Freizeitvergnügen

Mit Brettspielen in andere Welten eintauchen und Gemeinschaft erleben

Silke und Frank Schwager bieten in Lauda regelmäßig einen „Offenen Spieletreff“ an

Von 
Heike von Brandenstein
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Silke und Frank Schwager spielen gerne mit der Familie, aber auch mit anderen Menschen. In der „Auszeit“ in der Laudaer Marienstraße 5 veranstalten sie immer mal wieder ihren „Offenen Spieletreff“, den jeder besuchen kann. © Matthias Ernst

Seitdem es Menschen gibt, wird gespielt. Mit Steinchen, Federn, Murmeln oder Muscheln, mit Taktik und Regeln. Manchmal geht es mit- oft aber gegeneinander. Und jeder weiß: Auch verlieren will gelernt sein.

Lauda-Königshofen. Es gibt kaum einen angenehmeren Zeitvertreib als das Spielen in gemütlicher Runde. Dabei gibt es immer Spaß, der Redestoff geht nicht aus und in der Regel werden auch noch die grauen Zellen aktiviert. Ob Kartenspiele wie Skat, Schafkopf oder Rommé, einfache Würfelspiele wie das berühmte „Mensch ärgere dich nicht“ oder Kennerspiele wie „Wasserkraft“, bei denen es fast einen ganzen Tag dauert, bis alle Varianten und Vorgaben verstanden sind: eine schönere Beschäftigung als sich gemeinsam über einen Plan zu beugen und seine eigene Strategie zu entwickeln, ist kaum denkbar.

Es gibt puristische Spiele mit klaren Farben und Formen, futuristisch anmutende Steine und Figuren aus Plastik oder – haptisch schöner – aus Holz. In seinem Aufsatz zur Geschichte des Spielens schreibt Dr. Bernward Thole, „dass das Spiel zu den ältesten kulturellen Äußerungen des Menschen gehört, älter ist als alle in schriftlicher Form niedergelegten Ideen und Gesetze und beinahe ebenso alt wie die frühesten bildlichen Darstellungen“.

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In ägyptischen Königsgräbern seien bereits Brettspiele gefunden worden, die auf 2800 Jahre vor Christus datiert wurden, ein von Tempelsteinmetzen in die Wand geschlagener Mühle-Spielplan versüßte den Handwerkern vor rund 1400 Jahren die Pausenzeit. Thole berichtet auch von der Legende, dass die Griechen das Schachspiel während der langwierigen Belagerung Trojas erfunden hätten, belegt aber lediglich sei, dass sowohl Ägypter als auch Griechen Brettspiele kannten.

Auch Römer und Germanen vergnügten sich mit Geschicklichkeitsspielen. Für das 14. Jahrhundert macht der Spielehistoriker ein regelrechtes Spielfieber in ganz Europa aus, das er mit der Einführung der Spielkarte in Zusammenhang bringt. Da mit Karten häufig um Geld – und nicht gerade kleine Summen – gespielt wurde und somit der tugendhafte Pfad zu verlassen werden drohte, kam es im Mittelalter gar zu Spieleverbrennungen durch gegen sie wetternde Bußprediger.

Weil Spielen eine schöne Kurzweil ist, konnte alles Gewetter gegen das angebliche Teufelszeug die heitere Freizeitbeschäftigung nicht verbieten. Gespielt wurde weiter. Je nach Epoche und Stand gab es Modespiele. In der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg kam „Monopoly“ in Amerika auf, in Deutschland wurde es erst in den 50er Jahren populär.

In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kamen die ersten digitalen Spiele auf, in den 80ern eroberten japanische Konsolen den Videospielmarkt, die später dann von Heimcomputerspielen abgelöst wurden und bis heute immer vielfältiger und durch Virtual Reality realitätsnäher werden. Auch wenn viele auf ihren Handys spielen, haben Computergames das gute alte Brettspiel längst nicht ebgelöst.

Regeln als Videos

Heute gibt es unzählige Brettspiele von einfach bis hochkomplex. Echte Spielefans treten Spielcommunitys bei, Spieleerfinder oder echte Freaks erläutern das Regelwerk auf youtube-Videos. In Lauda-Königshofen bietet die spielverrückte Familie Schwager in ihrer „Auszeit – Kreativ- und Genusswerkstatt“ Spielenachmittage oder -abende, an denen jeder teilnehmen kann, der mag. Christoph Kraus, der selbst als Spieleerfinder „Die Händler vom Taubertal“ und den „Taubertal-Express“ kreiert hat, ist oft mit dabei. Er spielt auch mit seinen Kindern viel. „Man sitzt so viel am Computer und am Handy, so dass es einfach schön ist, beim Spielen gemeinsam Zeit mit der Familie zu verbringen“, sagt er.

Silke Schwager mag kooperative Spiele. Da können mehrere Generationen und selbst kleinere Kinder einbezogen werden. Ihr Mann Frank präferiert, in Teams zu spielen, wie das bei Escape-Spielen der Fall ist. Was er sich wünscht, sind gute Anleitungen. Manchmal, so seine Erfahrung, lassen sie zu wünschen übrig. Dann wird es schwierig und die Lust, ein Spiel zu ergründen, erlahmt. Sohn Moritz schätzt Strategiespiele, sein Bruder Felix liebt das Brettspiel „Harry Potter – Kampf um Hogwarts“.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber