Bürgermeisterwahl - Alle Fraktionen signalisieren Bereitschaft zur konstruktiven Sachpolitik / Erwartungen an das neue Stadtoberhaupt Dr. Lukas Braun Hoffnung auf kommunalen Frieden

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Thomas Schreiner
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Bürgermeisterwahl in Lauda-Königshofen: Die Ergebnisse des zweiten Wahlgangs am Sonntag, 29. März 2020 (Tabelle korrigiert am 31. März 2020, siehe Artikel ""Turbulenzen" wegen Briefwählern"). © FN

Das politische Lauda-Königshofen steht auch einen Tag nach der Bürgermeisternachwahl kopf. Nun äußern sich erstmals die drei Fraktionsvorsitzenden zu diesem historischen Bürgervotum.

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Lauda-Königshofen. Selbst langjährige Begleiter der Politik in Lauda-Königshofen sind nach wie vor überrascht, welche Wendung sich in der Bevölkerung zwischen dem 15. März und der Nachwahl am letzten Sonntag vollzogen hat. Dr. Lukas Braun schaffte in dieser Zeit das, was eigentlich niemand für möglich gehalten hatte. Er holte im zweiten Wahlgang 1306 Stimmen bzw. 21,5 Prozent der Stimmen auf und überholte damit den bisher klaren Favoriten Georg Wyrwoll, der bei der ersten Wahl mit 48,2 Prozent nur knapp die erforderliche absolute Mehrheit verpasst hatte. Ganze 50 Stimmen trennten beide bei der Endabrechnung, so dass Dr. Lukas Braun nun für die nächsten acht Jahre zum Bürgermeister der Stadt Lauda-Königshofen gewählt ist.

Die Bundestagsabgeordneten Alois Gerig, Nina Warken und Charlotte Schneidewind-Hartnagel sowie die Landtagsabgeordneten Dr. Wolfgang Reinhart und Dr. Christina Baum gratulierten noch am Sonntagabend gemeinsam mit Landrat Reinhard Frank dem 38-Jährigen zu seiner Wahl. Aufgrund der aktuellen Krise um das Coronavirus fand der sonst übliche persönliche Glückwunsch am Wahlabend allerdings nicht statt.

Landrat Reinhard Frank fasste die Glückwünsche aller aber in einem Brief an Dr. Braun zusammen:

Vertrauensbeweis

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„Zu Ihrer Wahl in das vermeintlich schönste Amt unseres Landes, das des Bürgermeisters, gratuliere ich Ihnen persönlich, wie auch im Namen des Main-Tauber-Kreises sehr herzlich. Die Bürger in Lauda-Königshofen haben Ihnen im zweiten Wahlgang nach einem bemerkenswerten Wahlkampf ihr Vertrauen geschenkt. Dieser Vertrauensbeweis sei etwas ganz Besonderes.

Für die kommenden acht Jahre wünschen wir Ihnen Mut, Neues anzupacken und die Energie, Begonnenes stets zu Ende zu bringen. Weiterhin wünschen wir Ihnen das nötige Quäntchen Glück, das auch der Tüchtigste braucht.

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Wir alle freuen uns auf eine konstruktive und gute Zusammenarbeit zum Wohle der Bürger der Stadt Lauda-Königshofen.“

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Auf das knappe Ergebnis gehen Michael Geier und Hubert Segeritz, die beiden Fraktionsvorsitzenden der Freien Bürgerliste der letzten Jahre, in einer gemeinsamen Stellungnahme ein. „Der Sinn einer Stichwahl liegt vor allem darin, dass die Wähler der unterlegenen Kandidaten sich neu orientieren können und ihre Stimmen nicht verfallen. Ein großes Lob gebührt daher Mirco Göbel, dessen Ergebnis im ersten Wahlgang durch falsche Gerüchte litt und der seinen Wählern anschließend die Wahl von Dr. Braun empfahl. Dies ist ein ganz normaler und demokratischer Vorgang und in keiner Weise unfair“, so die beiden Stadträte auf Anfrage der FN. Die vergangenen zwei Wochen seien durch teils sachliche, aber auch persönlich verletzende Leserbriefe und Beiträge in den digitalen Medien geprägt gewesen.

Auf den neuen Bürgermeister warte nun die Herkulesarbeit, die in der letzten Zeit aufgebrochenen Gräben innerhalb der Stadt und auch zu den Nachbargemeinden zu schließen. „Helfen wir ihm dabei“, appellieren sie an alle politischen Kräfte in der Stadt. „Das sind wir den Bürgern unserer Stadt schuldig“.

