FN-Facebook-Umfrage - Viele Nutzer stören sich daran, dass in den Regalen der Geschäfte jetzt schon weihnachtliche Waren angeboten werden Lebkuchen bei 25 Grad, „das passt nicht“

Von 
Klaus T. Mende
Lesedauer: 
Mehr als drei Monate vor dem Fest bieten die Lebensmitteleinzelhändler bereits Lebkuchen, Spekulatius, Christstollen und Co. in den Auslangen der Regale – sehr zum Ärger vieler Verbraucher. © Klaus T. Mende

Alle Jahre wieder beginnt die Vorweihnachtszeit in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels bereits weit vor dem Ende der Sommerferien – zum Ärger vieler Kunden.

AdUnit urban-intext1

Odenwald-Tauber. An „Stille Nacht . . .“, „O du fröhliche . . .“ oder „Leise rieselt der Schnee . . .“ denkt derzeit noch keiner – schließlich ist für viele Zeitgenossen die Grillsaison noch gar beendet. Doch die Discounter und Supermärkte sind längst „umgeschwenkt“ auf die besinnliche Zeit.

Nein, Weihnachtsbäume, die sucht man derzeit – für viele zum Glück – noch vergeblich in den Geschäften. Doch aus den Regalen werden die Konsumenten bereits zuhauf von Lebkuchen, Spekulatius, Christstollen, Pfeffernüssen angelacht. Manch einem fällt es mitunter etwas schwer, sich zurückzuhalten und in Geduld zu üben, was die Nascherei angeht.

Große Skepsis

Auf ihrem Facebook-Account wollten die Fränkischen Nachrichten wissen, wie die User über diese Entwicklung denken. Um es vorwegzunehmen: Die meisten äußern sich skeptisch bis ablehnend – wie auch eine Mehrheit der Bundesbürger, die noch gar nicht in der richtigen Stimmung sind.

AdUnit urban-intext2

Michael Hof aus Bad Mergentheim sieht den ganzen Trend mit einer Prise Humor. „Wo ist das Problem?“, fragt er. „Weihnachtsbäume gibt es ja auch ganzjährig – sie stehen halt im Wald. Der Einzelhandel passt sich eben der Natur an . . .“

Wenn jemand jetzt bereits Lust auf Lebkuchen und Co. verspüre, könne er es gerne schon kaufen, sagt Andrea Hart aus Lauda. „Ich finde es nur schade, wenn man dann Anfang Dezember leere Regale vorfindet, und bei Nachfrage vom Personal hört, man habe nichts mehr im Lager und bekäme auch nichts mehr nach – die Saison sei gelaufen.“

AdUnit urban-intext3

Die Walldürnerin Lisa Galm möchte zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts kaufen, da man „sich sonst bis Weihnachten sattgegessen hat“. Zudem müsse für solch einen Genuss das Umfeld passen. „Bei 25 Grad in der Sonne Lebkuchen essen – das passt doch nicht.“ Und Gisela Podetz aus Bödigheim meint klipp und klar: „Ich kaufe nichts von dem Zeug vor November. Falls ich dann noch etwas kriege . . .“

AdUnit urban-intext4

Für Werner Neubauer aus Großheubach „gehört Weihnachten am ersten Advent eingeläutet – und kein Tag früher. Für alle verbindlich.“

„Für mich geht das gar nicht“, betont Matthias Hauk aus Höpfingen. „Vor Mitte November kommt das nicht in die Tüte.“ Zumal dann noch das „ganze Halloween-Zeug“ dazukomme. Er finde dies eine „ganz üble Verschiebung“. Aus seiner Sicht sei alles „total verzerrt“. Sein Appell an alle Konsumenten: „Kauft regional – und saisonal.“

Clarissa Siehr aus Hochhausen hat in einem Baumarkt bereits den ersten Weihnachtsmarkt ausgemacht. Sie liebe die besinnliche Zeit und finde die Entwicklung nicht so schlimm. Als Begründung führt sie an: „Über Himbeeren, die man im Dezember kaufen kann, regt sich auch keiner auf.“

Jedes Jahr dasselbe

Es sei ja ohnehin jedes Jahr dasselbe, sinniert der Külsheimer Sven Schweder, wobei die Waren nur noch etwas früher in den Läden angeboten würden – früher sei dies seiner Meinung nach Ende September/Anfang Oktober der Fall gewesen. „Nun, Weihnachten bedeutet auch, dass das Jahr bald herum ist – und bei 2020 ist da wohl keiner traurig drum“, betrachtet er es auch aus einem anderen Blickwinkel.

„Allein beim Gedanken an Lebkuchen im September steht bei mir das Gaumenzäpfchen“, beschreibt Moni Ulshöfer aus Edelfingen ihre Gedanken. „Das ist momentan nichts zum Essen . . .“

Für Viola Weber aus dem Lauda-Königshöfer Stadtteil Gerlachsheim „ist es doch jedes Jahr dasselbe.“ Sie vertritt die Auffassung, dass der Lebensmitteleinzelhandel dieses Jahr noch recht spät dran sei. Dagegen ist aus den Worten der Altertheimerin Waltraud Huhn etwas Ironie herauszulesen: „Dann funktioniert in diesem verrückten Jahr ja doch noch etwas normal. Wirklich beruhigend . . .“

Daniela Hisan kommt aus Weikersheim und „findet es zu früh, da hat man später keine Lust mehr darauf.“ Ende Oktober/Anfang November wäre noch früh genug.

Jörg Uwe Heinz aus Boxberg hat hingegen einen ganz besonderen Vorschlag, den er allerdings augenzwinkernd äußert: „Am besten das ganze Jahr Weihnachtsgedöns und Osterhasen in die Geschäfte . . .“

Die gebürtige Limbacherin Christine Ungerer, jetzt wohnhaft in Neckarelz, kauft definitiv nichts vor Ende Oktober – früher sogar erst zur Adventszeit. „Doch da gibt es oft nicht mehr viel.“

Unmögliche Entwicklung

„Ja haben wir denn schon Weihnachten?“, fragt Regina Rothengast aus dem Grünsfelder Stadtteil Kützbrunn. Sie findet die ganze Entwicklung „unmöglich“. „Meine Eltern hatten früher einen Tante-Emma-Laden – und da wurde am 1. November, dem Feiertag Allerheiligen, das Weihnachtssortiment aufgestellt.“ Das habe vollkommen genügt und sei jahreszeitlich angepasst gewesen. Aber mittlerweile gebe es ja auch ganzjährig bunt gefärbte Eier. „Ich warte auf den Tag, an dem in den Regalen das ganz Jahr über Lebkuchen stehen – wie die dann auch immer genannt werden . . .“

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt