzeit zu Hause aktiv. © Isabell Boger

Mit Online-Angeboten will der TV seine Mitglieder auch im Lockdown in Bewegung halten – und den Zusammenhalt im Verein stärken. Die Resonanz ist über alle Altersklassen hinweg groß.

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Königshofen. Es ist 20 vor Sieben, als ihr Enkelsohn endlich vorbeikommt. „Das reicht locker, Oma, das sind nur ein paar Klicks“, erklärt er ganz entspannt. Sie ist trotzdem aufgeregt. Die Sporthose hat sie lieber schon mal angezogen – endlich mal wieder.

Das Turnen am Mittwochabend ist für sie eine Art fester Termin – wie der Hausputz am Freitag oder der Gang zum Metzger am Samstag. Doch seit im November der zweite Lockdown verhängt wurde, ist vieles anders. „Man sieht ja kaum mehr jemanden. Da fehlt das Turnen ganz besonders“, sagt Emilie, die hier nicht unter ihrem echten Namen sprechen will.

Sessel zur Seite geschoben

Sie ist eine von rund 30 Frauen, die gleich bei der ersten Online-Trainingseinheit des TV Königshofen dabei war. Im Wohnzimmer hat sie den Sessel zur Seite geschoben, der Teppich dient als Gymnastikmatte, um die Technik hat sich der Enkel gekümmert. „Es ist ungewohnt, aber es ist trotzdem schön“, resümiert sie nach weiteren Übungsstunden.

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Gerlinde Hönig, Oberturnwartin des TV, freut das. „Wir haben schon im ersten Lockdown nach Möglichkeiten gesucht, unsere Mitglieder in Bewegung zu bringen. Damals haben wir Bewegungsaufgaben verschickt und im Jugendbereich erstmals mit Online-Training gearbeitet“, blickt sie auf das Frühjahr 2020 zurück.

Im Sommer und Herbst wurde wieder einigermaßen normal trainiert – wenn auch mit Abstand und ausgefeiltem Hygienekonzept. „Dann kam der zweite Lockdown und wir hatten das Gefühl, diesmal trifft er unsere Mitglieder noch mehr. Wir alle haben unsere sozialen Kontakte im vergangenen Jahr reduziert und auf vieles verzichtet. Gerade in dieser dunklen Zeit wollten wir deshalb einen Lichtblick bieten“, erklärt Hönig.

Gruppen übergreifend

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Zusammen mit anderen Übungsleitenden hat sie deshalb ein Gruppen übergreifendes Online-Angebot entwickelt, das möglichst alle Altersklassen ansprechen soll. Es gibt Bewegungseinheiten für Jungs und für Mädchen, gerätturnspezifisches Training für Kinder und Jugendliche, Fitness und Gymnastik für Frauen, Tanz und Workout für Jugendliche.

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Eine zusätzliche Einheit für den Bereich der Vorschüler ist genauso in Planung wie ein Training für Männer.

„Es ist überwältigend zu sehen, wie engagiert unsere Übungsleitenden auch in dieser schwierigen Zeit sind“, sagt Vereinsvorsitzende Waltraud Grünewald. Obwohl sie selbst einen gewissen Respekt vor der Technik habe („vor Corona habe ich noch nie an einer Videokonferenz oder einem Online-Training teilgenommen“), war sie schnell von der Idee überzeugt. „In einem Verein muss man immer die Balance zwischen Tradition und Moderne finden. Und obwohl wir alle wissen, dass ein Präsenztraining durch ein virtuelles nicht zu ersetzten ist, müssen wir die Chance nutzen, die die Technik uns bietet.“

Dabei gehe es nicht nur darum, die Mitglieder in Bewegung zu bringen und somit einen Beitrag zu deren Gesunderhaltung zu leisten. „Ganz wichtig ist aus meiner Sicht auch die psychische Komponente: Man hat einen Termin, man freut sich auf etwas, man sieht – wenn auch nur am Bildschirm – bekannte Gesichter, man hat danach was zu erzählen.“

In der vergangenen Woche hat die Vereinsvorsitzende selbst ihre erste Online-Trainingsstunde gegeben. „Ich war aufgeregt, als hätte ich noch nie vor einer Gruppe gestanden“, erzählt sie und muss fast lachen: Mit ihren 64 Jahren blickt sie schließlich auf fast 50 Jahre Übungsleiterin zurück. Doch nicht nur „alte Hasen“ wie sie sind aktiv. „Im Gerätturnen haben mit Cristin, Paula und Theresa drei ältere Turnerinnen die Gestaltung der Online-Einheiten übernommen“, erklärt Hönig. „Für die ist das technisch ja ein Kinderspiel.“

Ein Link hilft

Trainiert wird mit Hilfe der Videokonferenz-Software Zoom. Auf Nachfrage bekommen die Vereinsmitglieder einen entsprechenden Link zugesendet, der über jedes internetfähige Gerät geöffnet werden kann. „Ich hätte das nie gedacht, aber das wird auch von den Älteren angenommen“, sagt Grünewald. Ein paar telefonische Nachfragen gab es, doch die meisten schaffen es allein. Oder die Kinder und Enkel helfen, wie bei Emilie.

Martina Ott, die beim TV Königshofen seit Jahren die Übungsstunde der Erst- und Zweitklässlerinnen anleitet, hat sogar extra eine Online-Fortbildung besucht, um sich über geeignete Inhalte für solche Formate zu informieren. „Man kann ein Training nicht eins zu eins von der Halle in den virtuellen Raum verlagern. Jeder hat weniger Platz. Es gibt keine Geräte, Partner- und Gruppenübungen sind nicht möglich.“ Spaß an der Bewegung vermitteln könne man aber trotzdem. „Das ist extrem wichtig, weil bei den Kindern ja auch der Schulsport ausfällt und durch das regnerische Wetter auch Bewegung an der frischen Luft fehlt.“

„Dass derzeit kein Turnen ist, ist blöd. Weil ich ja auch nicht in die Schule kann gerade“, erzählt unterdessen die sechsjährige Clara. Sie besucht normalerweise die Aufbaugruppe Gerätturnen. Am Laptop habe sie nun aber sogar mit den Großen trainieren dürfen. „Wir haben Sprünge geübt und uns gedehnt. Und ich habe hier im Wohnzimmer sogar einen Handstand geturnt“, erzählt sie stolz. Spaß hat es der Erstklässlerin aber auch bereitet, mit dem Turn-Abc einzelne Worte zu schreiben. „Immer eine bestimmte Bewegung steht für einen Buchstaben“, erklärt sie. Zum Kinderturntag im November haben die Nachwuchsturner damit sogar ganze Sätze gebildet – und es als Video festgehalten.

Zusammenhalt stärken

Solche Ideen und Projekte stärken den Zusammenhalt“, sagt Oberturnwartin Hönig. Neben den Online-Trainings setzt der Verein deshalb auch auf Messanger-Gruppen, in denen sich die Mitglieder mit ihren Trainern sowie untereinander austauschen können. Und in denen sich natürlich vieles um Bewegung dreht.

„Obwohl das alles gut läuft, hoffen wir natürlich, dass wir unsere Halle bald wieder aufmachen und gemeinsam trainieren können. Bis dahin wollen wir zeigen: Wir haben euch nicht vergessen – und wir vermissen euch“, richtet sich Grünewald an die knapp 1000 Vereinsmitglieder.