Lauda Dr. Wobser - Erweiterung des Bürogebäudes in Lauda und einer Tochterfirma in Spanien / Marke von 100 Millionen Euro Umsatz soll geknackt werden Lauda Dr. Wobser: Die Zeichen stehen weiter auf Expansion

Bei Lauda Dr. R. Wobser stehen die Zeichen auf Expansion. Nicht nur in der Zentrale in Lauda wird erweitert, auch der Bereich Innovation wird ausgebaut.

Von 
Diana Seufert
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Das Gebäude von Lauda Dr. Wobser in der Pfarrstraße in Lauda wird aufgestockt. Der Weltmarktführer für Temperiergeräte braucht neue Büroräume. © Lauda Dr. Wobser

Lauda-Königshofen. „Unser Hauptsitz in Lauda spielt eine große Rolle in unserem Unternehmenskonzept.“ Dr. Gunther Wobser, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, das vor 65 Jahren von seinem Großvater aus der Taufe gehoben wurde, spricht von einem wichtigen Jahr in der Geschichte des Unternehmens. Nach einer sehr aufreibenden Zeit stehen die Zeichen weiterhin auf Expansion. Trotz der Corona-Pandemie sei man solide durch die Krise marschiert und ohne Kurzarbeit ausgekommen.

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Der Weltmarktführer für Temperiergeräte und -anlagen will den gestiegenen Platzbedarf in der Zentrale durch neue Büroräume kompensieren. Am Hauptsitz in der Laudaer Pfarrstraße wird das Gebäude um ein weiteres Stockwerk und damit 430 Quadratmeter erweitert. Auch in Sachen Umwelt geht man neue Wege. So wurden eine Solaranlage in Betrieb genommen und die defekten Fenster ausgetauscht. Insgesamt werden 1,5 Millionen Euro in die Hand genommen.

8,5 Millionen Euro investiert

Ein größeres Projekt hat man in Spanien im Visier. In Terrassa bei Barcelona ist derzeit ein Neubau für sieben Millionen Euro für Lauda Ultracool S.L. in der Umsetzung. „Auf rund 9000 Quadratmetern entsteht unser erstes Bauprojekt im Ausland“, freut sich Wobser. Die Firma, die man 2011 mitten in der spanischen Wirtschaftskrise erworben und in das Unternehmen Lauda eingegliedert hat, entwickelt sich in seinen Augen prächtig. Produziert werden Umlaufkühler für den industriellen Bereich. „Die Firma hat Potenzial und Zukunft, deshalb investieren wir.“

Der Kauf vor zehn Jahren sei eine gute und sinnvolle Ergänzung zum Portfolio der Gruppe gewesen, unterstreicht Wobser die Maxime: „Wir verlagern nicht, wir ergänzen das Unternehmen und entwickeln die neuen Firmen weiter.“ Da man gegenüber des aktuellen Firmensitzes auf der grünen Wiese baut, gebe es noch genügend Platz für weitere Vergrößerungen.

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„Mutig nach vorne“ ist das Motto einer „offensiven Wachstumsstrategie“, die Dr. Gunther Wobser auch im 65. Jahr des Bestehens des Familienunternehmens verfolgt. In der Innovationsszene der Region Würzburg-Heilbronn, aber auch in Berlin, fühlt er sich gut verankert. Vor allem auf den Bereich Medizintechnik will er einen stärkeren Fokus legen. Derzeit wird ein neues Gerät entwickelt, die Produktion bleibt in der Eisenbahnerstadt.

„Wir wollen was in Lauda bewegen“, macht der Firmenchef deutlich. Auch wenn Corona aktuell ein zusätzliches Risiko für den Unternehmer bedeutet, lässt er sich von der Pandemie nicht abschrecken. „Wir haben im vergangenen Jahr unseren Umsatz von rund 92 Millionen Euro gehalten.“ Sein Ziel ist klar: In den nächsten Jahren die Grenze von 100 Millionen Euro zu knacken. „Wir wachsen und geben Gas dafür.“ Aktuell nutze man die Chance, Fachkräfte einzustellen und auszubilden. Das eigene Portfolio durch weitere Firmenkäufe oder durch die Zusammenarbeit mit Start-ups zu ergänzen, kann sich Wobser vorstellen. Für ihn steckt in jeder Krise auch eine Chance.

