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Gerlachsheimer Mon(d)tage - Vortrag von Rolf Brauch von der evangelischen Landeskirche

Ernährungssituation eine echte Herausforderung

Von 
Peter D. Wagner
Lesedauer: 

Gerlachsheim. „Unser täglich Brot – aktuelle Herausforderungen für die Ernährungssituation weltweit“ lautete das Thema eines Vortrags- und Diskussionsabends im Josefshaus in Gerlachsheim zum Abschluss der „Gerlachsheimer Mon(d)tage 2022“.

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Die Veranstaltungsserie wird seit weit über 25 Jahren in einer Kooperation durch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und die Katholischen Landvolk-Bewegung (KLB) der Erzdiözese Freiburg durchgeführt. Nach zweijähriger Pandemie bedingter Zwangspause sowie einem Onlinevortrag im Februar über die Situation und Zukunft der Pflege war der jüngste Vortrag zugleich die erste Veranstaltung wieder in Präsenz.

Referent war Rolf Brauch, Diplom-Agraringenieur, Seelsorger sowie Berater und Regionalbeauftragter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande für Nordbaden der Evangelischen Landeskirche Baden.

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Nach Angaben des Deutschen Welthungerhilfe mussten 2020 bis zu 811 Millionen Menschen an Hunger und über zwei Milliarden an Mangelernährung leiden. Alle 13 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. Dabei wäre auf dieser Erde eigentlich genug Nahrung, Wissen und Mittel für alle vorhanden. Zudem haben gemäß einer von 162 Staaten ratifizierten völkerrechtlichen Verpflichtung alle Menschen einen Anspruch auf ausreichende Ernährung. Das Nachhaltigkeitsziel „Zero Hunger“ bis 2030 der Vereinten Nationen ist also keine Frage der Produktion, sondern der Verteilung und Gerechtigkeit. „Nicht erst der Krieg in der Ukraine und seine Folgen machen deutlich, dass die künftige Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung eine immense Herausforderung darstellt“, unterstrich Mitorganisator Bernhard Speck in einer Themeneinführung. In seinem Vortrag ging Rolf Brauch sowohl auf die Probleme als auch auf mögliche Schritte zu einer Lösung ein.

Zunächst erläuterte er ethisch-theologische Aspekte des „täglichen Brots“. Im Unterschied zur Industriekultur bedeute Agrarkultur, dass Landwirte lediglich optimale Voraussetzungen schaffen können, damit Lebensmittel wachsen. „Machen können sie letztlich die ‚Mittel zum Leben’ jedoch nicht“, hob der Agraringenieur hervor. Dabei seien Landwirte gleichzeitig Bebauer und Bewahrer im Sinne des Schöpfungsauftrags – „ein letztlich nicht aufzulösendes Spannungsfeld“, wie er zu bedenken gab. Weiterhin bestehe für Christen die Verpflichtung, dass alle Menschen auf dieser Erde ihr „tägliches Brot“ hätten.

Im zweiten Teil legte Rolf Brauch die wichtigsten Fakten zum Ukraine-Konflikt sowie die Folgen für Landwirtschaft und Ernährung dar. Insgesamt 30 Prozent der weltweiten Getreideproduktion und 75 Prozent des Sonnenblumenöls kommen aus Russland und der Ukraine.

Manche Länder wie Eritrea oder Somalia seien von Getreideimporten aus diesen Ländern abhängig. Verschärfend für die Welternährungslage kommen noch die hohen Preise für Energie und Dünger sowie die fehlenden Transportmöglichkeiten hinzu.

„Die Zeiten billiger Nahrungsmittel scheinen vorbei zu sein. Und Hunger ist als Waffe moderner Kriegsführung wiederentdeckt worden“, konstatierte der Referent.

„Zwölf Prozent aller Nahrungskalorien kommen aus Russland und der Ukraine. Der Ausfall des ukrainischen Getreides hat weltweit wohl mindestens 100 Millionen hungernde Menschen mehr zur Folge“, prognostizierte er. Einhergehend seien die gar nicht so neuen Diskussionen und Fragen „Lebensmittel für Teller, Trog und Tiernahrung, Tank oder Tonne?“ verschärft durch die aktuelle Krise als auch angesichts der ethischen Vorüberlegungen notwendige Konsequenzen.

„Mehr pflanzenbasierte Ernährung und weniger Konsum tierischer Lebensmittel sowie Erzeugung von Biosprit ausschließlich aus Rest- oder Abfallstoffen“, nannte Rolf Brauch als zwingende Lösungen. Dazu zählten ebenso die Verminderung und Vermeidung, Nahrungsmittel wegzuwerfen – derzeit 125 Kilogramm pro Bundesbürger und Jahr.

„Wir alle mit der Politik und Zivilgesellschaft sind verantwortlich dafür, dass sämtliche Menschen auf dieser Erde ihr tägliches Brot haben und die Fruchtbarkeit der Erde erhalten bleibt“, resümierte er abschließend.

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