Wer den aktuellen Haushaltsplan der Stadt Lauda-Könighofen aufmerksam durcharbeite, „findet leider keinen Hinweis darauf dass ’die Stadt vor Kraft strotz’“, wie am Wahlabend vom Amtsinhaber verkündet. Dort finde sich auf Seite 25, versehen mit der Unterschrift von Bürgermeister Maertens und Stadtkämmerer Haberkorn, der Satz: „Die Begrenzung der Verschuldung sollte auch weiterhin klares Ziel der städtischen Finanzpolitik sein. Dies umso mehr, weil wir uns vom gesetzlich vorgeschriebenen Haushaltsausgleich mit 3,456 Millionen Defizit weiter entfernen.“

In Zeiten der Coronakrise müsste die Stadt zudem mit einem drastischen Rückgang der Steuereinnahmen rechnen. „Bleiben wir also auf dem Boden der Tatsachen. Die Zeiten der Versprechungen sind vorbei. Es gilt nun die Probleme gemeinsam anzupacken. Dazu ist die Freie Bürgerliste bereit und freut sich auf einen Neuanfang mit Dr. Lukas Braun, bei dem alle drei Fraktionen auf Augenhöhe mitgestalten können und müssen. Nutzen wir den Neustart zur Gestaltung einer guten Zukunft für unsere Stadt“, so Michael Geier und Hubert Segeritz in ihrer Erklärung abschließend.

Ein intensiver Wahlkampf gehe zu Ende, resümiert auch Marco Hess, Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Zunächst gratulieren wir dem Wahlsieger und neuen Bürgermeister der Stadt, dem keine einfache Aufgabe zuteil wird. Einfach auch deshalb nicht, weil beispielsweise mit den Leserbriefschlachten der letzten zwei Wochen erneut viel Porzellan zerschlagen wurde und das negative Image der Stadt weiterhin in die Region getragen wurde.“

Nun sei ein Bürgermeister aus den Reihen von FBL/SPD gewählt worden. „Nachdem diese beiden Fraktionen mit dem neuen Bürgermeister über eine komfortable Mehrheit von 18 zu 12 Sitzen verfügt, werden auch umstrittene Entscheidungen künftig mit der Mehrheit hieraus verbunden sein. Die CDU-Fraktion wird dabei die Sachpolitik in den Fokus stellen und konstruktiv-kritisch die Kommunalpolitik zum Wohle der Stadt begleiten. Es wird sich zeigen, ob der neue Bürgermeister jetzt auch liefern kann oder eben nur ein Verwalter bleibt. Auch SPD/FBL werden sich wandeln müssen: die Zeiten der immerwährenden Fundamentaloppositionsrolle gegen die Verwaltung und den Bürgermeister sind jetzt vorbei. Jetzt heißt es für sie, selbst Verantwortung auch in unbequemen Entscheidungen zu übernehmen“, so Hess.

Anerkennung für Georg Wyrwoll

Der CDU-Fraktionsvorsitzende zollt vor allem dem unterlegenen CDU-Kandidaten Georg Wyrwoll Anerkennung. „Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich bei Herrn Wyrwoll bedanken, der einen fairen, sachlichen, engagierten und bürgernahen Wahlkampf geführt hat und dafür zuletzt zu Unrecht mit Gerüchten und Verunglimpfungen wie Arbeitslosigkeit, Lächler oder ’launiger Entertainer’ zu kämpfen hatte. Er ist ein fairer Verlierer, so wie er eben auch als Bewerber fair gespielt hat. Das gebührt unsere große Anerkennung und unser Dank. Unser persönlicher Dank gilt allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung, besonders den Verantwortlichen der Wahldurchführung für ihren zeitintensiven Einsatz in schwierigen Zeiten“, lobt Hess die Stadtbediensteten..

Die Fraktion von SPD und Freien Bürgern zeigt sich über die Wahl von Dr. Braun zum Bürgermeister „sehr erfreut und wir wünschen ihm alles Gute vor allem Gesundheit in Corona-Zeiten und viele Unterstützer bei der Bewältigung seiner anspruchsvollen und schwierigen Aufgabe als Bürgermeister unserer Stadt“, so deren Vorsitzender Siegfried Neumann am Montag nach der Wahl.

„Wir haben auf Empfehlung des SPD-Ortsvereinsvorstandes und ihres Wunschkandidaten Mirco Göbel, Herrn Braun im zweiten Wahlgang unterstützt, weil es programmatisch zwischen Beiden genügend Schnittstellen gibt. Es wird nicht leicht sein, in der kommunalen Familie Lauda-Königshofens Frieden zu stiften. SPD und Freie Bürger trauen dies Herrn Braun zu, denn er hat charakterlich und mit seinen Erfahrungen als Parlamentarischer Berater die nötige Festigkeit, um den Gemeinderat überparteilich und unter Beachtung des Kommunalrechts zu leiten und somit einer neuen Sachlichkeit den Weg zu ebnen – im Sinne eines Brückenbauers“, so Neumann abschließend.

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