Bodenaufbereitungsanlage - Bagger bereiten Gelände an der L 511 vor / Probebetrieb soll Ende 2021 starten Konrad Bau hat mit Arbeiten in Gerlachsheim begonnen

Die Firma Konrad Bau hat mit den Arbeiten an der Bodenaufbereitungsanlage begonnen. Für die Bürgerinitiative ist das „ein rabenschwarzer Tag“.

Von 
Diana Seufert
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Die Arbeiten für die umstrittene Bodenaufbereitungsanlage der Firma Konrad Bau in Gerlachsheim gingen am Mittwoch los. © Diana Seufert

Gerlachsheim. Die Bagger rollen seit Mittwoch, die Firma Konrad Bau schafft Tatsachen: Mit der Realisierung der Bodenaufbereitungsanlage im Gewerbegebiet „Pfützenäcker“ wurde begonnen. Auf dem Gelände, angrenzend an den Standort in Gerlachsheim an der L 511, soll die Anlage entstehen, in der Aushubmaterial von Baustellen verbessert wird. Rund vier Millionen Euro investiert das Unternehmen.

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Acht Jahre nach den ersten Planungen und über zwei Jahre nach Erhalt der Baugenehmigung hatte die Firma im Oktober mitgeteilt, dass mit der Umsetzung der Planung gestartet werden soll (wir berichteten). Der ursprünglich anvisierte Beginn im November wurde aufgrund des Wetters sowie der Baustellenauslastung auf Januar verschoben, wie Christine Reutter, Mitglied der Geschäftsführung, mitteilt. Die Bodenverbesserungsanlage besteht aus einer befestigten Freifläche, einer geschlossenen Halle und einem begrünten Erdwall als Staub- und Sichtschutz um das Grundstück, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite schreibt.

Begonnen wurden auf dem Gelände nun die Erdarbeiten, die bis Ende Februar andauern. Rund acht Wochen später sollen Fundamentplatte und Hallenwände fertiggestellt sein. Nur der Oberboden und der Aushub der Kanäle und der Leitungen würden abgetragen, heißt es bei Konrad Bau weiter. Das Bodenmaterial werde zur Rekultivierung einer Fläche auf dem Herrenberg verwendet. Die Lkw fahren dazu im „Einbahnstraßen-Prinzip“ durch Gerlachsheim und über die Bahngleise in die Weinberge sowie über Grünsfeld wieder zurück.

Linksabbiegespur für Anlieferer

Geplant ist auch eine Linksabbiegerspur für die Lkw, die letztlich Boden anliefern. Die soll bis Ende des Jahres fertig sein. „Bauende ist für November geplant“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Dann will Konrad Bau einen Probebetrieb starten, ehe die Anlage Anfang des nächsten Jahres in Betrieb geht. Zwischengelagert werden sollen dort Böden, die auf lokalen Baustellen keinen Platz haben, etwa Aushub bei Straßenbauarbeiten. Anschließend werde alles beprobt. Das Unternehmen macht deutlich, dass stark staubende oder lärmende Tätigkeiten zum Schutz der Bürger in der Halle ausgeführt werden. „Grundsätzlich werden keine gefährlichen Abfälle verarbeitet.“ Man werde die Vorgabe des Landratsamts für die immissionsschutzrechtliche Genehmigung umsetzen. Und rund um die Anlage entstehe ein begrünter Wall als Blick-, Staub- und Lärmschutz.

Nichts Neues zu Alternativen

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Einem Alternativstandort, um den sich auch Lauda-Königshofens Bürgermeister Dr. Lukas Braun mit Nachdruck bemüht, will sich die Geschäftsführung von Konrad Bau nicht verschließen. „Dazu gibt es aber aktuell nichts Neues“, so Christine Reutter. Man stehe weiterhin zu den Aussagen, eine Anlage mit einer reduzierten Kapazität von 50 000 Jahrestonnen verarbeitetem Bodenabfall zu starten und in den Anfangsjahren nicht zu überschreiten. Dieser Kapazität habe der Gemeinderat im September 2016 zugestimmt. „Sollte in den nächsten fünf Jahren eine Alternative entwickelt werden, könnte Konrad Bau dauerhaft die Anlage im Gewerbegebiet Pfützenäcker mit reduzierten Mengen betreiben oder gegebenenfalls später an einen neuen Standort umziehen“, hatte Geschäftsführer Eberhard Köhler im Oktober 2020 betont.

Für die Bürgerinitiative, die seit Jahren gegen die Errichtung der Anlage kämpft, ist der Baubeginn ein „rabenschwarzer Tag für ganz Gerlachsheim“, wie Josef Seubert deutlich macht. „Wir sind sehr enttäuscht.“ Fünf Jahre intensiver solidarischer Widerstand hätten nicht entscheidend gegriffen, „weil Behörden und Gerichte, nachdem die Baugenehmigung auf sehr undemokratischem Weg erteilt war, nicht mehr bereit waren, die Belange der betroffenen Bevölkerung wahrzunehmen“, kritisiert er. Dem Unternehmen gingen die Gewinninteressen weit vor dem Gemeinwohl, wirft er Konrad Bau vor.

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Doch das Tischtuch zwischen den Parteien ist noch nicht zerrissen. „Wir werden jederzeit mit allen Beteiligten reden.“ Man setze „weiterhin unsere Hoffnung auf die Initiative unseres Bürgermeisters Dr. Braun, der sich intensiv um die Bereitstellung eines alternativen Standorts bemüht.

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Und Seubert hofft auf die Zusage von Konrad Bau-Geschäftsführer Köhler, der öffentlich die Möglichkeit eingeräumt habe, mit der ganzen Anlage an diesen alternativen Standort umzuziehen“. Im Lkw-Verkehr im Rahmen der Baumaßnahme sieht er einen „kleinen Vorgeschmack darauf, was mit der Anlage kommt“. Das werde laut, gefährlich und Dreck mit sich bringen, ist er überzeugt. Die „Baustellenspaziergänge“ will die BI im Februar fortsetzen.

„Dass Konrad Bau nun mit den Erdaushubarbeiten begonnen hat, ist keine Überraschung, sondern entspricht den langfristigen Ankündigungen des Unternehmens gegenüber allen Teilnehmern des Gesprächskreises, vom bestehenden Baurecht zeitnah Gebrauch zu machen“, sagt Bürgermeister Dr. Lukas Braun. Als freiwillige Selbstverpflichtung habe das Unternehmen wiederholt angekündigt, die neue Anlage für einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer auf höchstens 50 000 Jahrestonnen verarbeitetem Bodenabfall begrenzten Kapazität zu betreiben. „So wie sich alle Beteiligten gemeinsam und erfolgreich für Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt eingesetzt haben, werden wir auch die Prüfung jener angedachten Alternativstandorte fortführen, die noch nicht aufgrund praktischer oder naturschutzrechtlicher Hürden ausgeschieden sind“, sagt das Stadtoberhaupt abschließend.

Projektgegner hatten mehrfach gegen den Bau geklagt und waren schließlich vor Gericht mit ihren Einwänden gescheitert. Auch an den Petitionsausschuss des Landtags hat sich die Bürgerinitiative gewandt. Dessen Bericht soll am 4. Februar verabschiedet werden, erklärt Seubert.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz