AdUnit Billboard

Leserbrief - Zu „Erst Fahrgäste, dann Infrastruktur“ (FN, 29. April) „Erst Infrastruktur, dann Fahrgäste”

Lesedauer
© Fotolia/mapoli-photo

Wenig Weitblick zeigt der Tenor der letzten Sitzung des Verkehrsausschusses im Neckar-Odenwald-Kreis: „Erst Fahrgäste, dann Infrastruktur“. Nach diesem Grundsatz hätte der NOK keine S-Bahn, vielleicht nicht mal eine Bahnstrecke. Blicken wir in die Geschichte: Als vor 165 Jahren die Odenwald-Bahn Heidelberg – Würzburg geplant wurde, hat man nicht vorher Fahrgäste gefordert. Die Bahnstrecke wurde gezielt auch durch ländlichen Raum gelegt. Die Ortschaften gaben dauerhaft Land und Landschaft – und erhielten dafür Bahnstationen für Personen- und Güterverkehr. Erst Infrastruktur, dann Fahrgäste.

Bahnanlieger sollen auch mit der Bahn fahren können. 120 Jahre lang galt der Grundsatz, wurden alle Gemeinden an der Strecke gleichbehandelt. Dann kam 1985 der Bedienungskahlschlag: Zwischen Osterburken und Lauda wurden alle neun Bahnhöfe kaltgestellt, Busse statt Bahn. Die dortigen Bahn-Gemeinden sind seither vom Bahn-Nahverkehr ausgegrenzt.

Als vor 20 Jahren die S-Bahn von Heidelberg her auch im ländlichen Raum Mosbach/Osterburken gebaut wurde, hat man da vorher nach Fahrgast-Zahlen gefragt? Nein, alle Stationen wurden zweigleisig optimal ausgebaut. Alle, auch in Ortschaften wie Zimmern oder Neckarburken. Die Vorleistung zahlte sich aus: erst Infrastruktur, dann Fahrgäste.

Mehr zum Thema

Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr

Frankenbahn: Erst die Fahrgäste, dann die Infrastruktur

Veröffentlicht
Von
Ralf Scherer
Mehr erfahren

Zum Bericht „Erst die Fahrgäste, dann die Infrastruktur” (FN, 29. April) „Die Kritik an Bürgermeister Dr. Braun ist mir ein Rätsel“

Veröffentlicht
Von
Rainer Hammerich
Mehr erfahren

Als in den folgenden Jahren der Nahverkehr Lauda/Würzburg und Osterburken/Heilbronn verdichtet wurde, hat man da vorher nach Fahrgast-Zahlen gefragt? Ich habe nichts gehört. Von all diesen tollen Fortschritten ist nur ein Bahn-Stück ausgegrenzt geblieben – die Strecke Osterburken – Lauda.

Nach viel Hin und Her kam jetzt der vertaktete Bahn-Nahverkehr. Dafür sind wir dankbar. Endlich faire Gleichbehandlung? Leider nein, nur sehr halbherziger Nahverkehr: im „Probe-Prüf-Betrieb“, zeitlich begrenzt, mit nur drei Vollstationen und mit dem Damokles-Schwert „500 Ganzstrecken-Fahrgäste täglich“. Erneut erfahren wir eine ausgrenzende Sonder-Behandlung.

Die 500er-Forderung ist in meinen Augen ungerecht, undurchdacht, willkürlich. Nur ein Beispiel: Ganze drei (von früher neun) Stationen sind beim Probebetrieb voll dabei: Rosenberg, Eubigheim, Boxberg-Wölchingen. Ach ja, da ist noch Königshofen. Die dortige Halbstation ist ein landesweites Unikum. Hier gibt es den Bahnsteig der Tauberbahn, den kann die Frankenbahn für das Kurzstück nach Lauda mitnutzen. Aber für die Gegenrichtung nach Osterburken kann niemand einsteigen.

Höchste Zeit, diesen Missstand endlich anzuprangern.

Kritik nicht am mühsam erkämpften vertakteten Probebetrieb, sondern an der Halbherzigkeit, der Kurzsichtigkeit, wie der Prüfbetrieb umgesetzt wird. Königshofen ist mit 2800 Einwohnern die bevölkerungsstärkste Gemeinde zwischen Lauda und Osterburken (mehr Einwohner als Zimmern und Neckarburken zusammen). Gerade hier mit dem größten Fahrgast-Potenzial ist man nicht bereit, einen zweiten Bahnsteig zu bauen – stattdessen die Sonderforderung: 500 Ganzstrecken-Fahrgäste täglich. Was für ein Widersinn!

Wir haben diese diskriminierende Sonderbehandlung satt. Wir alle wollen nach den Probe-Jahren dauerhaften Bahn-Nahverkehr, endlich auch wieder zwischen Osterburken und Lauda, mit mehr und besser reaktivierten Haltestellen. Dafür kämpfen wir.

Dr. Dieter Thoma, Boxberg

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1