Gemeinsame Feier - Fünf Gemeinden erinnern am Ostermontag an die Kämpfe vor 70 Jahren auf Gemarkung Königshofen/Deubach Gedenkfeier "70 Jahre Frieden, nie wieder Krieg"

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Lauda-Königshofen. Ganz im Zeichen "70 Jahre Frieden, nie wieder Krieg" steht eine Gedenkfeier und Andachtsstunde am Ostermontag, 6 April, um 15 Uhr, die von der Initiative "Zukunftsdialog Balbachtal (ZuDiBa)" in einer Kooperation der Ortschaften Deubach, Unterbalbach, Oberbalbach, Messelhausen und Hofstetten gemeinsam mit der Seelsorgeeinheit Lauda-Königshofen veranstaltet wird.

Wegweiser

  • Die Gedenkfeier findet am Montag, 6. April, um 15 Uhr an der Augustinuswegstation "Engel" am Waldrand zum "Turmberg"/"Königshöfer Holz" statt.
  • Von Königshofen Richtung Unterbalbach an der Ecke B 290 / Sporthaus "Intersport MUM" links in Richtung "Kaltenberg" abbiegen, geradeaus am ehemaligen Bunker "Gustav" vorbei dem Asphaltweg in Richtung Fernmeldestation der Bundeswehr folgen. Die Station befindet sich links neben dem Asphaltweg direkt vorm Wald. Parkplätze befinden sich am Rand der asphaltierten Straße. Bei schlechtem Wetter findet die Gedenkfeier im Gemeindezentrum Unterbalbach statt. pdw
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Anlass für die Gedenkstunde sind zum einen die schrecklichen und sinnlosen Kriegskämpfe rund um den Turmberg auf Gemarkung Königshofen-Deubach an Ostern 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Zum zweiten soll vor allem auch daran erinnert werden, dass aus dem Kriegsende zugleich bis heute währender, 70-jähriger Friede resultierte, der ganz besonders dankbarer Anlass für die Gedenkfeier ist.

Auf dem Programm stehen nach einer Begrüßung durch den Oberbalbacher Ortsvorsteher Christian-Andreas Strube unter anderem Zeugnisse und Kurzaussagen von Zeitzeugen aus den jeweiligen Ortschaften. Eine ökumenische Andacht unter Zelebration von Pfarrerin Laura Breuninger, evangelische Kirchengemeinde Königshofen Grünsfeld, und Pfarrer Ralph Waltersbacher, katholische Seelsorgeeinheit Lauda, steht mit Fürbitten, Gebeten, einer Predigt, Psalmworten und Liedern im Mittelpunkt der Gedenkstunde.

Die Nationalhymne und Europahymne als Zeichen des Friedens runden am Ende die Gedenkfeier ab. Musikalisch umrahmt und begleitet wird die Veranstaltung von Bläsergruppen aus den Gemeinden. Für Sitzgelegenheiten ist gesorgt.

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In dem am frühen Morgen des 1. Septembers 1939 begonnenen Zweiten Weltkrieg verloren bis zu seinem Ende am 8. Mai 1945 in Europa sowie am 2. September 1945 in Asien während diesen rund sechs Jahren rechnerisch in jeder Stunde 1.045 sowie in jeder Minute 17 Menschen ihr Leben. Insgesamt forderte dieser Krieg 55 Millionen Todesopfer als Soldaten, Opfer der Luftkämpfe, Flüchtlinge und Vertrieben sowie Opfer der Gewaltherrschaft. Auch bei den Kriegskämpfen im Bereich zwischen Königshofen und Deubach sowie darüber hinaus in der Region waren zahlreiche Todesopfer zu verzeichnen.

Eine Deubacher Frau, Mutter von drei Kindern, wurde am Bahnhof in Lauda von Tieffliegern tödlich verletzt. Alleine von den 32 aus Deubach zum Kriegsdienst eingezogenen Männern kehrten sechs nicht mehr zurück. In der Woche nach Ostern kam der Krieg direkt in das Dorf Deubach. Am 3. April 1945 flog die erste Granate und traf das Pfarrhaus, wobei zwei kleine Mädchen des diensthabenden Arztes starben. Die meisten Bewohner Deubachs hielten sich während dieser Tage in den Kellern ihrer Häuser auf.

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Junge Soldaten, fast alle Offiziersanwärter und höchstens 18 Jahre alt, mussten Richtung Königshöfer Wald über die Felder hinweg dem Feind entgegentreten. Sie waren kaum ausgebildet und zudem schlecht ausgerüstet. Einige unerschrockene und besonders mutige Bürger und Bauern gaben ihren zumeist nächtlichen Besuchern aus den Stellungen zu essen. Berichten eines Zeitzeugen nach habe zum Beispiel ein älterer Bauer, als er kein Brot mehr gehabt habe, für die hungernden Soldaten Kartoffeln gekocht. Am Ende dieser dramatischen Tage war die grausame Bilanz über 300 Tote auf Gemarkung Deubach-Königshofen, davon 200 amerikanische und 100 deutsche Soldaten. 28 von ihnen ruhen auf dem Deubacher Friedhof.

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Am 11. April 1945 wurde die Gemarkung nach umherliegender Munition abgesucht. Die aufgefundenen Granaten, Panzerfäuste und Infanteriemunitionen füllten vier Wagen. Noch heute sind im Wald Deckungsgräben der Soldaten zu sehen. Ebenso trifft man immer wieder auf Granatsplitter im Nutzholz. Deubach hatte nach dem Krieg 151 Einwohner. Bis 1953 waren in dem kleinen Ort 146 Heimatvertriebene eingetroffen, die alle unterbracht, beschäftigt und ernährt werden musste.

Allerdings gab es selbst 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs und gibt es weltweit immer noch und immer wieder Kriege und Bürgerkriege sowie Unterdrückung und Verfolgung. Auch vor diesem Hintergrund will die Gedenkstunde am Ostermontag sowohl an die damaligen Kriegsereignisse an Ostern vor 70 Jahren erinnern als auch dankbar vor allem an die seit kurz danach bis heute sieben Jahrzehnte gegebene Friedenszeit. w pd