Innovationsschmiede

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„Das Herz der Firma schlägt in Lauda.“ Wobser hat Visionen und Ideen. Seine Mitarbeiter dürfen sie auch haben. Um genau diesen Ideen die kreative Freiheit zu lassen, wurde nun eine eigene Firma – außerhalb des Kerngeschäfts – gegründet. „new.degree GmbH“ heißt sie. Zu dem achtköpfigen Mitarbeiterstab gehören neben einem Digital-Team und einer Marketing-Spezialistin, „die übrigens mal meine Chefin war“, wie Dr. Wobser schmunzelnd anmerkt, auch zwei Ingenieure. Sie setzen die Überlegungen in Funktionsmuster um. „Die Mitarbeiter können sich mit neuen Themen beschäftigen und Innovatives entwickeln.“

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Der ungewöhnliche Name für die Kreativwerkstatt ist Programm für Wobser. „Degree hat im Englischen mehrere Bedeutungen: eine Temperaturangabe, ein akademischer Grad, aber in Verbindung mit new auch etwas Neues schaffen.“ Entstanden ist die Bezeichnung während seines einjährigen Aufenthalts in Silicon Valley. Dort firmiert schon eine 100-prozentige Lauda-Tochter unter der Bezeichnung „new.degree LP“, die ihre Ideen an die Tauber meldet. Nun gibt es das deutsche Pendant. Noch hat diese Kreativschmiede ihr Domizil in der Pfarrstraße, soll aber dann in die „Brainstation“ in den Bahnhof Lauda einziehen. Dessen Türen stehen auch anderen Firmen offen.

„Brainstation“ startet

Zum 1. März will Wobser den Geschäftsbetrieb in der „Brainstation“ starten. Zunächst in einem Projektbüro in Gerlachsheim und vorwiegend virtuell, weil Corona einen Strich durch die Planungen macht. Dass dieses Datum genau mit der Gründung von Lauda am 1. März 1956 zusammenfällt, sei Zufall. „Wir versuchen, digital vieles zu ermöglichen, aber digital bauen geht noch nicht. Es geht ja auch um das haptische Erleben“, so Wobser, der das Potenzial aus jungen Leuten aller Schularten herauskitzeln will. Dazu ist er aktuell auch mit der Vereinigung Junger Forscherinnen und Forscher (IJF) im Austausch. „Das Konzept des Maker Space, das Möglichkeiten für handwerkliches Arbeiten in einer Werkstatt gibt, ist per se nicht gefährdet.“ Vom Hemmschuh Corona, der sein Projekt zeitlich nach hinten verschiebt, lässt er sich nicht entmutigen. Und der Visionär rührt kräftig die Werbetrommel – jüngst auch in Stuttgart bei Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut.

„Das Projekt passt genau in die Überlegungen der Landesregierung, Innovationen im ländlichen Raum zu fördern.“ Und er weiß: Seine Kunden, die Schüler, können kein Geld für die Nutzung der „Brainstation“ zahlen. Deshalb ist er auf der Suche nach Geldgebern und hofft auf die finanzielle Unterstützung aus Stuttgart. Die Gründung einer eigenen Gesellschaft mit dem Büro in Gerlachsheim sollen dabei helfen.

Optimistisch ist Wobser, dass der Kaufvertrag für den Bahnhof Lauda noch im ersten Halbjahr unter Dach und Fach sein wird. Er betont die konstruktive Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Stadtverwaltung und Gemeinderat. Zur Jahresmitte könnte dann mit den Bauarbeiten begonnen werden. „Ich freue mich auf das Projekt. Im Mittelpunkt stehen junge Menschen, und die sind unsere Zukunft.“

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz