Hier hat der Leser das Wort - Zum dauerhaften Betrieb der Frankenbahn zwischen Lauda und Osterburken „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und nicht der Fahrgastzahlen“

Von 
Leserbrief-Schreiber: Dr. Dieter Thoma
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Fährt die Frankenbahn (wieder) dauerhaft zwischen Lauda und Osterburken? Oder werden die Anlieger erneut vom Bahn-Nahverkehr ausgegrenzt? Für mich eine Frage der Gerechtigkeit, nicht der Fahrgast-Zahl.

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1856 beschloss die Badische Ständekammer als Gesetz die Notwendigkeit einer Bahnlinie von Heidelberg „längs dem Odenwald in der Richtung nach Würzburg“. Die Anlieger-Gemeinden wetteiferten: Sie gaben Flächen und Landschaft – sie erhielten dafür Bahnhöfe, den Anschluss an die Welt.

1866 wurde die Odenwaldbahn Heidelberg-Würzburg eröffnet. Fünf Bahnhöfe zwischen Osterburken und Lauda waren sofort dabei: Rosenberg, Eubigheim, Wölchingen, Unterschüpf, Königshofen. Das sind mehr, als heute bedient werden. Rasch folgten Schweigern und Hirschlanden, später Sachsenflur und Uiffingen. Tagtäglicher Bahn-Nahverkehr, auch am Wochenende: im Großherzogtum Baden, im Kaiserreich, in der Weimarer Republik. Meist auch in Kriegszeiten. Ebenso im Bundesland Baden und Baden-Württemberg – bis zum Kahlschlag 1985. Zwischen Lauda und Osterburken Streichung aller Nahverkehrszüge, mit Billigung der Landesregierung.

Damalige Verkehrspolitik: Die Bahn zieht sich vom flachen Land zurück. Man setzt auf Busse statt Bahn, Straße statt Schiene. Wir liegen direkt an der Schiene und wurden vom Bahn-Nahverkehr ausgegrenzt. Keine Kommune wurde dabei schwerer geschädigt als Boxberg: gleich vier Bahnhöfe verloren . . .

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Doch die Bahnpolitik änderte sich. Nach dem Motto des Karlsruher Stadtbahn-Modells „Die Bahn muss zu den Menschen kommen“ wuchsen S-Bahnen aufs flache Land. Unsere alte Odenwaldbahn wurde zur S-Bahn von Heidelberg bis Mosbach-Osterburken – aber unsere Strecke blieb ausgegrenzt. Der Abschnitt Osterburken-Würzburg zählte inzwischen zur Frankenbahn. Auch hier fortlaufend Verbesserungen, auch zwischen Lauda und Würzburg – nur unsere Strecke weiter ausgegrenzt.

Die Kreisakteure erkannten: Der Nahverkehr Lauda-Osterburken muss wiederbelebt werden. Nach Gutachten und Diskussionen einigte man sich auf die Frankenbahn im Zwei-Stundentakt, zuerst Ausbau der vier seit 1998 mini-bedienten Haltestellen, danach weitere Haltestellen.

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Ab 2019 sollte der Dauerbetrieb im Zwei-Stundentakt kommen. Das Land stimmte zu – auch 2011 und bis zum Oktober 2013. Da sagte der neue Verkehrsminister plötzlich: Stopp! „Aufgrund finanzieller Rahmenbedingungen“ könne die Regionalbahn Osterburken-Lauda 2019 noch nicht anlaufen. Die gesamte Verkehrspolitik werde neu ausgerichtet. Ergebnis auf Landesebene: offenbar viele Verbesserungen. Ergebnis für Lauda-Osterburken: Stillstand, erneute Ausgrenzung. Ein Jahrzehnt Anstrengungen zur Reaktivierung zerschlagen – das verdient die Note 6 = ungenügend. Es folgten persönliche Schreiben an den Minister, Leserbriefe, Resolutionen der Parlamente, Schreiben von Amtsträgern, die Unterschriftenaktion von Ahorn – jahrelang alles umsonst. Erst die Demos der Bürgerinitiative „Frankenbahn-für-alle“ im Mai 2018 mit der Maximal-Forderung „S-Bahn-Lückenschluss Osterburken-Lauda-Würzburg“ bewirkten einen Kurswechsel.

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Plötzlich ging es doch: Bahn-Nahverkehr zwischen Lauda und Osterburken, sogar im Stundentakt. Ein Erfolg – aber eingeschränkt: Die Landkreise müssen mitbezahlen, der Betrieb nur zur Probe, zunächst für drei Jahre, auf nur vier Haltestellen begrenzt (wobei Königshofen noch immer nur halb bedient wird). Und die Damokles-Forderung: mindestens 500 Fahrgast-Kilometer täglich. Wurden bei der S-Bahn Mosbach-Osterburken Mindest-Fahrgäste verlangt? Wurden bei der Frankenbahn Lauda-Würzburg Mindest-Fahrgäste verlangt? Weder noch – aber für Lauda-Osterburken. Hier ist sie wieder, die Ausgrenzung, die uns wie Bürger und Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt. Damit muss endlich Schluss sein!

Ich verstehe die 500er-Zahl als Ansporn, nicht als K.o.-Kriterium. Nach 30-jähriger Bahn-Ausgrenzung braucht es mehr als drei Jahre Hoppla-Hopp, mehr als dreieinhalb Jahre „auf Probe“ bediente Haltestellen, um verlässlich zur Bahn zurückzukehren. Hier sind alle gefordert. Grundlage ist die Grundsatz-Entscheidung für einen dauerhaften Bahn-Nahverkehr Lauda-Osterburken.