Kleinod - Kranke Buchen rund um die Lourdes-Grotte bei Oberlauda fielen der Motorsäge zum Opfer Fäll-Aktion als Vorsichtsmaßnahme

Die Lourdes-Grotte ist ein idyllischer Ort mitten im Wald, der zum Verweilen und zum Gebet einladen möchte. Mit dem Schlagen der Buchen ist diese Atmosphäre nun zerstört.

Von 
Diana Seufert
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Die Buchen um die Lourdes-Grotte bei Oberlauda waren nicht gesund und wurden als Sicherungsmaßnahme gefällt. © Reinhard Haas, Reinhard Haas

Oberlauda. Für die Oberlaudaer ist die Lourdes-Grotte im Haag-Wald etwas ganz Besonderes. Liebevoll wird sie gepflegt, um Wanderern einen schönen Ort der inneren Einkehr zu bieten.

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Zahlreiche Freiwillige aus dem Ort sorgen die letzten Jahre bei einer Gemeinschaftsaktion dafür, dass der Kreuzweg und der Platz vor der schmucken Grotte von Laub, herumliegenden Zweigen und manchmal auch von Unrat befreit werden. Nicht nur der Platz wird freigeräumt, sondern auch die Grotte selbst instand gehalten.

Zum besonderen Ambiente dieser kleinen Andachtsstätte mitten im Wald gehört für viele auch die umgebende Natur. Ein dichtes Blätterdach sorgt im Sommer für angenehme Kühle, die Vögel steuern mit einem Konzert der Stimmen zur angenehmen Atmosphäre bei.

Dass im Dezember allerdings die dortigen Buchen die Motorsäge die winterliche Ruhe gestört und die Bäume ihr zum Opfer gefallen sind, stößt bei einigen Bewohnern Oberlaudas auf Unverständnis. In ihren Augen ist damit die Idylle dieses Orts zerstört worden.

Dürre Kronen

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„Die Grotte ist ein Kleinod“, gesteht Förster Ulrich Stier. Er kann den Wunsch der Oberlaudaer Bürger nachvollziehen, dass hier nur wenig an Hieb gemacht werden sollte. Aber er ist auch für die Sicherheit im Wald zuständig. Und aufgrund der Corona-Pandemie werde der Wald derzeit verstärkt von Spaziergängern als Naherholungsraum genutzt.

„Die Buchen waren nicht gesund und hundertprozentig sicher“, begründet der Revierleiter die Sicherungsmaßnahme rund um die Grotte. Und damit herabfallende dürre Äste aus der Baumkrone weder den vielen Spaziergängern noch der Grotte selbst Schaden zufügen, habe man sich zu diesem Hieb entschlossen.

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„Wir haben einiges an Buchen mit dürren Kronen herausgemacht, aber auch an Stämmen, die kurz davor waren, dürr zu werden.“ Insgesamt wurden in der Klinge rund 15 Bäume gefällt. Einige hatten bereits einen braunen Kern. „Das hätte aufgrund des Alters der Stämme nicht passieren dürfen“, macht Stier deutlich, dass es sich hier nicht um mächtige und vor allem wertvolle Stämme handelt. Nach seiner Aussage war der Aufwand zum Fällen der Buchen in der Hanglage der Klinge größer als der Gewinn, den das Holz erzielen wird.

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Für Stier war die Aktion daher eine reine Vorsichtsmaßnahme. Einige Stämme hätten eine „gravitative Neigung Richtung Grotte“ gezeigt. Doch er räumt ein: „Es war keine Gefahr im Verzug.“ Der Revierleiter hatte Sorge, dass Holz auf die Grotte fallen könnte oder Besucher verletzt werden könnten. „Bei dürren Bäumen ist die Gefahr groß, dass etwas passiert, und auch unberechenbar.“

Holz auf dem Kreuzweg

Bereits durch Sturmschäden Anfang des letzten Jahres sei der Kreuzweg zur Grotte mit viel Holz „zugeworfen“ worden. Waldarbeiter hätten auf Kosten der Stadt diese Äste entfernt. Nun hatte der Revierleiter im Zuge der Arbeiten auf einer rund zwölf Hektar großen Fläche bei Oberlauda auch die Durchforstung des Bereichs um die Grotte ins Auge gefasst.

Natürliche Verjüngung

Der Einschlag der kranken Buchen gibt anderen Bäumen eine Chance. Eine Naturverjüngung des Waldes sei dort geplant, sagt Revierleiter Stier. Junge Buchen, Ahorne und Eschen können so in die Höhe wachsen. „Aufgrund der Dichte der Jungpflanzen ist eine größere Auswahl möglich und die Ausfallquote geringer“, will der Experte die natürliche Nachzucht nutzen. In der nur schwierig zugänglichen Lage der Klinge werde man sie gedeihen lassen.

Ein Idyll kann rund um die Grotte wieder entstehen – auch wenn es einige Jahre dauern wird, wie der Revierleiter einräumt. Stier weiß, dass dies für die Oberlaudaer, die sich mit großem Engagement um die Lourdes-Grotte im Haag-Wald kümmern, derzeit sicherlich kein Trost ist. Trotzdem gehe die Sicherheit vor.

Redaktion Hauptsächlich für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim im Einsatz