Geburtstag - Sepp Stöger war Mitbegründer des Berufsförderungswerks / Geschätzter Kommunal- und Kreispolitiker Gewerkschafter setzte wichtige Akzente

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Herbert Bickel
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Ein Höhepunkt jagt den anderen: Nach der am 30. Juli gemeinsam gefeierten Eisernen Hochzeit steht für Sepp Stöger mit dem 90. Geburtstag das nächste große Fest an.

Nächstes Fest nach der Eisernen Hochzeit: Seinen 90. Geburtstag feiert an diesem Sonntag in Königshofen Sepp Stöger, der frühere langjährige Vorsitzende des DGB im Main-Tauber-Kreis. © Herbert Bickel
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Königshofen. Mit längst eingeschliffenen Ritualen beginnt bei ihm jeder Tag: Nach dem Inhalieren und der knapp einstündigen Morgengymnastik folgen seit 2001 die regelmäßigen Messungen von Regenmenge und Temperatur mit fein säuberlichem Aufschrieb – feste Bestandteile im Ablauf, genauso wie der Konsum des geliebten Gerstensaftes für den eingefleischten Biertrinker. Am morgigen Sonntag bietet sich für ihn erst recht die Gelegenheit, oftmals anzustoßen, schließlich begeht Sepp Stöger in der Messestadt seinen 90. Geburtstag.

Bis 1993 langjähriger agiler Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, fühlt sich der Ur-Bayer in seiner „zweiten Heimat“ Königshofen zwar allemal voll heimisch, legte dabei aber nie seinen unverwechselbaren Dialekt ab. Der früher äußerst reiselustige Jubilar, in zahlreichen örtlichen Vereinen in vielfältigen Funktionen tätig, machte sich auch als engagierter Kommunalpolitiker einen Namen.

Geboren am 23. August 1930 in München, erlernte Sepp Stöger nach der Volksschule in Rosenheim das Bäckerhandwerk, abgeschlossen 1947 mit der Gesellenprüfung. Nach mehreren Stationen in diesem „Broterwerb“ begann er 1950 als Weber bei einer Göppinger Baumwollspinnerei. 1951 in die Gewerkschaft eingetreten, berief man ihn 1954 erstmals in den Betriebsrat der 600 Mitarbeiter starken Belegschaft, ehe er 1958 den Vorsitz in diesem Gremium übernahm.

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Zwischenzeitlich seit dem 30. Juli 1955 mit Luise verheiratet (der plus Ehefrau mit im Eigenheim wohnende Sohn Ulrich erblickte 1958 das Licht der Welt), beförderten diverse Schulungen Stöger bald zum Fachmann in Arbeitnehmerfragen. Mit dem Studium an der Sozialakademie verschaffte er sich 1965 darüber hinaus die nötigen Grundlagen für seine Tätigkeit als hauptamtlicher Sekretär der Gewerkschaft Textil und Bekleidung ab dem 1. April 1966.

Referent bei bfw

Nach Verwendungen in Tübingen, Frankfurt und Reutlingen erfolgte dann 1970 ein weiterer Karrieresprung, als man Sepp Stöger mit Wirkung vom 1. September zum Vorsitzenden des DGB im damaligen Kreis Tauberbischofsheim bestellte. In jeweils vierjährigem Turnus im späteren Main-Tauber-Kreis wiedergewählt, setzte er hier bis zu seinem Ausscheiden Ende 1993 entscheidende Akzente. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit profilierte er sich so als einer der Mitbegründer und Referent des Berufsförderungswerkes (bfw).

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Aber auch in der Kommunal- und Kreispolitik hatte die Meinung des seit August 1970 in Königshofen wohnenden Sozialdemokraten, den man schon 1971 in das örtliche Ratsgremium der zu diesem Zeitpunkt noch selbstständigen Stadt berief, seitdem stets anerkanntes Gewicht. Bis zu den Kommunalwahlen 1999 gehörte Stöger ohne Unterbrechung dem Gemeinderat – jetzt Lauda-Königshofen – an, und blieb bis 2008 noch weiterhin im Messeausschuss, exklusiv und außergewöhnlich geehrt per Urkunde und klingendem Mini-Kettenkarussell durch die Marktleute und Schausteller. Von 1974 bis 1994 vertrat er ebenfalls kontinuierlich die SPD, die ihn 1980 als Landtagskandidaten nominiert hatte, im Kreistag Main-Tauber.

In vielen Ämtern aktiv

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Daneben war der Jubilar noch alternierender Vorstandsvorsitzender der AOK, Mitglied des Verwaltungsausschusses Neckar-Odenwald des hiesigen Arbeitsamtes und Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses der IHK Heilbronn für die Region Franken in Verbindung mit der Schlichtungsstelle.

Fast ein Vierteljahrhundert, bis 1997, übte er dieses verantwortungsvolle Amt aus, was ihm bei seiner Verabschiedung die höchste Auszeichnung der Industrie- und Handelskammer, die Ehrenmedaille in Gold, einbrachte.

Der damit erste Arbeitnehmervertreter überhaupt, der zudem 1992 das Bundesverdienstkreuz erhielt, hörte zwar als Finanzrichter in Karlsruhe 1993 auf, blieb jedoch vielen Königshöfer Vereinen weiterhin als aktiver Mitstreiter erhalten. So fungierte das einstige Gründungs- und inzwischen Ehrenmitglied des Vogel- und Naturschutzvereines auch lange als stellvertretender Vorsitzender im Heimat- und Kulturverein Phönix.

Trotz dieser Verpflichtungen führte Sepp Stöger ab 1969 kontinuierlich Studienreisen in quasi alle Länder der Welt durch; eine Leidenschaft, die er erst im höheren Rentenalter mit dem genau 50. Trip nach Madeira endgültig zu den Akten legte. Neben dem Job als Leiter fand sich dabei immer noch eine Nische, um als begeisterter Filmer die Eindrücke der fernen Ziele dokumentarisch auf Zelluloid zu bannen.

Der meist gut gelaunte Jubilar, der dadurch über eine riesige Sammlung von Reise-Souvenirs verfügt, schwang sich dafür bis zuletzt oftmals auf das Fahrrad (mittlerweile Hometrainer) oder widmete sich intensiv der Gartenarbeit, wobei er es beim Baumschnitt fast zur Perfektion brachte.

Verbindung zur KAB

Als wichtige Aufgabe betrachtete der stets die Verbindungen zur KAB und der Kreishandwerkerschaft pflegende Stöger vor allem seine Funktion im Beirat der Initiative „Pro Region“ – in der Zwischenzeit noch als einfaches Mitglied dabei.

Dem Königshöfer, der bei aller bescheinigter Umtriebigkeit die Harmonie im privaten Bereich suchte und weiterhin schätzt, dürften zum 90. Geburtstag an diesem Sonntag sicherlich viele Weggefährten gratulieren.

Auch die Fränkischen Nachrichten schließen sich den zahlreichen Glückwünschen an.